100 Vorschläge für bessere Radwege

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Die spannendsten Vorschläge betreffen die beiden Fahrradstrecken von Westen nach Osten und von Süden nach Norden durch Weingart
Die spannendsten Vorschläge betreffen die beiden Fahrradstrecken von Westen nach Osten und von Süden nach Norden durch Weingarten. (Foto: Grafik: David Weinert)
Schwäbische Zeitung
Nicolai Kapitz

Gut zwei Monate haben sie sich Zeit genommen, jetzt sind die Initiatoren des Weingartener Radwegekonzeptes mit einem ersten Entwurf an die Öffentlichkeit gegangen. In dem mehrseitigen Werk sind gut 100 Vorschläge aufgelistet, mit denen der Radverkehr in Weingarten verbessert werden soll – vom einfachen Verkehrsschild bis zur komplizierten Verkehrsführung an Kreuzungen. Als nächstes sollen nun die OB-Kandidaten zum Radwegekonzept Stellung beziehen.

Mitte März hatte sich eine Gruppe engagierter Radfahrer um Grünen-Stadtrat Claus Kessel zusammengetan, um für die Stadt ein Radwegekonzept zu erarbeiten (die „Schwäbische Zeitung“ berichtete). „Wir sind enttäuscht von der Stadtverwaltung, die dem Rad so wenig Bedeutung zukommen lässt“, heißt es nun im Vorwort des Konzeptes zu den Beweggründen. Das machen die Radler auch daran fest, dass weder im aktuellen Haushalt, noch im fünfjährigen Finanzplan und auch nicht in der Liste über den Finanzierungsbedarf in Weingarten irgendein Posten auftaucht, der mit Radwegen und Radverkehr zu tun hat.

Verwaltung enttäuscht Radler

„Enttäuscht sehen wir darin, dass die Verwaltung der Verbesserung der Radinfrastruktur keinen Wert beimisst“, schreiben die Initiatoren. Die vorhandene Radwege-Infrastruktur führe in Weingarten oft zu Konflikten. So seien viele Radler auf der falschen Straßenseite unterwegs, müssten viele Umwege in Kauf nehmen, Ampelschaltungen seien nicht optimal und es fehlen Querungshilfen und Bordsteinabsenkungen. „Es bleibt vieles Stückwerk“, ziehen die Macher Bilanz aus ihrer Bestandsanalyse.

Nachdem sie sich aus Radlersicht die Stadt angesehen hatte, entschloss sich die Gruppe dazu, der Stadtverwaltung konkrete Vorschläge zu machen. „Es ging uns darum, nicht nur zu meckern, sondern auch etwas in der Hand zu haben“, erklärt Claus Kessel nun bei der Vorstellung des Radwegekonzeptes. „Das muss in der Politik in Weingarten eine Rolle spielen“, sagt Martin Hulin, ebenfalls einer der Konzept-Urheber.

Geholfen haben dabei auch Bürger, die nach dem Aufruf in der „Schwäbischen Zeitung“ eigene Beobachtungen und Vorschläge eingebracht haben. In dem fast 20-seitigen Werk sind nun gut 100 Probleme und Lösungsvorschläge enthalten. Dabei sind es teils ganz einfache Dinge, wie eine fehlende Beschilderung. Teilweise sind es größere und teure Eingriffe, die Baustellen erforderlich machen würden, und teilweise sind es auch Vorschläge, den Radverkehr auf ganz neuen Routen durch Weingarten zu führen.

Ein Schwerpunkt ist der Radverkehr entlang der Waldseer Straße. Einer der großen Kritikpunkte an der Stadtautobahn: Hier gibt es auf einem guten Stück in Fahrtrichtung Norden gar keinen Radweg. Radfahrer müssen durch die Promenade fahren. Der Vorschlag: Radler sollen künftig durch die Liebfrauenstraße und die Gartenstraße fahren. In der Liebfrauenstraße soll dazu Tempo 30 eingeführt werden, hierzu hat sich parallel bereits eine Bürgerinitiative gegründet, mit der die Radler in Kontakt stehen. Die Gartenstraße könnte vom Kreisel mit der Abt-Hyller-Straße bis zur Lägelerstraße zu einer reinen Fahrradstraße werden, in der nur noch Anwohner mit dem Auto fahren dürften. An großen Kreuzungen schlagen die Radfahrer eine neue farbliche Markierung der Radwege vor, die mehr Sicherheit garantieren soll.

Noch ein Schwerpunkt ist der Radverkehr in Richtung Wolfegg und Schlier. Vor allem die Wolfegger Straße, weiter unten heißt sie St. Longinus-Straße, ist aus Sicht der Radfahrer an mehreren Stellen gefährlich. Zum Beispiel sei die Steigung hinauf zum Martinsberg für Radfahrer ein Problem, weil es nur einen Fußweg auf der Nordseite gibt. Den dürfen Radler zwar benutzen, aber wenn sie bergab fahren, sei die Geschwindigkeit zu hoch – und bergauf ist der Weg auf der falschen Straßenseite. Die Lösung: Radler sollen durch die Doggenriedstraße und die Lazarettstraße um das Nadelöhr herum geführt werden. „Dort gibt es weniger Autoverkehr und ein Umweg ist es nicht“, erklärt Martin Hulin.

Stadt soll Vorschläge einbeziehen

„Wir sind von Schwerpunkten ausgegangen“, erklärt Claus Kessel die Vorgehensweise. Welche Routen führen von wo nach wo? Welche sind am stärksten befahren? Wo gibt es gefährliche Stellen? „Das haben wir dann in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst.“ Das Konzept soll nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zuerst bekommen es aber die OB-Kandidaten für die Wahl am 12. Juni, Amtsinhaber Markus Ewald und Herausforderer Klaus Guggenberger, zu sehen. „Wir erwarten eine Stellungnahme“, erklärt Claus Kessel. „Ravensburg will gut 100000 Euro pro Jahr in die Radwege investieren“, sagt Martin Hulin. „Weingarten sollte zwischen 30000 und 50000 Euro investieren.“ Der Wunsch für die Zukunft: Das Radwegekonzept soll von der Stadtverwaltung bei Straßenbauvorhaben in die Planung mit einbezogen werden. So soll Weingarten Stück für Stück zu einer Stadt werden, in der Radler es einfacher haben.

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