Wangens Pfarrvikar Erhard Galm spricht zum Martinstag

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 Pfarrvikar Erhard Galm
Pfarrvikar Erhard Galm (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Pfarrvikar Erhard Galm und Seelsorgeeinheit An der Argen

Das Laterne-Laufen im November um den Martinstag herum gehört zu meinen besonderen Kindheitserinnerungen. Mit der im Kindergarten gebastelten Martinslaterne in der Hand, zusammen mit den Eltern abends zu einen Spaziergang durch die dunklen Straßen – das war schon aufregend. Die kleinen Lichter und erhellten Lampions leuchten auf dem Weg durch die Nacht. Das Licht nimmt die Angst vor der Dunkelheit.

In Stadt und Land wird nicht nur so gelaufen und gesungen, sondern am Martinstag, 11. November, wird auch da und dort ein Spiel gezeigt, in dem der römische Soldat Martinus in kalter Winternacht seinen Mantel teilt und die Hälfte davon einem frierenden Bettler schenkt.

Diese Begebenheit, sie liegt schon mehr als 1600 Jahre zurück, ist so bekannt geworden, dass sie immer wieder weitererzählt wurde. Fast jedes Kind kennt diesen Mann. Seine Geste des Teilens, seine gute Tat ist ein großartiges Beispiel für das, was Jesus im Evangelium gesagt hat: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Martinus ist dies klargeworden, als er nachts darauf geträumt hat und im Traum Jesus mit der anderen Hälfte seines Soldatenmantels bekleidet gesehen hat.

Martin ist ein Heiliger, der aufhorchen lässt, und mit seiner Geste des Teilens einfach aber deutlich zeigt, was Christsein heißt. Die Mantelteilung ist zu einem der Ur-Bilder der abendländischen Christenheit geworden. Dem, der unsere Hilfe braucht, auch und gerade dem Fremden, helfen und in ihm Christus erkennen. Kinder lieben das Martinsspiel jedes Jahr neu. Doch diese Begebenheit ist zu wichtig, als dass sie nur zum folkloristischen Spektakel und spielerischen Gag verkümmern darf. Seine Liebestat und seine Gottverbundenheit sind Beispiel und Auftrag für alle, die ihr Christsein heute authentisch zu leben suchen.

Im Alltag darf sichtbar werden, was wir an Martin so schätzen: Teilen macht nicht arm, sondern froh und glücklich; das helfende Zupacken, das gemeinsame Beten und die gegenseitige Rücksichtnahme und Bescheidenheit machen das Christsein erst echt und lebendig. So schaffen wir Raum und helfen Kindern und Jugendlichen, in ein christliches Miteinander hineinzuwachsen, wie es Martin beispielhaft vorgelebt hat.

Dieser großartige Heilige will durch uns lebendig werden und in unsere Umgebung hineinleuchten wie der Lampion in der Hand eines Kindes in dunkler Nacht.

Kurtmartin Magiera, ein Schriftsteller und Zeitungsredakteur, hat es vor Jahren in einem modernen Gedicht einmal so zusammengefasst: „Die Kinder sollen wissen, mit wem sie es eigentlich zu tun haben, wenn sie im November mit bunten Laternen bewaffnet, im Martinszug durch die Straßen wandern: Mit einem Martin, dessen Leben so überzeugend war, dass die Nichtchristen seiner Zeit rufen konnten: Martins Gott sei unser Gott! Wer ruft das schon, wenn wir kommen?“

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