Als Teil der Kirche für die Menschen da sein

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 Frisch von der Uni: Nicolas Groß hat Anfang November seine Arbeit als Pastoralassistent in der Seelsorgeeinheit St. Maria/Heili
Frisch von der Uni: Nicolas Groß hat Anfang November seine Arbeit als Pastoralassistent in der Seelsorgeeinheit St. Maria/Heilig Geist aufgenommen. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Frisch von der Uni hat der Theologe Nicolas Groß Anfang November seine Arbeit als Pastoralassistent in der Seelsorgeeinheit St. Maria/Heilig Geist aufgenommen. Nach Jahren der Theorie kommt jetzt der Praxistest. Die Jugendarbeit wird unter anderem zu seinen Schwerpunkten gehören. Nicolas Groß will im Auftrag der Kirche Menschen helfen. Der gebürtige Pfälzer sieht in der Institution bei allem Reformstau und „berechtigter Kritik“ auch viel Gutes und eine positive Kraft in der Gesellschaft.

In einem Alter, in dem viele Jugendliche oft der Kirche den Rücken kehren, hat Nicolas Groß den Zugang zu ihr erst richtig gefunden. Das war mit Fünfzehn in der schönen Domstadt Speyer in Rheinland-Pfalz, wo der 27-Jährige geboren und aufgewachsen ist. Der Einstieg lief übers Mitmachen bei den Sternsingern. Da hat er nach eigenen Angaben gemerkt, wie gut er mit Gleichaltrigen und Gruppen kann. Was folgte war Ministrant, Einblicke in die Vielfalt kirchlicher Arbeit, Kontakte mit Pfarrern und Hauptamtlichen, die für ihn zu prägenden Figuren wurden. Schon zu Schulzeiten engagierte er sich im Kirchengemeinderat.

Ein Bürojob, bei dem der Computer nachmittags um vier runtergefahren wird, wäre nicht sein Ding gewesen, sagt er. Lange Zeit habe er mit der Medizin geliebäugelt, weil er immer schon Menschen helfen wollte. Doch dabei habe ihm etwas gefehlt, nämlich der Glaube, die explizite Botschaft der Nächstenliebe, mit der er sein Tun unterfüttern wollte. So kam er zur Theologie und nach Tübingen, wo er sich auf dem Ambrosianum erst mal fit machte in den alten Sprachen, Griechisch, Latein Hebräisch, um sich dann wissenschaftlich und aus christlicher Perspektive mit Glaubensfragen und der Geschichte der Kirche auseinanderzusetzen.

In Tübingen lernte Groß dann seine Frau kennen, Gymnasiallehrerin für Latein und katholische Religion. Die Liebe war es dann auch, die ihn von der Heimatdiözese in der Pfalz nach Baden-Württemberg und in die Diözese Rottenburg-Stuttgart brachte. Groß ist nun Teil des fünfköpfigen Pastoralteams um Pfarrer Benno Ohrnberger. Die Jugendarbeit wird ein Schwerpunkt seines Tuns hier sein. Auch gehört Predigtdienst und Religionsunterricht an Schulen zu seinen Aufgaben. Zudem möchte er den monatlichen Senioren-Gottesdienst, den seine Vorgängerin ins Leben gerufen hat, weiterführen.

Als ein sinkendes Schiff, will Groß Glaube und Kirche nicht verstanden wissen. Man sei schnell bei der Hand, immer nur das Negative zu sehen und nicht die vielen Haupt- wie Ehrenamtlichen, die im Namen der Kirche Tag für Tag Gutes für die Menschen bewirkten. Bei allem verachtenswerten Missbrauch und der damit verloren gegangenen Glaubwürdigkeit, habe Kirche nach wie vor eine befriedende Kraft in der Gesellschaft. Ehrliche Aufarbeitung und Reformen seien nun zwingend. Auch in schwierigen Zeiten will Nicolas Groß für seinen Glauben einstehen und den hilfe- und sinnsuchenden Menschen Angebote machen. Von den Oberschwaben sei er als Pfälzer herzlich aufgenommen worden.

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