Aus dem Leben eines Sängerknaben

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Margret Welsch

Das hätte er sich nicht träumen lassen, dass er einmal zur illustren Auswahl der Jungs vom Windsbacher Knabenchor gehört. Tim Oliver Hagen aus Weingarten fing Feuer, als das im In- und Ausland bekannte Sängerensemble vor zwei Jahren in der Welfenstadt gastierte. Nun stand der 14-Jährige am Mittwochabend selber auf der großen Bühne des Kultur- und Kongresszentrums beim Adventskonzert des Windsbacher Knabenchors.

Er hat sich bereits in Schale geworfen: Schwarze Hose, schwarzes Jacket, blaue Krawatte. Ein junger fokussierter Mann, die blonden Haare exakt gescheitelt, schwarze Designerbrille. Noch knapp eine Stunde bis zum Auftritt in der Stadt, in der Tim mit seiner Familie seit acht Jahren lebt, und wo alles angefangen hat.

Eltern bereiteten indirekt den Weg

Im Herbst 2015 gab der Windsbacher Knabenchor ein Konzert in der Basilika. Tims Eltern gewährten dabei vier Sängerknaben Quartier. Vielleicht hatten sie ja schon im Hinterkopf, dass das etwas für ihren begabten Sohn sein könnte. Und diese Vier erzählten, wie es so zugeht im Musik-Internat in Windsbach. Diesem beschaulichen, mittelfränkischen Ort, wo vor gut 70 Jahren der Knabenchor gegründet wurde, der mittlerweile in der ganzen Welt bekannt ist.

Und Tim war begeistert von den Geschichten. Singen, Trompete und Klavierspielen waren in der musikalischen Familie von klein auf angesagt. Der St.-Konrad-Schüler sang im Kinderchor bei Michael Bender und spielte im Posaunenchor. Seine schauspielerischen Talente kamen beim Welfentheater zum Vorschein.

Nun stand die Eignungsprüfung an. Mit zwölf Jahren war er sozusagen ein Spätberufener, ein „Methusalem“, wie der Internatsleiter Thomas Miederer sagt. Normalerweise würden die sangesfreudigen Jungen bereits mit neun Jahren in den Chor eintreten. Tims Stimmvolumen, Höhen und Tiefen, wurden also getestet und für gut befunden, dazu noch sein Können auf der Trompete – Tim Oliver Hagen hat die Prüfung bestanden und zog mit zwölf von zu Hause aus, was am Anfang mit Heimweh verbunden war. Und auch für seine Familie sei das nicht einfach gewesen. Doch hätten seine Eltern ihn immer unterstützt: „Wenn das dein Weg ist dann geh in.“ Was folgte, war ein durchgetakteter Tag im Internat mit Schule, Musikunterricht, Üben, nicht allzu viel Freizeit und jeden Abend eineinhalb Stunden Singprobe. Dazu kommen Probenwochenenden, wenn Konzerte anstehen. Bis zu 70 absolviert der Chor im Jahr.

In ganz Deutschland unterwegs

Deutschlandweit war Tim bereits unterwegs. Nach Hause fahren außerhalb der Ferien ist also selten angesagt. Und aus dem Sängerknaben ist mittlerweile ein Sangesmann geworden, der den Stimmbruch seit einem halben Jahr hinter sich hat. Von der Stimmlage Alt 2 in den Tenor 1 gerutscht ist und statt blauer Fliege nun blaue Krawatte trägt bei Auftritten.

So auch in Weingarten, wo er nun das Adventskonzert gesungen hat. Seine Eltern und Freunde waren da. Das pushte nochmal ganz anders. Mit Inbrunst sang er sein Lieblingsstück, das Advents-Kyrie "Maria durch ein Dornwald ging“. Und seine Familie war stolz auf das, was er erreicht hat. Und was da vielleicht noch kommen wird.

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