Amokalarm: An städtischen Schulen wird Polizei nicht direkt informiert

Lesedauer: 6 Min

Am Montagnachmittag wurde durch einen Fehlalarm beim KBZO ein Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Diese wurde allerdings erst 30
Am Montagnachmittag wurde durch einen Fehlalarm beim KBZO ein Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Diese wurde allerdings erst 30 Minuten nach dem ersten Alarm angerufen. (Foto: Oliver Linsenmaier)
Schwäbische Zeitung

Der Amokalarm an der Geschwister-Scholl-Schule des Körperbehindertenzentrums Oberschwaben (KBZO) in Weingarten am Montagnachmittag hat ein Grundsatzproblem offenbart. Auch wenn es sich am Ende nur um einen Fehlalarm handelte, wurde die Polizei erst eine halbe Stunde nach Auslösen des Alarmes verständigt (die SZ berichtete). Doch gerade diese erste Phase ist besonders wichtig und kann im Ernstfall Menschenleben retten. Jedoch gibt es wohl in ganz Baden-Württemberg kein Alarmsystem an Schulen, das direkt die Polizei verständigt. Es braucht immer einen geistesgegenwärtigen Anrufer, der die Polizei benachrichtigt. Das gilt auch die städtischen Schulen in Weingarten. Zwar kann sich die Stadtverwaltung Weingarten grundsätzlich eine Aufschaltung, also die direkte Alarmierung der Polizei, vorstellen. Allerdings orientiere man sich an Empfehlungen des Landes. Und das spreche sich grundsätzlich gegen die direkte Alarmierung der Polizei.

„Das Landeskriminalamt selbst empfiehlt eine direkte Aufschaltung nur im Einzelfall um möglichen Missbrauch zu vermeiden. Die direkte Aufschaltung von Schulen zur Polizei kann nur im Rahmen der „Richtlinien für Überfall- und Einbruchmeldeanlagen mit Anschluss an die Polizei“ des Landes erfolgen“, teilt die städtische Pressestelle auf SZ-Nachfrage schriftlich mit. Demnach ist der Weg zu solch einer direkten Alarmierung etwas komplizierter, aber nicht ausgeschlossen. Denn ganz grundsätzlich gilt: Die Stadt als Schulträger entscheidet, gemeinsam mit den Schulleitern und beraten von der Polizei, welche Systeme installiert werden.

Neben dem „Telefonauslöser“, bei dem eine spezielle Nummer gewählt wird, die nur gewissen Personen bekannt ist – wie beim KBZO –, gibt es auch Schlüssel, die einen entsprechenden Alarm auslösen. An Bad Waldseer Schulen sind laut Polizei auch blaue Alarmkästen installiert, die – ähnlich wie bei Brandmeldeanlagen – eingeschlagen werden müssen. Allerdings ist dieses System umstritten, weil es einfacher missbraucht werden kann. Welche Systeme an den Weingartener Schulen installiert sind, will die Stadtverwaltung „aus Sicherheitsgründen“ nicht preis geben. Allerdings gäbe es über die Gebäude verteilt diverse Alarmvorrichtungen. Die jeweiligen Schulleiter seien mit den Systemen vertraut und würden die Lehrer entsprechend im Umgang schulen. „Für den Fall eines Katastrophenfalles, gibt es ein schulinternes Krisenteam. Jeder Schulleiter muss zu Beginn des Schuljahres für den Krisenfall einen Krisenplan dem Kultusministerium vorweisen“, schreibt die Stadt.

Keine Sirenen, dafür Warn-App

Darüber hinaus werde die Technik regelmäßig auf den neusten Stand gebracht. In Weingarten war das im Jahr 2013 zum letzten Mal der Fall. Seitdem habe es keine Neuerungen gegeben, heißt es von Seiten der Stadt. Aktuell würden alle Vorgaben des Landes erfüllt. Dieses empfiehlt im übrigen auch die vom Bundeskriminalamt entwickelte Warn-App. Mit „Nina“ (Notfall- Informations- und Nachrichten-App) sollen die Bürger bei Ernstfällen digital gewarnt werden. Allerdings muss die App dafür natürlich herunter geladen sein. Wie viele Bürger in Weingarten die App bereits auf dem Smartphone haben, kann die Stadt nicht beantworten. Im Ernstfall werde aber auch über die örtlichen Medien sowie mobilen Lautsprecherdurchsagen von Polizei und Feuerwehr informiert. Stationäre Sirenen, über die in früheren Jahrzehnten informiert werden konnte, wurden mit Ende des Kalten Krieges nach 1989 flächendeckend abgeschafft.

Krisenstab im Ernstfall

Sollte es in Weingarten zu einem Ernstfall kommen, wird die Feuerwehr in Alarmbereitschaft versetzt und es tritt ein Krisenstab zusammen. Dieser besteht aus Oberbürgermeister Markus Ewald, Bürgermeister Alexander Geiger sowie den Fachbereichs- und Abteilungsleitern. „Als konzeptionelle Grundlage arbeitet der Krisenstab mit einem detaillierten Alarmplan, der für die Vorgehensweise bei Großschadensereignissen die nötigen Handlungsempfehlungen an die Hand gibt beziehungsweise alle wichtigen Telefonnummern, Listen an Notunterkünften, Krisenpläne der Schulen etc. bereithält“, schreibt die Stadt. Während eines Ernstfalles übernimmt der Krisenstab dann verschiedene Aufgaben, wie beispielsweise die Information der Bevölkerung. Im Fall der Fälle wird der Krisenstab im übrigen nicht automatisch informiert – sondern ist von der hoffentlich ebenfalls alarmierten Polizei abhängig.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen