SZ-Weihnachtsaktion 2020: Hilfe ist nötiger denn je

3600 Euro gab es aus der Weihnachtsaktion 2019 auch für Schwester Ingeborg und ihre Arbeit in Indonesien.
3600 Euro gab es aus der Weihnachtsaktion 2019 auch für Schwester Ingeborg und ihre Arbeit in Indonesien. (Foto: privat)
Redaktionssekretariat

Erneut steht die „Helfen bringt Freude“-Weihnachtsaktion der „Schwäbischen Zeitung“ unter dem seit 2016 geltenden Motto „Fluchtursachen bekämpfen“. Wie in den vergangenen vier Jahren werden auch dieses Jahr die Spenden der SZ-Leser wieder hälftig unter den SZ-Projekten im Nord-Irak und den Initiativen vor Ort aufgeteilt. Seit Beginn der „Helfen bringt Freude“ Aktion im Jahr 2013, in der es zunächst um Kinderarmut, später dann um die Hospiz- und Palliativarbeit und seit 2016 um Fluchtursachen ging, sind mehr als 2,6 Millionen Euro gespendet worden. Aus der Weihnachtsaktion 2019 erhielten verlagsweit 90 Vereine und Organisationen jeweils 3600 Euro – unter ihnen auch das Projekt des Beruflichen Schulzentrums Wangen, El Sol, die „Helfenden Hände“ aus Argenbühl, das Libanon-Projekt der Gemeinden Amtzell und Kißlegg und der Wangener Verein Awamu – zusammen für Uganda.

644 071 Euro standen nach Abschluss der Weihnachtsaktion 2019 zu Buche – so viel wie noch nie. Dass es für die beteiligten Projekte dennoch nicht die Rekordsumme von jeweils 4040 Euro wie im Jahr 2016 gewesen ist, liegt daran, dass dieses Mal deutlich mehr Organisationen profitierten. Wie das Geld verwendet wurde, davon erzählen ihre Vertreter.

Schüler brachten Weltladen 2001 auf Vordermann

Die „Insel“, wie Lehrerin Myriam Gompper die neue Ladenmitte des El Sol Ladens bezeichnet, ist erst vor wenigen Wochen geliefert worden. Gefertigt wurde sie im Bildungswerk Adolf Aich in Ravensburg, von Menschen mit Handicap. Corona hat die Maßnahme zeitlich etwas verzögert. „Nun können wir endlich unsere Produkte besser präsentieren und haben mehr Platz, um sie unterzubringen“, freut sich Schülerin Natascha Fritsche über die neue Errungenschaft. Im kommenden Frühjahr erlebt der kleine Laden am Ravensburger Tor sein 20-jähriges Bestehen.

Schüler der Kaufmännischen Schule (heute Berufliches Schulzentrum Wangen/BSW) brachten 2001 den ehemals kirchlichen Weltladen auf Vordermann. Eine Juniorfirma wurde gegründet, zunächst das Wirtschaftsgymnasium, später die Berufsfachschule Wirtschaft eingebunden. Seither heißt Unterricht auch praktisches Lernen. Es geht um fairen Handel, Gerechtigkeit, die Chance von Klein- und Kleinstunternehmer in Entwicklungsländer, die Bewusstseinsbildung und -prägung junger Menschen und Hilfe zur Selbsthilfe. Vor drei Jahren wurde schließlich in den Laden selbst investiert, was schon damals die SZ-Weihnachtsaktion mit möglich machte. Mit der neuen Ladenmitte im 31 Quadratmeter großen Lädele kam nun das, was man sich 2017 (noch) nicht leisten konnte. Nun kann von der Schokolade über Mangoprodukte und Kleidung bis hin zu Kaffee oder Dekoartikel in noch schönerer Atmosphäre eingekauft und dafür gesorgt werden, dass Menschen in unterschiedlichen Ländern dieser Welt durch ihre Arbeit ein auskömmliches und gerechtes Einkommen für sich generieren.

„Helfende Hände“ auf 35 Märkten

Im Juni stand es fest: Der Kostenvoranschlag für das 67-Betten-Hospital der Schönstatt-Missionarsschwestern in Burundi sieht 335 500 Euro an Kosten vor. Das alte und abbruchreife Krankenhaus soll ersetzt werden. Dass dies – auch in Kooperation mit anderen Unterstützer-Organisationen der Schönstatt-Schwestern – kein einfaches und schnelles Unterfangen werden wird, wusste Ferdl Rasch von den „Helfenden Händen“ aus Argenbühl schon im vergangenen Jahr, wo von einer Entstehungszeit von zwei bis drei Jahren die Rede war. Aber auch davon, dass es dauern könnte, bis genügend Geld zusammen sei. Die 3600 Euro der SZ-Weihnachtsaktion flossen in das Hospital-Projekt. Wie auch weitere rund 11 000 Euro, die der Verein durch den Verkauf geschenkter Kleidung, Haushaltsartikeln und Kleinmöbel aus Haushaltsauflösungen auf Basaren und Flohmärkten erwirtschaftete.

35 Märkte waren es, an denen die „Helfenden Hände“ im vergangenen Vereinsjahr dabei gewesen ist. „In diesem Jahr kommen wir gerade einmal auf 17“, erzählt Rasch. Corona bremst. Auch dahingehend, dass die Lagerkapazitäten kaum mehr eine Aufnahme neuer Secondhandware zulassen. Corona als Krankheit ist in Burundi eher ein untergeordnetes Thema. „Tatsächlich gab es dort aber viele Todesfälle aufgrund von Ebola, das vom Kongo aus auf Burundi übergriff“, erläutert Rasch. Aus einem E-Mail-Verkehr mit der Leiterin der Missionsstation geht hervor: „Wir spüren aber die Auswirkungen von Corona in Europa.“ Baupläne und Kostenvoranschläge dauerten, die Einfuhr von Alltagsartikeln wurden schwieriger und die Preise steigen. Laut Schwester Lisette verliert auch das Geld an Wert, die Wirtschaft lahmt.

Diverse Probleme

Probleme dieser oder anderer Art haben auch andere. Das Libanon-Projekt der Westallgäuer Gemeinden zum Beispiel, zum dem auch Amtzell und Kißlegg gehören. Eigentlich geht es bei diesem Projekt um gegenseitigen Wissenstransfer und Know-How, um Völkerverständigung und Mitteln aus dem Bundesentwicklungsministerium. Amtzell ist dabei die Gemeinde Rachiine zugeordnet. Im Norden des Libanon gelegen ist das Dorf in etwa so groß wie die deutsche Partnergemeinde. Zu den 4000 Einwohnern kamen im vergangenen Jahr etwa 500 bis 600 syrische Flüchtlinge, die unter ärmlichsten Verhältnissen lebten. Auch viele ältere und bedürftige Personen freuten sich über eines der 40 Hilfspakete, die der Verein Füreinander-Miteinander als Organisator der humanitären Hilfsaktion in den Libanon schickte. „Ein Zeichen der Verbundenheit“, sagte Vereinsvorsitzender Paul Locherer. Und: „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Coronabedingt ist die Lage nicht besser geworden: „Die Ärmeren werden immer noch ärmer.“ Unterstützt aus der Aktion wurde auch der Münchner Kabarettist Christian Springer mit seinem Verein Orienthelfer und seiner fahrbaren Schule im Libanon. Ein kleiner Teil des SZ-Geldes floss schließlich auch in Hilfspakete, die sehr schnell nach der Explosion in Beirut im August als Soforthilfe geliefert wurden. Locherer: „Wir arbeiten im Libanon mit zu hundert Prozent zuverlässigen Partnern. Alles ist angekommen, verteilt und dokumentiert.“ Sorge bereitet Locherer eher die politische Lage im Libanon insgesamt: „Zur Corona-Krise, die schon alles auf den Kopf gestellt hat und noch stellt, kommt auch noch eine Regierungskrise.“

Brunnen gebaut

Mit Corona hatte auch der Wangener Verein Awamu – zusammen für Uganda zu kämpfen. Das aber war 2019, als der Verein den Zuschlag für die Weihnachtsaktion erhielt, noch nicht abzusehen. „Wir haben die 3600 Euro weitgehend für die Mädchenschule St. Helena in Nakiyaga und einen großen Brunnen verwendet“, erzählt Vorsitzende Margret Riese. An der hauswirtschaftlichen Mädchenschule mit Internat werden rund 60 Mädchen von 14 Lehrkräften ausgebildet. Auf rund 8800 Euro belaufen sich die Gehälter, die in großen Teilen aus der Sternsingeraktion St. Martin finanziert werden. Riese: „3000 Euro übernehmen wir.“ In der Nähe der Mädchenschule wurde auch ein 28 Meter tiefer Brunnen gebaut, der ebenfalls vom SZ-Weihnachtsaktionsgeld mitfinanziert wurde. Im Sommer hatte der Verein angesichts geschlossener Schulen und eines immer mehr zusammenbrechenden öffentlichen Lebens große Sorgen. „Wir haben dann erstaunlich viele Spenden bekommen“, erzählt Riese. Sodass die Lehrergehälter weitergezahlt, die Projekte aufrechterhalten konnten und können. Weitere Spenden werden aber dennoch auch weiter gebraucht. Denn selbst wenn die Schulen wieder öffnen dürfen, haben die Menschen in Uganda kein Geld für Schule und Bildung.

Sowohl der Verein Awamu als auch das Libanon-Projekt werden auch 2020 erneut durch die Weihnachtsaktion der „Schwäbischen Zeitung“ unterstützt. Hinzu kommen die Missionsarbeit von Schwester Ingeborg in Indonesien (für die Gemeinde Argenbühl) und der Kißlegger Verein Liweitari, der in Benin ein Ausbildungszentrum unterstützt. Alle vier Organisationen werden im Laufe der nächsten Wochen vorgestellt. Allen ist ihnen gemein: Die Hilfe ist im Coronajahr 2020 nötiger denn je.

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