Zirkus ist und bleibt Familienunternehmen

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Charliné Frank ist 19 und wie ihre Mutter Artistin. Ihr Spezialgebiet ist eine Luftdarbietung an Schlaufentüchern zu Tangomusik
Charliné Frank ist 19 und wie ihre Mutter Artistin. Ihr Spezialgebiet ist eine Luftdarbietung an Schlaufentüchern zu Tangomusik. (Foto: Scharpenberg)
Schwäbische Zeitung
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Manuel Frank ist in der achten Generation beim Zirkus. Seine Frau Sandra Frank sogar in der neunten. Ihre Ausbildung zur Artistin hat sie noch in der DDR absolviert. Zusammen arbeitet das Ehepaar im Zirkus Montana, der von Manuels Bruder Monty geleitet wird. Gegründet wurde der Zirkus, erzählt das Ehepaar, vor rund 40 Jahren in Emmendingen von den Eltern der beiden Brüder, Gerhard und Ilka Frank.

Ilka Frank ist immer noch mit dabei, wenn der Zirkus auf Reisen geht. Genauso wie Sandra Franks Mutter. Die beiden Damen sind 76 beziehungsweise 83 Jahre alt. Das ist für Manuel Frank selbstverständlich: „Wenn es nur Zirkusleute wie uns geben würde, dann würde es keine Altersheime geben.“ Ohne Zusammenhalt in der Truppe könne ein Zirkus gar nicht funktionieren. Das höre auch nicht im Alter auf, so Manuel Frank weiter. Sandra Frank erklärt einen weiteren Punkt, warum es weder für sie noch für ihre Mutter ein Problem darstellt, auf Reise zu sein: „Das Zirkusleben ist einfach ein Stück freier als ein normales. Ich kann da arbeiten, wo ich lebe und habe dementsprechend Zeit.“

Dass dieses Leben aber nicht immer ganz einfach ist, das weiß auch sie. Wie bei der schulischen Ausbildung der Kinder. Sie besuchen die Schulen vor Ort. Wo der Zirkus eben gerade gastiert. Ein Bereichslehrer überprüft regelmäßig den Wissenstand der Kinder. „Mein Sohn ist in der dritten Klasse und wir haben mal nachgerechnet, dass er schon zirka 170 Schulen besucht hat“, erzählt Sandra Frank. Natürlich müssten die Kinder ab und zu etwas nachholen. Dank moderner Technik sei dies kein Problem. Samstagsunterricht mit dem Bereichslehrer per Skype mache es möglich. Auch in diesem Punkt sieht Sandra Frank positive Seiten, denn ihr Sohn habe in vielen Orten eben viele Freunde.

Tochter Charliné ist – wie ihre Mutter – Artistin und tritt ebenfalls im Zirkus auf. Mit weiteren Artistinnen und einem Pintopferd führen sie in Wangen eine Indianershow auf. Um die Dressur der Tiere im Zirkus kümmert sich Vater Manuel Frank. Kamele, Pferde und Shetland-Ponys sind in einem Zelt untergebracht und können auf der angrenzenden Wiese frei laufen.

Eine gute Behandlung seiner Tiere ist Manuel Frank wichtig. „Ein Pferd ist von Natur aus ein Fluchttier. Für eine gute Dressur muss es zu mir kommen wollen. Das erfordert Vertrauen“, erklärt er. Zwei Jahre dauere es, bis ein Pferd dressiert sei. Bei den Kamelen hingegen nur ein Jahr. „Das sind hochintelligente Tiere“, sagt der Dompteur. Klar könnten sie auch störrisch sein. „Aber in der Lernphase sind sie einfach genial“, so Manuel Frank weiter.

Dass es auch Zirkusse gäbe, in denen die Tiere nicht gut behandelt werden, weiß auch das Ehepaar Frank. „Derartige Skandale sind eine Sache, die dem ganzen Ruf des Zirkus schaden“, sagt Sandra Frank und ihr Mann ergänzt: „Da gibt es dann einfach Klischees, mit denen wir schwer zu kämpfen haben.“

Schwarze Schafe gäbe es aber in jeder Branche. Das führe auch zu Problemen, wenn es darum geht, in den Orten einen geeigneten Platz für den Zirkus zu finden. Zirkusveranstalter, die ihren Platz verschmutzt zurücklassen, helfen nicht bei der oft schwierigen Suche, erzählt Manuel Frank.

40 000 bis 45 000 Kilometer

Die Familie ist sehr froh, dass sie das dritte Mal in Folge auf dem Gelände von Hubert Merkle campieren darf. Und der sagt auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“: „Ich hatte auch schon Probleme mit einem Gauner, der mit seinem Zirkus viel Müll zurückgelassen hat. Ganze Zeltstangen lagen dann auf der Wiese rum.“ Die Franks seien anders. „Das sind einfach korrekte Leute. Menschlich wie geschäftlich und zudem sehr hilfsbereit“, so Merkle.

So viel Glück hat die Zirkusfamilie nicht immer. „Es gibt in Deutschland 455 Zirkusse. Eine Stadt hat im Schnitt 15 Anfragen pro Jahr und jede Stadt behandelt das anders“, erklärt Manuel Frank. Manchmal kümmere sich der Stadtrat, manchmal das Ordnungsamt oder der Touristikverband. „Es kommt vor, dass man einen Antrag zwei Jahre im Voraus stellen und sich immer wieder melden muss, um in Erinnerung zu bleiben“, sagt Sandra Frank.

40 000 bis 45 000 Kilometer – das ist circa einmal um die Welt – ist die Zirkusfamilie in der Saison unterwegs. Die dauert von März bis November. Einen Weihnachtszirkus gibt es überdies. Längere Pausen könne sich heutzutage im Zirkus niemand mehr leisten, sagt Sandra Frank. Die Besucherzahlen gingen zurück. Kinder würden heute viel mehr mit Elektronik spielen als früher. Da gehe etwas das Natürliche verloren. „Zirkus ist aber etwas zum Anfassen, zum live Miterleben. Dafür scheint das Interesse nicht mehr so da zu sein“, so Sandra Frank weiter. Das findet sie schade. „Denn Kinder zum Staunen zu bringen, dafür leben wir.“

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