Abschiebung trotz Integration

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Fawad Akbari kämpft gegen seine Abschiebung
Fawad Akbari spricht quasi fließend deutsch. Der junge Afghane macht bei der Autolackiererei Yardimci in Weingarten eine Ausbildung. Für seinen Chef ist er der „beste Lehrling aller Zeiten“. Nun soll der Azubi in sein Heimatland abgeschoben werden. Doch dort droht ihm nach eigener Aussage der Tod. Die Petition gegen die Abschiebung Akbaris finden Sie unter:
www.openpetition.de/petition/online/fairness-fuer-fawad-stoppt-die-unfai...
Schwäbische Zeitung

Fawad Akbari spricht quasi fließend deutsch. Der 25-jährige Afghane hat eine eigene Wohnung in Baienfurt, fährt ein eigenes Auto und macht in Weingarten bei der Autolackiererei Yardimci eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer. Für seinen Chef Ahmet Yardimci ist er der „beste Lehrling aller Zeiten“ – nun soll der Azubi in sein Heimatland abgeschoben werden. Doch dort droht ihm nach eigener Aussage der Tod. Die Taliban hätten es auf ihn abgesehen, erklärt er. „Die Taliban töten Menschen, wie wir ein Glas Wasser trinken“, sagt Akbari, der Einspruch gegen den Abschiebebescheid eingelegt hat. Auch eine Petition soll helfen. Doch dafür braucht es zahlreiche Unterstützer.

Mindestens 2500 digitale Unterschriften aus dem Landkreis Ravensburg braucht es, damit die Petition den Kreisräten und Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald vorgelegt wird. Aktuell gibt es zwar bereits 588 Unterstützer, aber gerade einmal 276 aus dem Landkreis. 22 Tage kann man Akbari noch mit wenigen Mausklicks Online helfen. Daher wirbt auch Yardimci um jede einzelne Stimme. „Wir wollen Fawad um jeden Preis behalten“, sagt er. „Wir brauchen Nachwuchs. In Europa finden wir keine Jungs, die so motiviert sind.“

Und Yardimci weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er selbst Anfang der 1990er-Jahre aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Durch die Hochzeit mit Judith Gring bekam er die Aufenthaltserlaubnis. Seit 2006 hat er seine eigene Autolackiererei in Weingarten – mit mittlerweile zehn Angestellten. „Fleißige Leute, die schaffen, müssen wir unterstützen. Das liegt in unserem Charakter“, sagt Yardimci, dessenen Name übersetzt „der Helfer“ bedeutet.

„Die bringen mich um“

Und genau diese Hilfe Kann Akbari auch gut gebrauchen. Schließlich ist die Vorstellung der Abschiebung für den 25-Jährigen nur schwer zu ertrage, fühle sich an „wie kaltes Wasser im Kopf“. Denn laut eigener Aussage warte in Afghanistan der Tod auf ihn. „Die bringen mich um“, meint er. Das habe etwas damit zu tun, dass er vor seiner Flucht im Jahr 2012 bei einer Bank in der Region Parwan im Osten Afghanistans gearbeitet und mit Ausländern Kontakt gehabt habe. Auch sei er von den Taliban bedroht und einmal sogar verprügelt worden sei. Das eigentliche Problem ist dabei die Bank, die als Synonym für den Kapitalismus und die westliche Welt steht. „Zinsen sind im Islam verboten“, erklärt Akbari. Auch sei er in Taliban-Kreisen in seiner Heimat bekannt. „Die haben auf Facebook mein Foto geteilt. Die Taliban sind nicht ein oder zwei Leute. Die Taliban sind überall“, sagt er. „Ich kann nicht einmal den Flughafen verlassen.“

Bewegte Lebensgeschichte

Doch dieses Argument hat beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) offensichtlich nicht ausgereicht. Anfang März hatte Akbari seine Geschichte bei einer Anhörung in Sigmaringen vorgetragen, sprach von seiner Flucht über den Iran in die Türkei, erzählte von seiner gefährlichen Überfahrt übers Mittelmeer in einem überfüllten Boot. Doch mit am prägendsten war wohl die Zeit in Griechenland. „Ich war 18 Monate lang in einem Lager und durfte nicht raus. Unsere Schuld war, dass wir keinen Ausweis hatten“, berichtet Akbari, der meint, dass nicht all seine Aussagen protokolliert wurden. Anders kann er sich den Ablehnungsbescheid, der keine drei Wochen nach der Anhörung zugestellt wurde, nicht erklären. Dort wird ihm keinerlei Schutzstatus zuerkannt, da er die Flüchtlingseigenschaften nicht erfülle.

Bamf hält Afghanistan für sicher

Auch die drohende Verfolgung durch die Taliban wird anders bewertet. „Des Weiteren bestehen für den Antragsteller inländische Fluchtalternativen, da es ihm bei tatsächlicher Verfolgung möglich wäre, sich in anderen Teilen von Afghanistan aufzuhalten“, heißt es unter anderem in dem 13-seitigen Schreiben. Ganz grundsätzlich bewertet das Bamf nur, ob dem Flüchtling in seiner Heimat Gefahr droht. Laut Bamf-Pressestelle hält die Behörde Teile Afghanistan für sicher.

Hoffen auf Regierungspräsidium

Auch zählt für das Bamf nicht, wie gut die betroffenen Person bereits integriert ist. Das muss das Regierungspräsidium Karlsruhe, das für diesen Bereich zuständig ist, bewerten. Denn genau dafür gibt es den Paragraphen 60a des deutschen Aufenthaltsgesetzes. Dieser sieht unter gewissen Umständen vor, dass die Ausbildung vor der Abschiebung schützt. Daher hat Akbari fristgerecht Einspruch gegen seinen Bescheid eingelegt. Sollte er Erfolg haben, gibt ihm sein Chef Ahmet Yardimci schon jetzt ein Versprechen: „Wir wollen, dass er auch nach der Ausbildung bei uns bleibt. Er hätte einen sicheren Arbeitsplatz.“

Um noch mehr Druck auf die Entscheidungsträger aufzubauen, hoffen Yardimci und Akbari auf zahlreiche Unterstützer der Petition. Denn eines ist für den Azubi ganz klar: „Ich will nicht nach Afghanistan zurück“, sagt er. „In Deutschland muss man viel schuften, aber das ist positiv. Die Menschen hier haben Rechte und Werte.“

Der Link zur Petition: www.openpetition.de/petition/online/fairness-fuer-fawad-stoppt-die-unfaire-abschiebung-von-fawad-akbari-nach-afghanistan

Fawad Akbari kämpft gegen seine Abschiebung
Fawad Akbari spricht quasi fließend deutsch.
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