Wangens neuer Richter: „Ich bin keine Fallanwendungsmaschine“

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Der neue Richter Peter Balensiefen in seinem Büro. (Foto: swe)
Schwäbische Zeitung
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Die Liste seiner Stationen ist lang. „Ich bin seit 23 Jahren im Beruf“, erzählt Peter Balensiefen, seit September Richter und gleichzeitig Stellvertreter von Direktor Dr. Wolfgang Bigalke am Amtsgericht Wangen.

Warum nach verschiedenen Amts- und Landgerichten, der Staatsanwaltschaft und dem Oberlandesgericht Stuttgart und zuletzt als Stellvertretender Direktor in Albstadt ausgerechnet Wangen zur neuen beruflichen Heimat wurde, erklärt Balensiefen so: „Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Als Sigmaringer bin ich auch mit der hiesigen Region verknüpft und verbinde mit der Mentalität der Menschen hier etwas Positives.“

Mit dem Wechsel ins Allgäu kam für den 53-Jährigen auch ein Wechsel des Fachbereichs: „Ich war bislang hauptsächlich als Zivilrichter tätig, mit Ausnahme einer zweieinhalbjährigen Zeit als Familienrichter.“ Dass sich Balensiefen in Wangen nun mit Strafsachen zu beschäftigen hat, war von vornherein klar: „Für mich war die neue Stelle aber auch mit Neugierde verbunden und mit meinem Gefühl, dass sich beruflich noch einmal etwas ändern muss, damit sich der eigene Blickwinkel nicht zu sehr einschränkt.“

Der Blickwinkel wurde in Wangen erst einmal heftig geweitet, wie Balensiefen mit viel Humor bekennt: „Ich habe hier ja tatsächlich ein Zimmer mit Bergsicht erwartet. Dass es allerdings solche Aktenberge sind, hatte ich mir nicht vorgestellt.“ Vakanzen durch das Ausscheiden des Amtsvorgängers Reinhard Hummel gingen Balensiefens Amtsantritt voraus: „Da lautete natürlich erst einmal die Devise: Nicht aus der Ruhe bringen lassen, da es der Sache und den Personen, über die man richtet, nicht gut tut.“

Bis ins neue Jahr hinein sind Verhandlungstage festgelegt. An der qualitativen Intensität der Beschäftigung mit den Fällen soll sich dennoch nichts ändern: „Man kann auf der Suche nach Gerechtigkeit eine stets im Spannungsfeld zwischen Gerechtigkeit und Recht liegende Entscheidung und Lösung nur dann finden, wenn man sich bemüht, den jeweiligen Sachverhalt genau aufzuklären. “

Bei jedem Fall versuche man, sich in die Situation reinzuversetzen, in der Täter, Opfer und Angehörige sind und was dabei eine Rolle gespielt habe. Emotionen, sagt Balensiefen, lässt man dabei immer zu: „Ich bin keine Fallanwendungsmaschine, bei der man Fakten eingibt und ein Ergebnis herauskommt.“ Ab und an populistische Äußerungen der Öffentlichkeit prallen bei Balensiefen, der sich „oft abends und nachts“ mit seinen Fällen beschäftigt, dagegen gänzlich ab: „Sie fallen oft in Unkenntnis des Falls. Die Wirklichkeit zeichnet häufig ein ganz anderes Bild. Und was einem Fall vorgelagert ist, wissen viele nicht, die meinen, richten zu müssen.“ Der Mensch – ob Täter oder Opfer – stehen für Peter Balensiefen im Mittelpunkt: „Dabei bin ich sicherlich kein Weichspüler in diesem Sinne, dass ich gerne ein Auge zudrücke. Ich gucke schon sehr gründlich hin.“

Privat hat sich der Vater dreier erwachsener Kinder, von denen zwei Jura studiert haben oder studieren, dem Sport verschrieben. Laufen, Radsport, Schwimmen und Skifahren zählt er zu seinen Hobbys: „Im Grunde genommen alles, was mit Draußen zu tun hat. Ich bin sehr naturverbunden.“ In Wangen fühlt er sich im Kreise der rund 20 Mitarbeiter des Amtsgerichts schon jetzt gut aufgenommen. Ein Umzug ins Allgäu kommt zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht in Frage: „Meine Frau und ich haben unseren Lebensschwerpunkt in Sigmaringen. Inwiefern wir dies beibehalten können, werden die weiteren Entwicklungen zeigen.“

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