Begegnung muss mehr sein als Essen und Folklore

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 Zur Premiere des ersten Runden Tisches Migration war erst mal Frustabbau angesagt. Aber auch konstruktive Vorschläge zum Tag de
Zur Premiere des ersten Runden Tisches Migration war erst mal Frustabbau angesagt. Aber auch konstruktive Vorschläge zum Tag der Begegnung wurden besprochen. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Persönliche Belange wie keine Arbeit, Wohnungswechsel, Probleme mit Deutschkursen sind beim ersten Runden Tisch Migration aufs Tapet gekommen. Es ging aber auch um die Neuausrichtung des Tages der Begegnung. Nur Essen und Tänze sei zu wenig. Etwa ein Dutzend Migranten sind am Montagabend der Einladung von Franziska Wieland von der städtischen Fachstelle Migration und Integration ins Integrationszentrum gefolgt.

Vor allem Syrer sind zur Premiere des ersten Runden Tisches Migration gekommen. Aber auch Leute aus der Türkei, dem Kosovo und von der albanischen Kulturgemeinde Albi. Erstmal war dann Frustabbau angesagt über gesetzliche Vorgaben, die manchen Geflüchteten das Leben schwer machen. Wie nicht arbeiten dürfen, wenn man nur geduldet ist und keine Bleibeperspektive hat. „Warum zahlt man uns Wohnung und Sozialhilfe, wir haben Hände und Füße und können arbeiten“ sagt Sali Krasnici stellvertretend für seinen Freund, der seit vier Jahren arbeitslos zu Hause sitzt. „Nicht arbeiten dürfen macht krank!“

Nach der Flucht geht die Odyssee oft weiter

Der Sprecher der Unterkunft in der Lazarettstraße beklagt weiter, dass eine geflüchtete Familie, weil sie keine Wohnung in Weingarten findet, nach zwei Jahren aus der Gemeinschaftsunterkunft raus und in eine Flüchtlingsunterkunft in Ravensburg ziehen muss. Nach oft traumatischer Flucht ginge so die Odyssee weiter und mühsam aufgebaute Kontakte zu Schule, Freunden und Nachbarschaft würden gekappt, nur weil ein Verteilungsschlüssel das so verlangt. Das sei ein Integrationskiller.

Die Qualität der Deutschangebote beklagten einige. In manchen Kursen würden die Teilnehmerinnen gar nicht bei ihrem Wissensstand abgeholt und könnten dadurch überhaupt nicht dem Unterricht folgen. Zein Murad Agha empfiehlt sich als Nachhilfe, die anderen Frauen die Grammatik auf arabisch erklären könnte. Überdies wünscht sich die Syrerin, die gut Deutsch spricht, nach dem Beispiel von Bad Waldsee, Räume zur Gründung eines syrisch-arabischen Vereins für die vielen syrischen Familien im Schussental. Dort könnten sie ihre Sprache pflegen gerade der Kinder wegen, die hier aufwachsen, und Einheimische einladen und sich austauschen über die Kulturen und Religionen. Franziska Wieland verweist auf Räume im Integrationszentrum, die von Migrationsverbänden genutzt werden können. Semra Yilmaz von „Demokratie leben“ regt überdies eine Plattform an, wo sich Migrantenorganisationen in allen Belangen umfassend informieren können.

Den Tag der Begegnung, der seit vielen Jahren im Rahmen des Welfenfestes auf dem Löwenplatz gefeiert wird, finden den einige Teilnehmer reformbedürftig. Das türkische oder indische Essen werde goutiert, dann noch ein bisschen Tänze auf der Bühne geguckt, aber wirklicher Austausch unter der Bevölkerung fände nicht statt. „Hier wäre Gelegenheit für Geflüchtete Einheimischen zu zeigen, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind“, sagt Semra Yilmaz. Vorurteile könnten abgebaut werden. Der Tag der Begegnung müsste Zeichen setzen für Gemeinschaft und Toleranz. „Wir bieten mehr als Essen“, sagt auch Ahmet Öz von In-Kultu-Ra. Seit 2013 machen sie mit. Er schlägt ein Schwerpunktthema für jedes Jahr vor, eine Podiumsdiskussion und empfiehlt, die Veranstaltung auf den Stadtgarten auszuweiten, um die beengten Verhältnisse auf dem Löwenplatz zu entzerren.

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