Eine runde Sache: Eva Gieselberg liebt Oldtimer und fotografiert leidenschaftlich gerne Modellautos.
Eine runde Sache: Eva Gieselberg liebt Oldtimer und fotografiert leidenschaftlich gerne Modellautos. (Foto: Privat)
Julia Marre

Eva Gieselberg war 13 Jahre alt, als sie sich in einen VW Käfer Cabriolet verliebte – Hals über Kotflügel. Ihre Leidenschaft für Oldtimer weckte damals eine Fahrt im Käfer des Nachbarn. „Meine ganze Teeniezeit lang habe ich dann Nachhilfe gegeben und Geld gespart, um mir mit 17 einen eigenen Käfer kaufen zu können“, sagt die 1978 geborene Motorjournalistin und Fotografin. Inzwischen parkt der Käfer-Cabrio nur noch als Miniatur in ihrer Ravensburger Wohnung. Und er ist ein wiederkehrendes Motiv ihrer überaus gefragten Fotografien von Spielzeugautos, mit denen sie zurzeit weltweit Erfolge feiert – von England über Frankreich bis nach Brasilien. Nun sind ihre Bilder des Projekts #CandyCars auch in Weingarten zu sehen: in den Praxisräumen Dr. Keck am Löwenplatz. Eine Kooperation mit der Ravensburger Galerie 2106 macht es möglich.

Dass die bonbonfarbenen Fotos von Oldtimer-Miniaturen ausgerechnet beim Kieferorthopäden ausgestellt sind, findet die Künstlerin optimal. Warum? „Weil viele meiner Oldtimer dank ihrer Stoßstangen so aussehen, als würden sie auch Zahnspangen tragen“, sagt Eva Gieselberg. Die Auto-Porträts ihrer Serie „40 Faces“ zeigen die Spielzeugwagen frontal mit ihren unterschiedlichen Gesichtsausdrücken und Charakteren. Da ist der himmelblaue Mercedes Benz 250 SE, der schielt, weil ihm schon ein Scheinwerfer fehlt. Da ist der rosafarbene VW Käfer 1303 LS mit den vielen Schrammen im Gesicht. Und der rote T2 mit der Schürfwunde auf der Stirn. All diese Blessuren sind es, die auch für die Fotografin den Reiz ihrer Arbeit ausmachen. „Form, Design und Farbigkeit stehen für mich im Vordergrund. Und neben der metallischen Struktur der Zinkautos und der schönen Form finde ich spannend, dass sie schon durch viele Hände gegangen sind“, sagt sie.

800 Modellautos gesammelt

Auf Flohmärkten oder bei Ebay kauft Gieselberg die Modellautos für ihre Bilder. Rund 800 Stück hat sie inzwischen gesammelt – und zu Hause nach Farben sortiert in Kisten geparkt. Dabei ist sie zu ihrer Passion der Modellauto-Fotografie eher zufällig gekommen. „Ich fotografiere Autos, seit ich ein Teenager bin, und habe sie lange für Automobilmagazine in Szene gesetzt. Die Modellauto-Fotografie hat mich zunächst nicht wahnsinnig gejuckt.“ Bis zu jenem Sonntagnachmittag, an dem sie sich einen Lamborghini Espada aus der Spielzeugauto-Sammlung eines Freundes schnappte, um „aus Entspannung zu probieren, ob es mit kleinen Autos genauso funktioniert wie mit großen“.

Sätze wie „Was haben Sie bitte für ein krasses Fotostudio?“ hört die Oldtimerliebhaberin seitdem öfter. Dabei fotografiert sie – anders als andere Miniaturfotografen – weder im Studio, noch arbeitet sie mit detailgetreu nachgebauten Szenerien. Farbiger Karton und knackiges Sonnenlicht sind die Zutaten ihrer erfolgreichen Bilder. Die Fahrzeuge lichtet sie 1:1 ab, digitale Nachbearbeitung ihrer Fotografien lehnt Eva Gieselberg grundsätzlich ab. „Nur der Wind ist mein Feind“, sagt sie. Weshalb? Weil die kleinen Wagen bei ihrem Freiluft-Shooting dann so leicht wegrollen.

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