Wangens OB: Wer reist, sollte über Testung nachdenken

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 Das Kinderfestwochenende vor einem Jahr: Auch der Partnerschaftsverein La Garenne Colombes nahm damals daran teil. Dieses Jahr
Das Kinderfestwochenende vor einem Jahr: Auch der Partnerschaftsverein La Garenne Colombes nahm damals daran teil. Dieses Jahr fällt die an diesem Wochenende geplante Sause aus. OB Lang meldet sich deshalb zu Wort. (Foto: SUM/Stadt)
Schwäbische Zeitung

An diesem Wochenende hätte Wangen eigentlich groß gefeiert: Das Kinderfest hätte angestanden. Coronabedingt ist schon länger klar: Daraus wird dieses Jahr nichts. Anlass genug für OB Michael Lang, dies und die aktuelle Lage einzuordnen. In einem Schreiben richtet er sich deshalb erneut an die Bürgerinnen und Bürger. Die „Schwäbische Zeitung“ hat den Beitrag mit stichwortartigen Fragen versehen.

Was bedeutet die Absage des Kinderfests?

In diesen Tagen spüren wir noch einmal auf besondere Weise, wie sehr das Corona-Virus unser Leben verändert hat. In einem anderen Jahr würden wir jetzt unser Kinder- und Heimatfest feiern mit Spielen, buntem Umzug, Speisen aus vielen Kulturen beim Altstadtfest, Blasmusik im Festzelt und fröhlichen Kindern beim Kinderfestlauf. Doch Großveranstaltungen können zumindest bis zum Herbst dieses Jahres nicht stattfinden. Das Miteinander, die Begegnung – auch mit unseren Freunden aus den Partnerstädten Prato und La Garenne-Colombes – vermissen wir sehr. Demnächst beginnt die Ferienzeit. Wir freuen uns auf die milden Sommertage und lauen Nächte, auch wenn in diesem Jahr alles anders ist als sonst.

Wie beurteilt der OB die aktuelle Corona-Situation?

Bis heute wurden in unserer Stadt seit Beginn der Pandemie in Wangen am 6. März bei insgesamt 91 Personen Covid 19 festgestellt. Seit gestern haben wir auch wieder einen neuen bestätigten Fall in Wangen. Das zeigt auch: Es gibt für uns alle keine Entwarnung! Weltweit steigt die Zahl der Infizierten nach wie vor in einem dramatischen Ausmaß und liegt laut Weltgesundheitsorganisation WHO, Stand 23. Juli 2020, bei über 15 Millionen.

Was rät Michael Lang Reisenden angesichts aktueller Neuinfektionen?

Durch die Reisetätigkeit jetzt im Sommer gibt es neue Risiken. Wir haben es in der Region in den vergangenen Tagen sehen müssen. Viele der Neuinfektionen der letzten Wochen hängen mit Reisenden zusammen, die in Risikogebieten waren. Deshalb ist auch die Einhaltung strikter Quarantäne hier besonders wichtig und gesetzlich vorgeschrieben. Wer dagegen verstößt, macht sich mögliche Folgen nicht klar. Wenn sich deshalb Menschen anstecken und dadurch Schaden entsteht, kann das teure zivilrechtliche und sogar strafrechtliche Folgen haben. Wer in den Urlaub gefahren ist, insbesondere an ein Ziel in Risikogebieten, sollte zumindest über eine Testung unmittelbar nach der Rückkehr nachdenken. Es gilt weiter vorsichtig zu sein – auch wenn es nicht leichtfällt!

Wie blickt er auf den Lockdown im Frühjahr zurück?

Vielleicht erinnern wir uns gerade jetzt noch einmal an die Zeit der Schließung. Obwohl sie viel weniger streng war als beispielsweise in Italien oder Spanien, lag dennoch das öffentliche Leben fast vollständig still. Die Innenstadt war auch bei schönstem Wetter an vielen Tagen so leer, wie ich dies noch nie gesehen habe. Ohne das Leben auf den Straßen fehlte der schönen Altstadt das geschäftige Treiben und die menschliche Wärme. Das wollen wir so nicht mehr wieder erleben!

Wie beurteilt der OB die Folgen des Lockdown?

Inzwischen kommen wir in unserer „neuen Normalität“ des Jahres 2020 im weltweiten Vergleich ganz gut zurecht. Die Geschäfte und Betriebe sind wieder geöffnet. Die Gastrobranche lädt uns ein zum Besuch. Die Frequenz in der Stadt ist auch durch viele Gäste im Allgäu gut. Dennoch gibt es nach wie vor insbesondere für die Menschen im Verkauf und im Service schwierige Bedingungen.

Für viele Wangenerinnen und Wangener sind die Folgen der Pandemie und der damit verbundenen Schließungen deutlich spürbar. Ganz schnell gab es in diesen Wochen für viele Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit.

Wie sieht er die Situation für den Nachwuchs und die Eltern?

Die Kindergärten wurden geschlossen. Nur Notbetreuung fand noch statt. So waren die Kinder und Jugendlichen über Monate zuhause. „Homeschooling“ wurde zum neuen Standard. Das war für viele eine ganz große Herausforderung, schließlich sind ja Urlaubstage für berufstätige Eltern endlich. Ich möchte mich deshalb bei allen bedanken, die große Belastungen ausgehalten haben, um den familiären Verpflichtungen gerecht zu werden.

Von zuhause aus den schulischen Aufgaben nachzukommen, das war auch für alle Kinder eine neue Erfahrung. Viele Eltern berichten mir, wie schnell die Kinder in dieser Situation mental gewachsen sind. Derzeit bereiten sich die Schulen darauf vor, nach den Sommerferien den regulären Betrieb mit allen Schülerinnen und Schülern wieder aufzunehmen. Dies ist gar nicht so einfach, wenn man die Hygieneregeln weiter konsequent einhalten möchte. Und dies ist weiter von großer Bedeutung!

Was sagt er über die Arbeit im medizinischen Bereich?

Auch mit Rücksicht auf Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, die im Frühjahr unter teilweise extremen und – in Ermangelung von Schutzkleidung – selbstgefährdenden Bedingungen arbeiten mussten. Im Adler-Gelände wurde eine Fieberambulanz eingerichtet. Sie ist inzwischen wieder geschlossen, bleibt aber weiter aktivierbar.

Wie denkt Michael Lang über das Verhalten der Bürger?

Wir sind in Wangen mit Corona bisher ganz gut klargekommen. Ich durfte wieder einmal erleben, dass die Menschen in unserer Stadt sich vernünftig, gewissenhaft, solidarisch und menschlich verhalten. Dafür danke ich allen Bürgerinnen und Bürgern sehr!

Welche Branchen leiden aus seiner Sicht nach wie vor?

Weltweit gibt es durch die Pandemie massive wirtschaftliche Konsequenzen. Die Staatengemeinschaft in Europa stellt sich nach dem Kompromiss in dieser Woche den Folgen gemeinsam. Deutschland steht hier in einer besonderen Verantwortung. Die Not ist in vielen Ländern deutlich größer, als wir dies bisher bei uns wahrnehmen. Es gibt aber auch bei uns nach wie vor viele Branchen mit zum Teil vollständigem Stillstand. Gerade die Lebensbereiche rund um „Großveranstaltungen“ ruhen nach wie vor. So gut wie keine Auftritte für Künstler und Musiker. Keine Aufträge für Messebeschäftigte und Agenturen.

Welche Folgen hat die Pandamie auf die städtischen Finanzen?

Auch die Städte und Gemeinden sind durch den Rückgang der Steuereinnahmen massiv betroffen. Bund und Länder wollen hier mit Programmen stützen. Dennoch stellen wir uns darauf ein, dass uns in den Folgejahren große Beträge fehlen werden, die nicht aufgefangen werden können. Deshalb prüfen wir derzeit umfassend, wie wir die finanzielle Situation unserer Stadt für die nächsten Jahre nachhaltig verbessern können. Im Herbst werden wir die Vorschläge der Haushaltsstrukturkommission dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen. Wir versuchen ein Paket zu schnüren, das alle Lebensbereiche in gleicher Weise erfasst. Wir stellen uns auf finanziell schwierige Jahre ein, wollen aber dennoch den aktuellen Aufgaben Rechnung tragen. Wir bereiten uns auf die Zeit nach Corona vor. Sie wird kommen!

Welche Wünsche gibt Michael Lang den Bürgern mit auf den Weg in die Ferien?

Für Familien mit Kindern waren die letzten Monate wahrlich besonders schwierig. Ich hoffe, dass jetzt in der Ferienzeit besonders ihnen Tage möglich sind, um sich gemeinsam zu erholen. Viele bleiben in diesem Jahr daheim. Wir können uns glücklich schätzen, in einer lebenswerten Region mit vielen guten Zielen für Ausflüge zu wohnen. Berge, Seen oder auch das neu sanierte Freibad Stefanshöhe gehören dazu.

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