Zsuzsa Bánk stellt in Wangen ihren Briefroman „Schlafen werden wir später“ vor

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 Die Autorin Zsuzsa Bánk stellt ihren neuen Briefroman „Schlafen werden wir später” in der Stadtbücherei im Kornhaus vor.
Die Autorin Zsuzsa Bánk stellt ihren neuen Briefroman „Schlafen werden wir später” in der Stadtbücherei im Kornhaus vor. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Zwei Frauen begegnen sich in dem neuen Briefroman „Schlafen werden wir später“ von Zsusza Bánk. Beide Charaktere und Lebenswelten prallen aufeinander, und wohl gerade aufgrund dieser Reibungsflächen sind sie so eng miteinander befreundet. Die Bestseller-Autorin war am Mittwoch aus Frankfurt am Main nach Wangen angereist, um ihr Werk in der Stadtbücherei im Kornhaus vorzustellen. In einer vielbesuchten Lesung, die Bánks mit emotional-poetischer Sprache bereicherte.

Für Büchereileiterin Susanne Singer und die meisten der Zuhörer war es eine große Freude, Bánk in Wangen erleben zu können. Gekommen ist es zu dieser Einladung durch die Vermittlung der Illustratorin Brigitta Mackh. Sie zeigte am Abend parallel zur Lesung einige ihrer farbigen Bilder, die Bezug nehmen auf Bánks zuvor erschienenen Roman „Die hellen Tage“. Für all diejenigen unter den Besuchern, die den neuen Roman nicht gelesen haben, gab Bánk eine kurze Einführung.

Ein lang gehegter Wunsch der Autorin

Es ist ein Briefroman, genauer gesagt ein E-Mail-Roman und zwar ihr erster. Einen lang gehegten Wunsch habe sie sich damit erfüllt. In einem aktuellen Interview verweist sie auf die Lebensberichte einer Sylvia Plath, Marta Tikkanen oder Maxie Wander. Einen Roman habe sie schreiben wollen, der zwei so intime Einblicke erlaube. Der das große Leben aus zwei kleinen Blickwinkeln erzähle. Das gehe nur im Tagebuch oder Brief.

Eine Zeitspanne von drei Jahren, beginnend im Frühling 2009, umfassen die rund 700 Seiten, in denen Márta Horvarth und Johanna Messner sich nahezu täglich per E-Mail schreiben. Beide sind um die 40, und beide treibt die Frage um, was sie noch mit ihrem Leben anfangen können – jetzt, wo die Hälfte hinter ihnen liegt. Márta, Lyrikerin, ist mit Simon, Theatermacher, verheiratet. Sie leben in Frankfurt und haben drei Kinder. Ihre Beziehung ist schwierig. Gegenspielerin Johanna hat als Deutschlehrerin eine gesicherte Existenz in einer Kleinstadt im Schwarzwald. Sie lebt allein, ist ohne Kinder und hat gerade eine Krebstherapie hinter sich. Dazu schreibt sie an ihrer Dissertation über Annette von Droste-Hülshoff und leidet an der Trennung von ihrem Freund, dem „Dämon Markus“.

Eine gefühlsstarke „Sommerpassage“

Nach der langen Autofahrt von Frankfurt in Richtung Allgäu, auf der es ununterbrochen geregnet habe, entschied sich Bánk für die Lesung einer Passage aus dem Sommer 2010. Mit „Liebe Márti“ und „Liebe Jo“ beginnen die mal kurzen, mal langen Briefwechsel über die tagtäglich erlebten Befindlichkeiten beider Frauen. Über ihre Gefühle und Ausbrüche, ihre Unlust und dann wieder ihre Freude am Leben. Es ist ein beständiges Für und Wider, ein sich in das Schicksal Ergeben und ein dagegen Angehen. Wenn Johanna ihrer Beziehung mit Markus nachhängt und damit in der Vergangenheit stecken bleibt. „Er saß morgens am Tisch und war doch schon weg“, weshalb sie grolle über seine Verlogenheit. Ihre Beziehung sei nicht für die Ewigkeit gemacht. Das zu erkennen, habe geholfen.

Wenn Márta über das anstrengende Leben mit drei kleinen Kindern erzählt, über die ständige Geldknappheit, die Angst vor den vielen Absagen von Verlagen, die ihre Lyrik herausbringen sollten. Für Bánk sei der Roman wie eine Befreiung zu einem gewagteren Schreiben, bei dem alles erlaubt war. Johanna und Márta dürften fluchen und Lautmalereien benutzen, Wörter wie „bekloppt“ und „Kotze“ sagen, was in ihren anderen Romanen undenkbar gewesen sei. Es ist das Offene der direkten Anrede beider Ich-Stimmen, die den Zuhörer wie in einem unendlichen Dahinfließen gefangen nehmen. In dem eher ereignislosen Dasein der Freundinnen. Bánk sprach von einer „Scharnierposition im Leben“ beim Blick auf das Alter um die 40. Hier sei vieles entschieden, was Beruf und Familie angehe, aber eben auch nicht alles. Die gelesene Passage vermittelte die fortwährende Zuversicht auf das erhoffte Glück im Leben als ein Auf und Ab, Hoch und Tief, in dessen Zwiespalt man sich als Zuhörer wiederfinden konnte.

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