Verurteilte wählt das kleinere Übel

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 Eine Wangener Gastronomin wurde zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt.
Eine Wangener Gastronomin wurde zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
Milena Sontheim

Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge sowie Kirchensteuer gehören auf jede Lohnabrechnung. Die Sozialabgaben müssen für Mitarbeiter vom Arbeitgeber an das Finanzamt gezahlt werden. Das wusste eine Gastronomin aus dem Raum Wangen offenbar nicht. Jedenfalls argumentierte die Frau so, als sie jetzt vor dem Landgericht Ravensburg stand, um Berufung gegen das Urteil des Wangener Amtsgericht einzulegen – erfolglos.

Landgericht überprüft das Urteil

Im Januar war sie wegen Unterschlagung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt vom Amtsgericht Wangen zu drei Jahren Bewährung und einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt worden. Diese Straftaten hatte die Frau begangen, als sie noch ein eigenes Lokal hatte. Anschließend widersprach sie dem Urteil des Richters. Deshalb wurde ihr Fall vor dem Landgericht Ravensburg erneut geprüft.

Die Verteidigerin plädierte darauf, das Verfahren gegen ihre Mandantin einzustellen. Die Begründung, dass die junge Angeklagte mit der Führung eines Lokals überfordert gewesen sei und aus ihren Fehlern gelernt habe, überzeugte allerdings weder Anklagevertretung noch das Schöffengericht. Der Staatsanwalt hielt den bei Sozialversicherungsträgern angerichteten, finanziellen Schaden von 30 000 Euro trotz Wiedergutmachung für zu hoch und äußerte seine Bedenken zu einer Verfahrenseinstellung.

In 48 Fällen für schuldig gesprochen

Die Vorsitzende Richterin kam zum selben Entschluss. Die Angeklagte wurde erneut in 48 Fällen schuldig gesprochen. Sie ließ der Gastronomin am Ende der Verhandlung die Wahl: Entweder sie nehme das Urteil des Amtsgerichts an oder das des Landgerichts. Zur Auswahl standen die in Wangen verhängten drei Jahre Bewährung plus 1500 Euro Geldstrafe oder 90 Tagesätze à 40 Euro, das entspricht 3600 Euro.

Die Frau entschied sich aus wirtschaftlichen Gründen für ersteres und zog die Berufung zurück.

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