Starke Frau für eindrucksvolle Charaktere

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Lesley Higl zieht in Wangen im „Krug“ als Frau Brigitte vor Gericht.
Lesley Higl zieht in Wangen im „Krug“ als Frau Brigitte vor Gericht. (Foto: Christoph Morlok Fotografie)
Schwäbische Zeitung

Die Festspiele Wangen zeigen im Sommer „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist, der „Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum und „All das Schöne“ von Duncan Macmillan. Die SZ stellt in loser Folge die Akteure vor. Heute Lesley Higl. Sie spielt im „Krug“ die Frau Brigitte und im „Zauberer“ die Nord- und die Südhexe, das Porzellanpüppchen und die Tante Em.

Im vergangenen Jahr hatte sich Lesley Higl gewünscht, in Wangen spielen zu dürfen, weil sie von Kollegen so viel Positives über die Festspiele hier gehört hatte. Ihr Wunsch wurde erfüllt. Und weil es so schön war, freut sie sich ganz besonders, dass es auch 2019 wieder geklappt hat. „Ich war doch gar nicht so lange weg“, meinte sie in der ersten Zeit der Proben. Alles wirkt vertraut – von der Wohnung, die sie schon im vergangenen Jahr hatte, bis hin zur Altstadt, in der sie gerne zu ihren Lieblingsorten zurückkehrt. Ein Café gehört auch dazu. „Ich habe es erst spät im vergangenen Jahr für mich entdeckt, aber ich komme gerne her, weil man hier auch gut sitzen und seinen Text lernen kann“, sagt sie und trinkt einen Schluck von ihrer Latte Macchiato.

Bei den Festspielen 2018 beeindruckte Lesley Higl in „Volpone.Der Fuchs“ als Dame aus dem leichten Gewerbe und im Familienstück neben Bibibaff, dem fliegenden Teppich, auch als Aladdins Mutter. So unterschiedlich diese Rollen waren, so überzeugend kamen sie rüber. Bei den Festspielen 2019 möchte sie der Frau Brigitte, die als Zeugin im Fall des „zerbrochnen Krugs“ vor Gericht auftritt, besonderen Nachdruck verleihen. „Das war eine mutige Frau“, stellt sie fest. „Denn damals vor rund 200 Jahren war es für eine Frau sicher kein leichtes Spiel, einfach so vor Gericht eine Aussage zu machen, die fatale Folgen haben konnte. Eine Zivilcourage, die man sich öfter wünscht.“ Im „Zauberer“ darf sie mit der Nord- und der Südhexe die guten Hexen spielen, die Dorothy helfen. Und auch das Porzellanpüppchen und Tante Em sind eher leichte freundliche Rollen. Und neben dem Spiel auf der Bühne hat sie wie im vergangenen Jahr eine weitere Aufgabe: Sie studiert mit den Schauspielerkolleginnen und -kollegen die Tanzszenen ein. Am Rande sei erwähnt, dass ihr kleiner Dackel „Star“ in diesem Jahr als „Toto“ eine Nebenrolle mit Starqualitäten spielen könnte. „Sie hat schon mal in einem Stück mitgespielt, aber wir müssen sehen, ob sie da wirklich mitmachen will“, sagt sie.

„Vor dem zerbrochenen Krug haben wir alle Respekt“, sagt Lesley Higl. Als Grund nennt sie vor allem die Sprache, die jedem und jeder Einzelnen sehr viel Genauigkeit abverlange, damit sie auch vom Publikum verstanden werden kann.

Ihr Freund spielt auch mit

Gemeinsam mit ihr spielt auch ihr Freund Dirk Hermann bei den Festspielen Wangen 2019 mit. „Es ist total schön für uns, dass wir dieses Mal zusammen dabei sein können“, sagt die bayerische Wahlbochumerin. Überhaupt habe es in den vergangenen Monaten relativ viele Zeiten gegeben, in denen sie beide zusammen auf der Bühne standen. „Mr. President first!“ hieß das Stück, mit dem sie im Frühjahr 2019 gemeinsam auf Tournee waren – und das wird auch in ein paar Monaten wieder so sein. Daneben studierte sie auch ein Solostück ein mit dem Titel „Die Frau, die gegen Türen rannte“. Es handelt von einer Frau namens Paula Spencer, die Opfer häuslicher Gewalt wird, sich aber nicht in die Opferrolle begibt.

„Paula ist eine starke Frau, die ihren Mann rauswirft. Das Stück beleuchtet Fragen rund um das Milieu, in dem sich Paula befindet: Wie konnte das passieren? Welche Rolle spielen Erfahrungen aus der Kindheit? Und so weiter“, erzählt Lesley Higl. „Solche Frauen sind sehr wichtig, weil sie für ihr Anliegen aufstehen“, sagt sie. Um glaubhaft spielen zu können, hat sie sich im Frauenhaus in Bochum beraten lassen und dabei entsetzt festgestellt, dass der Bedarf an Plätzen dort bei weitem nicht ausreiche. „Das Thema hat nichts mit mir persönlich zu tun. Aber das Stück hat mich gefunden. Es ist übrigens ein ganz tolles Stück, bei dem auch viel gelacht wird“, sagt sie – trotz der schweren Materie.

Lesley Jennifer Higl bezeichnet sich selber als eine „bayerische Wahlbochumerin“. Aufgewachsen ist sie in München, aber irgendwann hat sie sich in Bochum verliebt. „Ich mag diese Stadt. Die Leute dort sind bodenständig und ehrlich“, sagt sie. Und obwohl die Stadt rund 360 000 Einwohner hat, kenne man sich.

Als Mädchen schon besuchte Lesley Jennifer Higl in München eine Kindermusicalschule, bei der Tanzen und Schauspiel unterrichtet wurden. Zunächst stürzte sie sich auf den Tanz und erklärte ihrer Mutter, was sie dann auch wahrmachen sollte: „Mit 16 Jahren gehe ich nach New York“. An der renommierten „Tanzschule „Alvin Ailey“ wurde sie angenommen und besuchte nebenbei Seminare an der in Theaterkreisen nicht weniger bekannten „Juilliard School“ im Fach Schauspiel. „Ich war der Exot in der Afro-Amerikanischen Tanzschule“, sagt sie heute und lacht. Eine Fußverletzung durchkreuzte ihre Pläne, Tänzerin zu werden.

Sie wandte sich dem Schauspiel zu, und nach ihrer Rückkehr absolvierte sie in München auch die Schauspielschule erfolgreich. Seither gastierte sie an vielen Theatern zwischen Berlin, Bochum und Wien und sammelte bei den Luisenburg-Sommerfestspielen in Wunsiedel Erfahrung mit dem Sommertheater. „Ich habe mir gewünscht, dieses Jahr hier zu spielen, weil ich über Kollegen von den Wangener Festspielen erfahren hatte. Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung“, sagt sie und strahlt.

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