Zeitzeuge besucht die Realschule

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Walter Frankenstein (Bildmitte) zwischen seinen Brüdern, die vor der NS-Herrschaft flüchten und nach Palästina auswandern. Anläs
Walter Frankenstein (Bildmitte) zwischen seinen Brüdern, die vor der NS-Herrschaft flüchten und nach Palästina auswandern. Anlässlich dieser Ausreise entstand dieses Bild. (Foto: Foto/Quelle: Realschule)
Schwäbische Zeitung

Aufgewachsen als im nationalsozialistisch regierten Deutschland: Walter Frankenstein kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Er berichtet hiervon laut einer Pressemitteilung der Schule am Freitag, 17. Mai, in der Johann-Andreas-Rauch-Realschule Wangen und lässt Schüler und alle interessierten Bürger daran teilhaben.

Walter Frankenstein wurde 1924 als jüngster von drei Söhnen jüdischer Eltern in Ostpreußen geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters und der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wanderten die älteren Brüder nach Palästina aus und kehrten Deutschland den Rücken. Durch seinen Umzug nach Berlin lernte er seine zukünftige Frau Leonie Rosner kennen, die als Jüdin ebenfalls unter den Repressionen des Nazi-Regimes litt, heißt es weiter. Im Jahr 1943 schließlich kam der Befehl zur Deportation, dem sich die Frankensteins, die mit ihrem Sohn Peter bereits eine kleine Familie bildeten, durch Untertauchen in die Illegalität entzogen.

Von diesem Leben in der Angst, jederzeit erkannt und in den sicheren Tod geschickt zu werden, seien die Erinnerungen bei Walter Frankenstein bis heute noch lebendig. Nach Kriegsende verlässt er Deutschland in Richtung Palästina, wo er im späteren Staat Israel sein Glück versucht. Später zieht es ihn mit seiner Frau nach Schweden, wo er noch heute wohnt und von wo aus er laut Ankündigung nach Wangen kommen wird. Walter Frankenstein besucht seit den 1970er-Jahren regelmäßig Deutschland und berichtet Schülerinnen und Schüler über seine persönlichen Erfahrungen. Die Förderung des Bewusstseins über die Ereignisse 1933-45 im heutigen Deutschland, ohne jedoch Vorwürfe an die jetzige Generation zu richten, sei ihm ein wichtiges Anliegen. Sein Leben wurde auch in dem Buch „Nicht mit uns – das Leben von Leonie und Walter Frankenstein“ beschrieben.

Persönliche Treffen und der Austausch mit Zeitzeugen des Dritten Reichs werden künftig immer seltener möglich sein, umso mehr freuen sich die Organisatoren, mit Walter Frankenstein gelebte Geschichte nach Wangen zu bringen, heißt es in der Mitteilung. Dies sei eine einmalige Gelegenheit zur Begegnung für Schüler sowie für ein interessiertes Publikum.

Unterstützt wird der Vortrag durch den Förderverein der Realschule und den Landkreis Ravensburg. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.

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