Warnblinker an! So verhält man sich an Unfallstellen

 Ein in angemessenem Abstand aufgestelltes Warndreieck, lässt herannahenden Fahrzeugen genug Reaktionszeit und Gelegenheit abzub
Ein in angemessenem Abstand aufgestelltes Warndreieck, lässt herannahenden Fahrzeugen genug Reaktionszeit und Gelegenheit abzubremsen. (Foto: dpa/Armin Weigel)
Redakteurin

Es ist ein besonders tragischer Verkehrsunfall gewesen, bei dem Anfang September ein Jugendlicher auf der Straße zwischen Wolfegg und Kißlegg mit von einem Auto überrollt wurde und starb. Der 17-Jährige war zuvor mit seinem Kleinmotorrad gestürzt.

Wie der tragische Unfall ablief

Auf der Gegenspur hatte ein Wagen gehalten, dessen Fahrer Hilfe anbot. Die Fahrerin des heranfahrenden Unfallautos wurde laut Polizeiangaben wohl vom Fernlicht des am Unfallort stehenden Wagens geblendet. Der Unfall hat viele Menschen bewegt und betroffen gemacht.

Wie genau der Unfall abgelaufen ist, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Das Geschehen führt indes auch vor Augen, wie schnell es gehen kann, dass Verkehrsteilnehmer sich in Unfallsituationen wieder finden. Die „Schwäbische Zeitung“ hat bei Oliver Weißflog, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Ravensburg, nachgefragt, wie man Unfallstellen absichert.

Wer mit dem Auto liegen bleibt, an einen Unfall heranfährt oder selbst in einen verwickelt wird: Das Absichern der Unfallstellen ist wichtig, um andere Autofahrer zu warnen – und die Beteiligten und Helfer zu schützen. „Die größte Herausforderung ist, dass es für die Betroffenen eine Ausnahmesituation ist, mit der sie plötzlich konfrontiert sind, vielleicht auch überfordert. Da die richtigen Entscheidungen zu treffen, kann schwierig sein“, beschreibt Weißflog und rät, durchzuatmen und zu überlegen, was zu tun ist.

Ab und an nach Warndreieck schauen

Als ersten Schritt der Absicherung nennt der Polizeibeamte: „Noch bevor ich aussteige: Warnblinkanlage einschalten!“ Hilfreich sei auch, sich im Alltag ab und an mit Warnblinker und Warndreieck vertraut zu machen, „sodass ich im Fall der Fälle nicht zusätzlich zum Stress auch noch den Knopf für die Warnblinkanlage suchen muss, oder nicht weiß, wo eigentlich das Warndreieck ist.“

Ein Patentrezept, wie man eine Unfallstelle richtig absichert, gibt es laut Weißflog indes nicht. Das sei auch abhängig von der Situation. Für das Aufstellen des Warndreiecks hat er einen Tipp:

Man kann kurz überlegen: Wo würde es mir als Autofahrer helfen, es zu sehen?

Grundsätzlich gilt: Das Warndreieck soll am rechten Fahrbahnrand in angemessenem Abstand aufgestellt werden. „Aber es gibt kein absolutes richtig oder falsch. Wenn sich eine Konstellation ergibt, bei der die Absicherung aus der einen Richtung mit der Warnblinkanlage gut sichtbar ist, ist es vielleicht auch sinnvoll, das Warndreieck auf der anderen Seite einzusetzen. Es ist aber fraglich, ob man sich diese Gedanken in einer Stresssituation überhaupt machen kann.“

Warndreieck vor Kurven und Kuppen

Dazu, wie viel Abstand „angemessen“ ist, sagt Weißflog: „Es gibt dazu keine Vorschrift, nur Richtwerte. Da muss man dann eben schauen: Liegt die Unfallstelle in einer Kurve oder hinter einer Kuppe, dann muss das Warndreieck vor die Kurve oder Kuppe. Und eben mit so viel Abstand, dass andere Fahrer die Möglichkeit haben, zu bremsen. Nur zehn Meter vom eigenen Auto entfernt macht es keinen Sinn.“ Je nach Situation und Straße müsse man eben auch etwas Weg in Kauf nehmen, „und auch mal 100 bis 150 Meter gehen.“

Ganz wichtig, das betont der Polizeibeamte, ist der eigene Schutz. Deshalb gelte: Erst absichern, dann helfen, auch wenn der Hilfsreflex einem vielleicht eine andere Reaktion nahelegt. „Der Eigenschutz geht immer vor. Es hilft nichts, wenn ich kurze Zeit später selbst Unfallopfer werde.“ Zum Selbstschutz gehöre beispielsweise auch, eine Warnweste anzuziehen oder beim Aufstellen des Warndreiecks am Fahrbahnrand, im Bankett oder hinter der Leitplanke zu gehen.

Warndreieck vor sich halten

Aber auch hierbei gebe es kein absolutes richtig oder falsch, so Weißflog, der sich auch eine solche Situation vorstellen kann: „Wenn es tagsüber ist und eine übersichtliche Strecke und der Warnblinker an und gut zu sehen ist, dann muss, ich bevor ich Hilfe leiste, vielleicht nicht zwingend das Warndreieck aufstellen, nur weil es formal sein müsste.“

Das Warndreieck sollte man dabei insbesondere im Dunkeln vor sich halten, um nicht übersehen zu werden. In diesem Zusammenhang weist Weißflog auch darauf hin, was andere Autofahrer im Dunkeln bedenken sollten: „Die Höchstgeschwindigkeit gilt nur bei besten Idealbedingungen. Nachts gilt, dass ich auf der Strecke anhalten können muss, die ich übersehen kann.“

Je schneller, desto gefährlicher

Die Frage, ob das Fernlicht am Unfallort im Dunkeln ein- oder ausgeschaltet werden sollte, könne man, sagt Weißflog, auch nicht pauschal beantworten. Je nachdem, ob es eben Sinn mache für andere Verkehrsteilnehmer, oder um die Unfallstelle auszuleuchten.

Der Hauptunterschied zwischen kleinen Land- und ausgebauten Bundesstraßen oder Autobahnen liegt im Tempo, mit denen Autofahrer unterwegs sind. 

Je schneller gefahren werden kann, umso größer ist die Gefahr für Personen auf der Fahrbahn,

fasst Weißflog zusammen und verweist auf längere Brems- und Reaktionswege.

Auf kleinen Landstraßen, wie sie in der hiesigen ländlichen Region häufig vorhanden sind, seien hingegen ein unübersichtlicher Streckenverlauf mit Kurven und Kuppen eine Gefahrenquelle. Auch die Kreisstraße zwischen Wolfegg und Kißlegg ist in weiten Teilen eine schmale und teils unübersichtliche Strecke. Der Unfall ereignete sich einige Meter hinter einer Kuppe.

Auch das Wetter spielt eine Rolle

Beim Absichern von Unfallstellen eine Rolle spielt auch das Wetter, etwa wenn Nebel und Regen die Sicht behindern. „Gerade auf Bundesstraßen würde ich eher davon abraten, bei Regen wieder ins Auto zu sitzen“, meint Weißflog und denkt dabei an die Gefahr, dass nachfolgende Autos in den stehenden Wagen hineinfahren.

Das Warndreieck wieder einsammeln muss übrigens eigentlich derjenige, dem es gehört. „Aber es kommt häufig vor, dass es stehen bliebt“, weiß Weißflog. Da die Polizei immer noch einmal nachschaue, ob die geräumte Unfallstelle sauber sei, falle es spätestens dann auf. „Wir nehmen es dann mit und versuchen, es zurückzugeben.“

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