Auf dem Martinsberg kommt Freude auf

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82 Öchsle messen die Weinbergfreunde. Gemessen wird mit einem sogenannten Handrefraktometer (v.l.): Gerhard Wirbel, Susanne und
82 Öchsle messen die Weinbergfreunde. Gemessen wird mit einem sogenannten Handrefraktometer (v.l.): Gerhard Wirbel, Susanne und Uwe Stürmer, Günter und Ursula Staud, Michael Linse. (Foto: Jonas Schmitt)
Jonas Schmitt

Auf dem Weingartener Martinsberg steht eine reiche Weinlese bevor. Außerdem freuen sich die Weinbergfreunde in diesem Jahr über besonders süße Trauben. Das liegt vor allem am sonnigen Wetter und der Pflege, die die Weinreben dort von den ehrenamtlichen Helfern genießen. Bereits Mitte September soll die Weinlese beginnen, früher als im Vorjahr.

Rund 400 Weinstöcke der Sorten Johanniter und Merzling stehen vor und hinter der Basilika in Weingarten. Aus Gründen des Denkmalschutzes wachsen sie hier traditionell am Einzelpfahl. Das bedeutet, jede Rebe steht an einem eigenen Pfahl, über dem ihre Ausläufer in Herzform zusammengebunden werden. Die Ernte bei dieser Anbauform ist besonders aufwendig, sagt Günter Staud, der sich selbst als „Weinbaudirektor auf Lebenszeit“ bezeichnet.

Tradition habe dabei nur der Anbau am Einzelpfahl des Weinbergs. Dieser gehört nämlich nicht der Stadt, sondern dem Land. Als Pacht entrichte die Stadt Weingarten noch den „Zehnten“, sie gebe also ein Zehntel des Ertrags, der auf dem Grundstück erwirtschaftet wird, ab, erklärt Staud.

Insgesamt 850 Rebstöcke

Noch einmal rund 400 Rebstöcke wachsen versteckt im ehemaligen Gemüsegarten und Klausurbereich des Klosters Weingarten. „Hier gedeiht er prächtig“, so Staud. Da der Denkmalschutz nur den sichtbaren Bereich, in dem schon früher Wein angebaut wurde, betreffe, dürfe im Klausurbereich mit einer modernen Drahtanlage gearbeitet werden. Gepflegt werden die Weinstöcke von acht ehrenamtlichen Weinbergfreunden.

Sie müssen regelmäßig zwischen den in Reihe stehenden Reben Rasen mähen und die Pflanzen zurückschneiden. Außerdem sei dieses Jahr ein „Entlastungsschnitt“ vorgenommen worden. Dabei seien an jedem Stock rund ein Viertel der Beeren aus der Traube entfernt worden, um den verbleibenden Weinbeeren mehr Platz zum wachsen zu geben.

Trotz des Entlastungsschnitts rechnet Staud mit einem bis zu 750 Liter starken Jahrgang 2018. Im Vorjahr waren es durch Frost bedingt nur 350 Liter. Auch der Zuckergehalt der Trauben, der in Öchsle gemessen wird und von dem später die Qualität des Weins abhängt, sei vielversprechend.

Süßer als im Vorjahr

Bisher liegt der Zuckergehalt bei einem Wert von 82 Öchsle und damit bereits höher als bei der Ernte im Vorjahr. Bei der vorherigen Weinlese in der letzten Septemberwoche, lag man auf dem Martinsberg bei ungefähr 75 Öchsle. Aktuell seien die Trauben durch die anhaltende Sommerwitterung nicht nur süßer, sondern auch frei von Pilz- und Schädlingsbefall, so Gerhard Wirbel, einer der Weinbergfreunde.

Ungeachtet der bevorstehenden reichen Ernte wird man den Wein „Weingartener Martinsberg“ beim Händler nicht finden: „Der Wein wird überhaupt nicht verkauft. Er ist ein städtisches Repräsentationsgeschenk des Oberbürgermeisters und des Weinbaudirektors“, erklärt Staud.

Mit der Lese möchten die Weinbergfreunde Mitte September beginnen, zwei Wochen früher als im Vorjahr. „Das hängt aber auch noch vom Wetter ab und von den Umständen vor Ort beim Winzer, der uns den Tag nennt“, erklärt Wirbel. Nur so könne sicher gegangen werden, dass die Trauben noch am selben Tag weiterverarbeitet werden. Gekeltert werde der Cuvée vom Weingut Dilger in Bermatingen.

Bis dahin hoffen die Weingartener Weinbergfreunde, dass den Trauben noch der ein oder andere Sonnentag bevorsteht und kein Hagel die Ernte zunichtemacht. Gewissheit für einen guten Jahrgang gebe es erst, „wenn er im Fass ist“, so der Weinbaudirektor Günter Staud.

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