Professor Grüneberger geht – Klinik sucht Nachfolger

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Prof. Dr. Andreas Grüneberger
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Die Gynäkologie und Geburtshilfe am Wangener Krankenhaus verliert in wenigen Wochen ihr personelles Aushängeschild: „Ich arbeite noch bis Mitte März“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Andreas Grüneberger. Dann geht der gebürtige Rheinländer und überzeugte Wangener in Ruhestand. „Ich bin hier gut zurecht gekommen“, sagt er bereits jetzt rückblickend mit einiger Untertreibung auf seine fast 25-jährige Zeit als Chef der Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus.

Denn in diesen 25 Jahren hat er seinen Bereich nicht nur von einer Beleg- zur Hauptabteilung gewandelt, sondern hat sich einen guten Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus gemacht. Das belegen allein die Geburtenzahlen: Zwischen 600 und 700 Kinder erblicken unter Grünebergers Fittichen jährlich das Licht der Welt. 2011 waren es genau 648, ein Jahr zuvor gar 680. Auch die Statistik bei Harninkontinenz und Brustoperationen untermauert das Ansehen des Chefarztes: Lediglich ein Drittel der Patientinnen kommt aus Wangen, alle anderen sind von weiter her.

Wer dem Facharzt für Frauenheilkunde und Gynäkologen nachfolgt, steht noch nicht fest. Die Oberschwabenklinik (OSK) ist derzeit auf intensiver Nachfolgesuche. „Die Messlatte ist sehr hoch“, sagt Geschäftsführer Dr. Sebastian Wolf. Man suche „nicht irgendjemanden“, sondern einen Mediziner, „der von der Persönlichkeit und Einstellung zu den Jungkollegen passt“. Dazu braucht es einen ausgewiesenen Experten auf den Gebieten Harninkontinenz, gynäkologische Onkologie und der Perinatalmedizin, also der gesundheitlichen Versorgung von Mutter und Kind kurz vor und nach der Geburt.

Darüber hinaus soll die Chemie mit Dr. Martina Gropp-Meier stimmen. Sie ist Chefärztin der Gynäkologie am Elisabethen-Krankenhaus in Ravensburg und weist fast dieselben Fachgebiete auf wie Grüneberger. Zusammen leiten derzeit beide das OSK-Brustzentrum.

Eigentlich könnte Letzterer bereits bequem die Beine hochlegen und im Ruhestand noch öfter den Alpenblick von seiner Wohnung aus genießen, die nur rund 150 Meter vom Wangener Krankenhaus entfernt liegt. Denn Grüneberger ist bereits seit vergangenem November 65 Jahre alt. Die Monate bis Mitte März hat er drangehängt, um die personelle Vakanz nicht allzu lang werden zu lassen. Dass die OSK bis dato noch keinen Nachfolger gefunden haben, hat neben den hohen fachlichen Anforderungen noch einen anderen Grund: Der „Gynäkologenmarkt“ ist laut Winfried Leiprecht, Sprecher des Klinikverbunds, leegefegt.

Im Februar soll aber eine Entscheidung fallen, und der scheidende Chefarzt erhofft sich nicht nur eine gute, sondern auch eine schnelle Nachfolge: „Ich bin froh und sehr erleichtert, wenn ich die Verantwortung abgeben kann.“ Dennoch habe er stets „ausgesprochen gern“ am Wangener Krankenhaus gearbeitet, betont Grüneberger. Was wohl auch am Betriebsklima liegt: „Ich habe es geschafft, einen Rahmen herzustellen, dass sich alle Patienten und Mitarbeiter hier wohlfühlen“, sagt er – diesmal nicht ganz so bescheiden. Um aber nicht ganz so abrupt aus einem so erfüllten Arbeitsleben auszuscheiden, will er noch eine Weile für langjährige lieb gewonnene Patientinnen ambulant tätig bleiben.

Wangener wird der aus Mönchengladbach stammende Mediziner auch im Ruhestand bleiben. An der Region hat er längst seinen Gefallen und Freunde gefunden. Einst in Kempten, später, von 1976 bis 1987 an der Uniklinik Ulm („Weiter wollte ich nicht mehr weg.“) und seither in der Argenstadt. Oder um es wieder mit einer Untreibung Grünebergers zu formulieren: „Ich bin hier ganz gut zurecht gekommen.“

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