Wie die Aktion Helfen bringt Freude Menschen in Afrika unterstützt

Lesedauer: 8 Min
 Menschen in Uganda bei der Übergabe der Pakete.
Menschen in Uganda bei der Übergabe der Pakete. (Foto: Verein Awamu)
Redaktionssekretariat

Zurzeit ist sie ein „Kellerkind“: Jene Margret Riese, die ihre Liebe zu Uganda und zum Helfen praktisch schon mit der Muttermilch aufgesogen hat und 2012 die bis dahin mehr oder minder „Wangener Privatinitiative“ auf Vereinsbeine stellte.

Dort im Keller oder auch in der Garage stellt sie – zusammen mit anderen und coronakonform – wie seit Jahrzehnten Adventskränze und -gestecke her, die zugunsten des Vereins „Awamu – zusammen für Uganda“ verkauft werden, um wieder etwas Geld in die Kasse zu bringen.

Das Jahr 2020 hat den Verein vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. Zwar ist das ostafrikanische Binnenland durch die Pandemie zumindest offiziell weniger betroffen als andere. Doch liegt das öffentliche Leben durch den Lockdown weitgehend lahm – mit entsprechenden Folgen .

„Viele Dinge waren nicht möglich oder sind jetzt im Moment wieder nicht möglich“, schreibt Vereinsvorsitzende Margret Riese in ihrem Weihnachtsbrief. Beispiele gefällig? Der Wangener Weihnachtsmarkt, an dem immer Adventskränze, Gestecke, Weihnachtsbredle, Socken und Waren verkauft werden konnten, wird nicht sein. Auch das „Suppentöpfle“, von dem der Verein in den vergangenen Jahr auch finanziell profitierte, wird seine Tätigkeit nicht aufnehmen.

Nur Abschlussklassen geöffnet

In Uganda selbst durften Mitte Oktober nur die Abschlussklassen wieder öffnen. Allein für diese Betriebsgenehmigung müssen 700 Euro, für die Registrierung der Schule mehr als 900 Euro und für eine Schüler-Prüfungsgebühr 36 Euro an den Staat bezahlt werden. Geld, das weder Schüler noch deren Eltern haben. Für alle anderen als den Abschlussklassen gilt das laufende Schuljahr im Übrigen als „totes Jahr“.

 Margret und Eberhard Riese.
Margret und Eberhard Riese. (Foto: Susi Weber)

Auch wenn keine Schule stattfindet, fühlt sich „awamu“ seinen Lehrern und Bediensteten gegenüber verpflichtet. „Die untere Grenze der Lehrerlöhne, die die Lehrer zum Überlegen brauchen, beträgt rund 35 Euro im Monat“, erzählt Margret Riese. Und: „Es ist unser Wunsch, die Lehrer im St.-Dennis-Centre for Education in Buyambi bezahlen zu können. Ebenso auch die Lehrer in der St.-Helena-Schule in Nakiyaga.“ Beide Schulen erfüllen die Anforderungen des Staates mit Abstandsregeln im Unterricht und den Schlafräumen. Sie verfügen über Wasser und Seife und teilweise auch über Masken.

Kriminalität aus Verzweiflung

Was sich ansonsten in Uganda verändert hat? „Es gibt noch mehr Menschen, die keine Möglichkeit haben, ihren Geschäften nachzugehen und Geld zu verdienen“, sagt Margret Riese. Viele ziehen aufs Land, aber auch dort gibt es nur wenige Möglichkeiten, etwas zu verdienen. „Viele stellen oft dumme Sachen an“, schreibt Emmanuel Musoke, ugandischer Partner von „awamu“. Überfälle und Diebstähle passieren oft aus der Verzweiflung, Aussichtslosigkeit oder auch wegen Hunger.

Im Sommer hat sich awamu entschieden, ein Corona-Hilfspaket zu schnüren: „Wir stellten je 5000 Euro für die Bevölkerung in Buyambi und in Kamukongo zur Verfügung, die Pfarrer Jude und Emmanuel verteilten. Rund 720 Familien konnte so zumindest etwas geholfen werden.

Dennoch fehlt es an vielem, wie beispielsweise an Moskitonetzen, Decken, Matratzen, Saatgut, Hacken, Spaten und auch Masken. Anfang November gab der Verein dafür Mittel in Höhe von 14 000 Euro frei.

Bekanntlich unterhält „awamu“ in Buyambi und Nakiyaga zwei eigene Schulen mit insgesamt mehr als 400 Schülern, die – knapp zur Hälfe – auch im Internat untergebracht sind. Eine Kranken- und zwei Entbindungsstationen werden unterstützt. Ebenso gibt es in Uganda, wo nur die Hälfte der Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser hat, inzwischen 180 über „awamu“ finanzierte Brunnen. In diesem Jahr verschärfte die Corona-Krise die Lage der unterstützten Projekte und des Wangener Vereins.

Kritische Finanzsituation

Die Finanzlage der St.-Helena Schule in Nakiyaga ist kritisch. Auch deshalb, weil sonstige Einnahmen aus den verpachteten Läden fehlen. Die Mieter können keine Geschäfte mehr machen, da die Menschen kein Geld für Einkäufe haben.

Im August hatte der Verein „awamu“ seine Pateneltern gebeten, wenn irgendwie möglich die Schulgelder weiter zu überweisen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, welche Schulen wirklich öffnen. „Auch wenn die Kinder nicht zur Schule gehen, benötigen sie Nahrung und Unterkunft“, sagt Riese.

Die Resonanz auf den Aufruf war gut. Erfreulich auch: Trotz Pandemie sind derzeit mehrere Brunnen im Bau, die jeweils um die 1300 Euro kosten. Riese: „Sauberes Wasser ist in Uganda nach wie vor ein Mangel.“ Riese weiß aber auch, dass es von Vereinsseite aus noch lange keinen Grund gibt, durchzuatmen: „Selbst wenn der ganze Spuk vorüber ist, haben die Menschen in Uganda kein Geld.“

Sternsinger-Einsatz ungewiss

Es wird also voraussichtlich in den Folgejahren noch mehr als jene rund 90.000 Euro jährlich brauchen, um den Betrieb in Uganda aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen die Sorgen um die Einnahmeseite: „Noch weiß beispielsweise niemand, ob die Sternsinger dieses Mal überhaupt entsandt werden.“ Aus deren Spenden wurde bislang der Großteil der Lehrergehälter in Höhe von jährlich 8800 Euro für die 14 Kräfte an der hauswirtschaftlichen Mädchenschule in Nakiyaga finanziert. Awamu übernahm bislang davon „nur“ 3000 Euro.

Sorgenfalten sieht man bei Margret Riese dennoch keine. Sie kranzt, was das Zeug hält. Hätte sie einen Weihnachtswunsch frei, wären dies „kleine Hilfspakete für Familien“. Mit Lebensmitteln und Saatgut. Also mit dringend Nötigem und dem, was unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ hoffentlich bald wieder zum Tragen kommen wird.

Meist gelesen in der Umgebung

Mehr Inhalte zum Dossier

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen