Trainerin: „Hunde tragen ihre Gefühle nach außen“

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 Zwei, die sich verstehen: Hundetrainerin Steffi Rothenhäusler und ihre Bordercollie-Hündin Nala. In ihrem Vortrag bekamen die G
Zwei, die sich verstehen: Hundetrainerin Steffi Rothenhäusler und ihre Bordercollie-Hündin Nala. In ihrem Vortrag bekamen die Gäste wertvolle Informationen, wie man die Sprache der Hunde „übersetzt“, um Missverständnisse zwischen Mensch und Tier zu vermeiden. (Foto: Claudia Bischofberger)
Claudia Bischofberger

Im Vortrag der Volkshochschule Wangen „Der tut nix – wirklich? Hunde besser verstehen“ hat Hundetrainerin Steffi Rothenhäusler die Sprache der Hunde übersetzt.

„Hunde tragen ihre Gefühle nach außen und man kann das sehen, wenn man ihre Merkmale erkennt.“ So umschrieb die Hundetrainerin aus Amtzell den ersten Teil ihres Vortrags. Dabei erklärte sie den anwesenden Hunde- und Nicht- Hundebesitzern, mit welchen Signalen ein Hund seine Stimmungen zum Ausdruck bringt. Zunächst sei es wichtig, dass man auf das Gesamtbild des Tieres achtet. Ist es eher locker und entspannt oder steif und angespannt.

Die Formen der Kommunikation eines Hundes seien vielfältig. Große Aussagekraft habe schon der Blick mit dem das Tier uns begegnet. „Schaut er mit gebogenem Naserücken wie ein Lehrer über den Brillenrand, bedeutet das, dass er uns offensiv droht“, erklärt Rothenhäusler. Weitere Aufschlüsse zur Einschätzung der Hundesprache gebe die Rute, der Schwanz. Je nach dessen Haltung könne man beurteilen, wie uns das Tier gegenübersteht. Dabei könne man festhalten, dass je tiefer die Rute steht, desto freundlicher einem das Tier gesonnen ist.

Oft Missverständnisse zwischen Mensch und Tier

Maßgeblich sei auch das Tempo indem sich ein Hund auf uns zu bewegt. Schlendert er gemächlich auf uns zu oder kommt er in hohem Tempo an? Geht ein Hund frontal auf uns zu, suche er den Kontakt. Mache er einen Bogen, sei er am Menschen eher uninteressiert. Durch mangelndes Verständnis seitens der Menschen und Unwissenheit über die körpersprachlichen Signale der Hunde käme es oft zu Missverständnissen zwischen Mensch und Tier. Man müsse sich vor Augen halten, dass der Hund ein Raubtier ist und sich genetisch nur um zwei Prozent vom Wolf unterscheidet. Den Hund als Kuscheltier anzusehen sei daher eine falsche Annahme. Um einen Hund „gesellschaftsfähig“ zu machen, bedürfe es schon einiges an Training und dauere oft mehrere Jahre.

Stimmt es wirklich, dass ein Hund der bellt, nicht beißt? Diese Aussage gehöre zu den Mythen, die man besser nicht wörtlich nimmt. Denn Steffi Rothenhäusler weiß, dass man sich einem bellenden Hund besser fern halten sollte. Und ein weiteres Missverständnis sei die Aussage, dass ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt immer freundlich sei. Denn nicht immer träfe das zu. Auch wenn das Tier im Jagdfieber ist, wedele es mit dem Schwanz. Auch nicht ganz richtig sei die Auffassung mancher Hundebesitzer, dass Hunde Konflikte unter sich ausmachen. Denn man müsse mit „dem Überleben des Stärkeren“ rechnen und als Mensch einschreiten, falls es zu einem ungleichen Kampf kommt, so Rothenhäusler. Die Behauptung, dass wenn ein Hund einmal gebissen hat, nie mehr beißen wird, sei ebenfalls viel zu allgemein und man könne dies nicht pauschalisieren. Und noch ein Mythos, der dem Hund nachgesagt wird, dass Welpen Welpenschutz haben, träfe nur auf die jungen Hunde zu, die im eigenen Rudel sind.

Hand zum Schnuppern anbieten

Wenn man jemanden besucht, der einen Hund besitzt, sollte man entweder vor dem Hund entspannt stehen bleiben oder in die Hocke gehen. Auf keinen Fall nach vornüberbeugen, denn das sei in den Augen des Hundes eine Drohgebärde. Im folgenden könne man dem Tier eine Hand zum Schnuppern anbieten und seitlich am Hals oder an der Brust kraulen. Ein weiteres Szenario ist die Begegnung mit einem Hund, wenn kein Halter in der Nähe ist. Das wichtigste sei, dass man nicht versucht zu flüchten. Am besten ruhig stehen bleiben oder auch versuchen durch lautes sprechen oder aufstampfen den Hund wegzuschicken. Wenn doch ein Besitzer da ist, könne man diesen immer dazu anhalten, er möge doch den Hund an die Leine tun, falls man sich nicht sicher ist, wie der Hund sich dem Fremden gegenüber verhält.

Steffi Rothenhäusler hat ihre Ausbildung bei Hundetrainer Martin Rütter absolviert und arbeite ganz nach seiner Philosophie, die gewaltfreie und individuelle Erziehung mit viel Spaß und Hintergrundwissen vermitteln soll.

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