Abgedreht: Linse ehrt politischen Film

Lesedauer: 4 Min
Schwäbische Zeitung

Es wirkt wie Kakül und ist dennoch Zufall: „Die Preisträger für die Goldene Filmspule haben wir schon im Dezember bei der Mitgliederversammlung gewählt“, sagt Linse-Geschäftsführer Bernd Eiberger. Dann kam Japan, das Erdbeben, die Atomkatastrophe. Nun besitzen die am Samstag, 7. Mai, ausgezeichneten Dokumentarfilme, mit ihren ohnehin aktuellen Themen, eine zusätzliche Brisanz: „Kahlschlag“ von Marco Keller und „Die 4. Revolution“ Carl Fechner.

Kahlschlag“ zeigt anhand einer Waldregion im Süden Brasiliens die Ausbeutung der Natur in Folge der Globalisierung. In Folge der Unersättlichen Nachfrage nach Rindfleisch und Tierfutter. Er schildert, wie ein intaktes Ökosystem innerhalb von 60 Jahren vernichtet wird. Wie die verzweifelten Ureinwohner in ihren zerstörten Lebensraum zurückkehren wollen. Der Film wird schon jetzt mit viel Lob bedacht, so sagt Claus Kleber, Moderator heute-Journal und ebenfalls Dokumentarfilmer: „Die Nähe zu den Akteuren, der respektvolle Umgang mit ihnen, war ein wohltuender Kontrast zum schnellen, effizienten Erzählen, zu dem wir oft gezwungen sind. Mein Kompliment und Glückwunsch.“

Nicht weniger Aufmerksamkeit und Lob genießt der zweite Preisträger, Carl Fechner für „Die 4. Revolution“. Der von einem Traum erzählt, an dessen Realisierung nach Fukushima mehr Menschen den je glauben. „Die vierte Revolution - EnergyAutonomy“ schildert eine Reise um die Welt, zu zehn Menschen, die ein Ziel verbindet: Energieautonomie. Der vollständigen Wechsel der Energieversorgung, weg von fossilen und nuklearen Brennstoffen hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien. Ein radikaler Wechsel, eine Revolution im Leben auf diesem Planeten. Zehn Menschen, für die einen Visionäre, für andere Spinner, für manche eine Gefahr, würde dieser Wechsel doch die Macht der Energiekonzerne erschüttern. Der Film lief seit März 2010 in Kinos auf mehreren Kontinenten und war vergangenes Jahr Deutschlands erfolgreichster Kinodokumentarfilm.

Zweifellos zwei würdige Preisträger für die Goldene Filmspule, die seit 1985 vergeben wird und gerne die Leute hinter der Kamera ehrt, den kleinen und unabhängigen Film stärkt, aber auch bei den großen Namen ein Gespür für Qualität besitzt. Preisträger wie der Kameramann Michael Ballhaus (Die Ehe der Maria Braun, God Fellas, Bram Stoker’s Dracula), der Synchronsprecher Christian Brückner (Grimme-Preis, feste Synchronstimme von Robert de Niro) und der Musiker Klaus Doldinger (Das Boot) – sie stehen für große Filme. Für unvergessliche Momente des Kinos, die einen festen Platz haben im kollektiven Gedächnis der Menschen. In diesem Sinne, Film ab für die Goldene Filmspule 2011.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen