Wangener Frauen auf der Spur

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 Am Sonntag kamen trotz widriger Wetterverhältnisse rund 25 Frauen und ein Mann zu der Premiere. Stadtführerin Gabriele Neher be
Am Sonntag kamen trotz widriger Wetterverhältnisse rund 25 Frauen und ein Mann zu der Premiere. Stadtführerin Gabriele Neher begab sich mit ihnen auf eine Spurensuche durch die Stadt. (Foto: Steinhauser)
Tine Steinhauser.

100 Jahre Frauenwahlrecht, dieses Jubiläum nahm die Stadt Wangen zum Anlass, eine Stadtführung mit dem Titel „Frauensache“ ins Leben zu rufen und sich auf eine Spurensuche durch die Geschichte und Gegenwart der Stadt zu begeben. Und da gab es einige Frauen zu entdecken, die schon früh das politische, soziale, künstlerische, wirtschaftliche und kirchlich-religiöse Leben mitprägten.

Am Sonntagnachmittag begrüßte Stadtführerin Gabriele Neher rund 25 Frauen und einen tapferen Mann zur Premiere der Stadtführung „Frauensache“. „Ich heiße Sie herzlich willkommen, Sie sind sehr unerschrocken“, so Neher mit einem Blick auf die düsteren Regenwolken. Schon am Treffpunkt am Marktplatz erläuterte sie anhand der Rathausfassade, inwieweit Frauen eine Rolle in der Geschichte spielten. „Sie sehen an der Vorderseite jede Menge Frauen“, erklärte Neher, darunter Justitia, die für Gerechtigkeit, Prudenzia, die für Klugheit und Flora, die für Wohlstand stünde. „Die beiden Engel an der Seite wurden von einer Steinmetzin restauriert“, fügte sie hinzu.

Über die erste Frau im Rat

Sie bat die Interessierten einen Blick in die Herrenstraße zu werfen, dort befänden sich viele Geschäfte, deren Geschicke von Frauen gelenkt würden. „Johannes Baptista Jung kam 1855 als Realschullehrer nach Wangen“ berichtete Neher, seine Tochter Friederike Waldenmaier war die erste Frau, die 1919 in den Gemeinderat der Stadt gewählt wurde. Denn mit der Einführung des Frauenwahlrechts hätten sich Frauen auch erstmals als Kandidatinnen aufstellen lassen können, Waldenmaier sei politisch und sozial überaus aktiv gewesen. „Es dauerte sehr lange, bis wieder eine Frau gewählt wurde“, erklärte Neher. Auch auf vielen Ölgemälden im Innern des Rathauses waren Szenen zu entdecken, in denen Frauen maßgebliche Rollen spielten.

Auf einem Spaziergang durch die Herrenstraße verwies Neher auf die Mariendarstellungen und insbesondere auf den Ort, an dem früher der Pranger gestanden hätte. „Im Jahr 1692 stand hier Barbara Salzgeber am Pranger, weil sie auf eine durch Politiker verursachte Hungersnot hingewiesen hatte“. Sie hatte fünf Kinder, die sie nicht mehr ernähren konnte, weil die hohen Herren beschlossen hätten, kein Getreide in die Stadt kommen zu lassen. Mit Salzgeber wurden 30 weitere Frauen in Gewahrsam genommen, die sich dem Protest angeschlossen hatten.

Erinnerungen an Maria Neff

Schließlich hätten die Männer nachgeben müssen, die Frauen freilassen müssen und die Stadttore für die Weizeneinfuhr wieder öffnen müssen. Frauenpower im 17. Jahrhundert eben. Neher verwies noch auf weitere historische Fassadenmalereien und führte die Gäste ins Museum an der Eselsmühle. Dort war ein von Helen Stritzke angefertigtes Portrait von Maria Neff zu bewundern, die seinerzeit mit 29 Katzen in dem Gebäude gewohnt hatte und die Stadtplanung mit ihrer Weigerung, das Haus zu verkaufen, stark beeinflusst hatte. „Wir Frauen haben die Dinge eben in der Hand“, schloss Neher schmunzelnd.

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