Rhythm-and-Blues-Feeling als Lebenselixier

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Das George Nussbaumer Quartett aus Vorarlberg gastiert mit großartigem Blues-Feeling im Jazz Point im Schwarzen Hasen.
Das George Nussbaumer Quartett aus Vorarlberg gastiert mit großartigem Blues-Feeling im Jazz Point im Schwarzen Hasen. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Der Sänger und Pianist George Nussbaumer hat die schwärzeste Stimme des Alpenlandes. Davon konnten sich einmal mehr seine Fans am Freitagabend im Jazz Point im Schwarzen Hasen überzeugen. Full House gab es für den beliebten Vorarlberger Musiker, der über zwei Stunden mit seinem Quartett die Stimmung auf Hochtouren brachte. Mit sattem Blues und Rock´n´Roll und vielen Geschichten, die er zwischen den Songs erzählte.

George Nussbaumer ist ein Schwergewicht. Als Sänger, Instrumentalist und ganz besonders als Mensch. Ihm wohnt eine Ausstrahlung inne, der man augenblicklich erliegt. „Das ist ein Quartett mit mir, nicht ich und das Quartett“, rückte er gleich zu Beginn des Abends seine Position zurecht. Vorne am Bühnenrand platziert am Piano hatte der seit seiner Kindheit blinde Musiker Gitarrist Walter Schuler und Bassist Markus Kreil an seiner Seite. Hinter ihm verschaffte sich Lucas Bitschnau am Schlagzeug Gehör.

Nussbaumers Metier ist der Blues im Wechsel mit Rock´n´Roll, Gospel und gelegentlich lassen sich auch Anklänge an Folkmelodien wahrnehmen wie in „Valley of the Kings“ des US-Amerikaners Marc Cohn.

Zuvorderst ist es sein gewaltiges Stimmvolumen, das den Rhythmus des schwarzen Soul förmlich in sich aufgesogen hat. In tiefen, raumsprengenden mal röhrenden, mal rauchig-reibeisigen Lagen tönen seine gecoverten und neu arrangierten Songs. Sie versprühen einen Charme, der sofort mitzieht. Darüber hinaus ist Nussbaumer ein brillanter Entertainer.

Er kommentiert seine Songs frei heraus, denn es ist seine dem Publikum zugewandte offene Art, mit der er punktet. Joe Cockers rau und soft tönendes „Jealous Kind“ verwandelt er in einen Blues, der schwarze Sänger an ihrer Eifersucht wie Viecher leiden lasse. Songs wie diese oder solche von Randy Newman würde er heute nicht mehr im Radio hören. „Früher hat´s ja noch Sachen zu entdecken gegeben. Da haben richtige Typen gesessen, die sich mit Musik auskannten. Heute ist alles wurscht.

Um keine noch so schöne Geschichte verlegen

Die Hits, woher die kommen, weiß kein Mensch mehr“, äußerte er sich kritisch. Nur um gleich die nächste Trumpfkarte auszuspielen. Ein Stück aus den 1980er-Jahren – mal schauen, ob ihr drauf kommt. Whitney Houstons Hymne „I wanna dance with somebody“ in einer abgespeckten Version – das ist ein Kontrast, der es in sich hat und nachhallt.

George Nussbaumer ist ein Musiker mit Leib und Seele. Der Blues ist sein Lebenselixier, selbst wenn er sich in höheren Lagen ausprobiert oder sich dazu versteigt, italienisch zu singen. Gitarre und Bass übernehmen in Songs wie „Cast away“ aufgeladene Solopartien, die aber nie als dick aufgetragen daherkommen.

Zusammen mit den Drums erreichen sie elektrisierende Spitzengeschwindigkeiten in Randy Newmans „Baltimore“. Von dessen tiefschwarzem Humor und Kritik am Establishment fühlt sich Nussbaumer angesprochen – auch in „Short people got no reason to live“.

CDs, die er seit den 1990er-Jahren veröffentlicht, habe er am Abend vergessen mitzubringen. Schade, bedauerten einige Besucher. Doch so behält man das „George Nussbaumer Quartett“ zu hundert Prozent live in bester Erinnerung.

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