Auf den Spuren von Sophie Scholl

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 Eingang zur KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg in der 1850 erbauten Festungsanlage.
Eingang zur KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg in der 1850 erbauten Festungsanlage. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Der Asta der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten hat zusammen mit dem Studentenwerk „Weiße Rose“ eine Studienfahrt nach Ulm organisiert. Dabei wurde die KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg besichtigt, heißt es in der Pressemitteilung. Hier betrieben die Nationalsozialisten in einer alten Festungsanlage von November 1933 bis Juli 1935 eines der „frühen“ Konzentrationslager – als Nachfolgelager des ersten KZ in Württemberg auf dem Heuberg, in das gleich im März 1933 die meisten oppositionellen Kommunisten und Sozialdemokraten Oberschwabens eingeliefert worden waren.

Laut Mitteilung besichtigten die Teilnehmer diese „Umerziehungslager“, in denen die „Schutzhäftlinge“ durch willkürliche Misshandlungen und Schikanen gebrochen werden sollten. Unter unmenschlichen Bedingungen wurden ungefähr 600 Männer – unter ihnen auch Walter Sprinz und Willi Weigold aus Ravensburg – gequält, auch wenn sie nicht wie in späteren Lagern durch Arbeit, Folter und Erschießungen umgebracht wurden.

Der zweite Teil der Studienfahrt bestand, so die Pressemitteilung, in einer Stadtführung durch die Ulmer Innenstadt unter dem Thema „Auf den Spuren der Widerstandsfamilie Scholl“. Diese begann auf dem Münsterplatz, wo die Scholls von 1939 bis Februar 1943 im Haus Nr. 12 wohnten. Heute befindet sich vor dem Neubau eine Stelle mit dem Logo der Weißen Rose und dem Zitat aus ihrem sechsten Flugblatt: „Wir schweigen nicht. Wir sind Euer böses Gewissen.“

Bei der Exkursion erfuhren die Teilnehmer laut Mitteilung auch, dass die jugendlichen Scholls knapp zehn Jahre vor ihrem Widerstand noch von den Aufmärschen der Nazis auf dem Münsterplatz fasziniert gewesen waren. Hans und Sophie wurden demnach taffe Gruppenführer in der Hitlerjugend und dem Bund deutscher Mädchen. Später kam es dann zum Bruch, und 1937 wurden sie für kurze Zeit inhaftiert. 6 Jahre später – nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl in München – kam die ganze Familie von Februar bis Juni 1943 in „Sippenhaft“ in die Justizvollzugsanstalt im Frauengraben 4.

Die Exkursion gewährte, so die Pressemitteilung, viele Einblicke in die Themen Unterdrückung und Widerstand, führte an Denkorte in der Großstadt Ulm und stellte Bezüge zur Region her. Zum Beispiel nach Krauchenwies, wo Sophie Scholl ihren Arbeitsdienst ableistete, oder Aulendorf, wo sie oppositionelle Literatur bezog.

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