Auswärtige Schüler kosten bares Geld

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 Die Hälfte aller Schüler an den weiterführenden Schulen in der Stadt kommt nicht aus Weingarten.
Die Hälfte aller Schüler an den weiterführenden Schulen in der Stadt kommt nicht aus Weingarten. (Foto: dpa)

Der Stadt Weingarten fehlen große Flächen an den eigenen Schulen. Neue pädagogische Konzepte sowie die erwartete steigende Schülerzahl bringen für die Zukunft einen erhöhten Raumbedarf. Das hat die jüngst vorgestellte Machbarkeitsstudie zur Schulentwicklung klar aufgezeigt. Dabei gibt es längst nicht so viele Schüler aus Weingarten, wie es Platz braucht. Rund ein Drittel aller Schüler an den Weingartener Schulen kommen nicht aus Weingarten. Bei den weiterführenden Schulen kommt sogar die Hälfte der Schüler aus den Nachbargemeinden. Und das kostet Weingarten jede Menge Geld. Das Kuriose dabei: Theoretisch gäbe es sogar rechtliche Mittel, die Schüler aus anderen Gemeinden abzuweisen. In der Praxis wird es so weit aber wohl nicht kommen.

„Eine Fokussierung des Schulangebots allein auf örtliche Schüler war und ist für Weingarten keine Option“, erklärt Rainer Beck, Fachbereichsleiter für Gesellschaft, Bildung und Soziales. „Weingarten ist Teil des Oberzentrums und bekennt sich zum gemeinsamen Auftrag des Oberzentrums, für die Region ein breites und ausgewogenes Bildungsangebot bereitzuhalten.“ Man habe diese Option im Zuge der Machbarkeitsstudie zwar benannt, sie aber direkt wieder verworfen, so Beck. Konkret gemeint ist mit der „Option“ ein recht aufwendiges Verfahren, das mit einem Antrag beim Kultusministerium beginnen würde. „Weingarten könnte eine solche – für uns völlig abwegige – Entscheidung nicht alleine treffen. Vielmehr müsste der Weg eines regionalen Schulentwicklungsverfahrens gewählt werden“, erklärt Beck. „Dieses Verfahren ist gesetzlich vom Land geregelt und dient der nachhaltigen Sicherung eines regional ausgewogenen, alle Bildungsabschlüsse umfassenden Bildungsangebots in zumutbarer Erreichbarkeit.“

Doch auch wenn es rechtlich vorstellbar wäre, komme dieser Weg für die Stadtverwaltung nicht infrage, so Beck. Schließlich seien andere Gemeinden auf die Weingartener Schulen angewiesen. Bestes Beispiel: die Werkrealschule. Neben St. Konrad in Ravensburg die einzige ihrer Art im Schussental. Ein Viertel aller Schüler kommen dabei nicht aus Weingarten.

Noch höher ist der Anteil der „externen“ Schüler an Förderschule und Realschule. Hier kommt jeder zweite Schüler nicht aus Weingarten. Am Gymnasium kommen zwei von fünf Schülern aus einer Umlandgemeinde. Dagegen sind die Grundschulen von diesem Phänomen quasi nicht betroffen, da es in den jeweiligen Gemeinden auch entsprechende Angebote gibt. Doch bei den weiterführenden Schulen ist das eben anders. Von den rund 2070 Schülern an den Weingartener Schulen kommen knapp 690 aus den Umlandgemeinden. Besonders Baienfurt, Baindt und Berg sind auf Weingarten angewiesen. So kommen im laufenden Schuljahr 213 Schüler aus Baienfurt nach Weingarten. Aus Baindt sind es 144, aus Berg 121.

Doch während die Stadtverwaltung betont, wie wichtig die externen Schüler sind und dass Weingarten davon letztlich profitiere, weil eine Bindung geschaffen werde, muss ebenfalls konstatiert werden: Jeder externe Schüler kostet die Stadt Geld. Genaue Summen kann die Stadt mit Verweis auf ein kompliziertes Rechnungsmodell nicht nennen. Doch bekommt Weingarten für jeden Schüler an einer weiterführenden Schule oder einer Grundschulförderklasse, ungeachtet seines Wohnortes, 90 Prozent der laufenden Schulkosten erstattet. Demnach bleiben zehn Prozent an Weingarten hängen. Überschlägt man diese Kosten summiert sich das auf mehr als 50 000 Euro pro Schuljahr.

Kettenreaktion vorstellbar

Überlegungen, die finanziell deutlich besser situierten Nachbargemeinden an diesen Kosten zu beteiligen – wie beispielsweise bei den Grundschülern, wo Weingarten für jeden Schüler 200 Euro pro Schuljahr von der jeweiligen Gemeinde bekommt –, gäbe es nicht, so Beck: „Dies ist uns auch aus keiner anderen Kommune bekannt.“

Jedoch habe man im Zuge der Finanzierungsfrage für das neue Schulzentrum (die SZ berichtete) auch rechtlich geprüft, ob man die Umlandgemeinden an den Baukosten beteiligen könnte. Theoretisch könne hier das Instrument eines Schulverbands greifen. Das allerdings wäre, laut Beck, gerade hinsichtlich der Gleichbehandlung nur mit einem allgemeinen Umdenken in Finanzierungsfragen kommunaler Einrichtungen denkbar. Übersetzt bedeutet dies: Wenn andere Kommunen sich an den Sanierungskosten beteiligen sollen, könnte es auch in Zukunft auch Forderungen an Weingarten geben. Schließlich besuchen Schüler aus Weingarten das Ravensburger Welfengymnasium oder die Gemeinschaftsschule in Baienfurt. Und auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise den Bädern oder der Ravensburger Eissporthalle, könnte das bei Sanierungen eine Kettenreaktion auslösen. Allerdings dürften davon wahrscheinlich besonders Ravensburg und Weingarten profitieren.

Immerhin würdigt das Land Weingartens Leistung in Sachen Bildung, genauer gesagt bei Neubauten und Umbaumaßnahmen. Neben den Regelzuschuss von 33 Prozent der förderfähigen Kosten kann ein sogenannter Auswärtigenzuschuss hinzu kommen. Dieser ist abhängig vom Anteil der auswärtigen Schüler. Kommen beispielsweise die Hälfte der Schüler einer Schule nicht aus der eigenen Kommune gibt es zusätzliche 28 Prozent Zuschuss. Daher wird Weingarten für Förderschule, Realschule und Gymnasium auf jeden Fall einen Auswärtigenzuschuss erhalten.

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