Viel Gekrabbel in der Alten Turnhalle

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 Zusammen mit anderen Spinnen- und Insektenarten konnte man Vogelspinne „Hildegard“ in der Ausstellung „Insectophobie“ in der Al
Zusammen mit anderen Spinnen- und Insektenarten konnte man Vogelspinne „Hildegard“ in der Ausstellung „Insectophobie“ in der Alten Stadthalle in Wangen bewundern. (Foto: Claudia Bischofberger)
Claudia Bischofberger

Hildegard hat einen perfekten runden Körper und Beine bis zum Hals. Letztere sind zwar etwas haarig , dafür aber besitzt sie acht Stück davon. Trotzdem kostet es den einen oder anderen Besucher schon etwas Überwindung, um mit Hildegard ein „Selfie“ zu machen. Denn Hildegard ist eine Vogelspinne. Und war zu Gast mit vielen anderen Spinnen und Insekten am Tag der Deutschen Einheit in der Alten Turnhalle in Wangen.

Hildegard füllt gut den Handteller eines gestandenen Mannes aus. Mit lateinischem Namen heißt das Tier Grammostola rosea, die rote Vogelspinne, und ist in Chile beheimatet. Laut Beschreibung des Veranstalters besäße sie ein ruhiges Wesen und sei nur mindergiftig. Vor allem aber würde sie nicht „bombadieren“. Dies sei eine Art Verteidigungsmaßnahme, wie sie manche Vogelspinnen praktizieren, um sich Feinde vom Hals zu halten, erklärt Ausstellungsleiter Daniel Weber. „Dabei schleudert das Tier mikroskopisch kleine Körperhaare dem Feind entgegen, was einen starken Juckreiz auslöst und mit dem Kontakt von Brennnesseln zu vergleichen ist“, sagt Weber. Und da Hildegard so ein gutmütiges Tierchen ist, sei sie bestens für Anfänger geeignet.

Doch auch dem Gerücht, dass ein Biss von Vogelspinnen tödlich ist, wollen die Veranstalter entgegenwirken. Zwar besäßen die Tiere ein Gift, mit dem sie ihre Beute lähmen und verdauen, aber für den Mensch sei das nicht gefährlicher als ein Wespenstich, sagt Weber. Hildegard und die meisten ihrer Artgenossinnen hätten eine Lebenserwartung von 20 bis 25 Jahren. Für die männlichen Achtbeiner sähe es nicht so rosig aus, erzählt Daniel Weber. Denn nach dem Paarungsakt käme es vor, dass sie von ihrer Auserwählten gefressen werden, sofern es dem Männchen nicht gelänge, sofort zu flüchten.

Der Besitzer Giovanno Neigert, der nicht anwesend war, weil er an dem Tag noch in einer anderen Stadt seine Tiere zeigte, habe laut Daniel Weber bereits in jungen Jahren von seiner Mutter die erste Vogelspinne zu Weihnachten bekommen. Dabei sei er so fasziniert von diesem Tier gewesen, dass immer weitere hinzu gekommen seien. Um sein Hobby zu finanzieren, sei er auf die Idee gekommen, seine Tiere der breiten Öffentlichkeit zu zeigen.

Therapeutisch gesehen habe die Ausstellung einen positiven Einfluss auf Menschen, die Angst vor den Tieren haben oder gar mit Phobien gegen die eigentlich harmlosen Spinnen ankämpfen müssen, so der Veranstalter. Ein besonderer Blickfang ist die Riesenvogelspinne aus Venezuela mit lateinischem Namen „Theraphosa blondi“. Als größte Vogelspinne der Welt misst sie stattliche 15 Zentimeter. Neben riesigen Vogelspinnen aus Südamerika, Afrika und vielen exotischen Ländern, bekommen die Gäste noch Skorpione, Tausendfüßler und allerlei Käfer in unterschiedlichen Formen, Farben und Größen zu sehen. Untergebracht sind die Tiere, zumeist einzeln in beleuchteten Terrarien aus Glas. Der Untergrund sei dem Lebensraum des jeweiligen Bewohners angepasst.

Während der Ausstellung bleiben die Tiere in den verschlossenen Terrarien, die von den Besuchern nicht berührt werden dürfen, um Stresssituationen seitens der Tiere zu vermeiden – außer Hildegard. Die sitzt schon beim Ausstellungsleiter auf der Hand. Um ihn herum steht eine kleine Ansammlung von Kindern sowie deren Eltern und Großeltern. Wer sich traut, darf die Spinne auf den Arm oder in die Hand nehmen. Während die Kinder es kaum erwarten können, zögern einige der Erwachsenen.

„ Es kann nichts passieren, nur nicht die Hand ruckartig wegziehen“, mahnt Weber. Nachdem die Kinder es vorgemacht haben, traut sich schließlich auch die eine oder andere Mama mit der Vogelspinne auf Tuchfühlung zu gehen. Und damit dieser Moment mit der haarigen Hildegard unvergessen bleibt, hält der Ausstellungsleiter ihn mit der Kamera fest. Gemeinsam mit einer Erinnerungsurkunde händigt er dem oder der Mutigen das Sofortbild aus.

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