Polizistin attackiert und beleidigt

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 Zu einer Bewährungsstrafe wurde eine Frau, die wegen Gewalt gegen Polizisten angeklagt war, vom Amtsgericht Wangen verurteilt.
Zu einer Bewährungsstrafe wurde eine Frau, die wegen Gewalt gegen Polizisten angeklagt war, vom Amtsgericht Wangen verurteilt. (Foto: dpa)
Claudia Bischofberger

Das Amtsgericht Wangen hat eine Frau aus dem Raum Isny zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Körperverletzung und Beamtenbeleidigung verurteilt. Schon lange hätten die Nachbarn ihr das Leben schwer gemacht, erklärte die Angeklagte dem Richter und versuchte zu rechtfertigen, was an jenem Tag geschah.

Sie sei mit ihren beiden minderjährigen Kindern vom Kinderfest heimgekommen. In betrunkenen Zustand trat sie mit den Schuhen gegen die Tür der Nachbarn. Diese verständigten daraufhin die Polizei. Bis die beiden Ordnungshüter eintrafen, sei die Angeklagte wieder in ihrer eigenen Wohnung gewesen und habe sich dort geweigert, die Tür zu öffnen. Unverrichteter Dinge zogen sich die Beamten zurück. Nach einer halben Stunde seien sie erneut von den Nachbarn der Angeklagten gerufen worden, weil sie wieder gegen die Tür getreten habe.

Vor Wut verzerrtes Gesicht

Laut Zeugenaussage des ersten Polizisten sei die Angeklagte mit wutverzerrtem Gesicht herausgekommen, dann sei sie in die Knie gegangen und habe geweint. Der Polizist, der mit einer Kollegin anwesend war, mahnte die Frau, nun Ruhe zu geben und in ihrer Wohnung zu bleiben. In diesem Augenblick sei das Licht im Flur ausgegangen, die Angeklagte ging zum Angriff auf die Polizistin zu. Die Beamtin wurde von der Frau geschlagen und an den Haaren gezogen. Die Ordnungshüter sahen sich gezwungen, Verstärkung zu holen und die Frau nach Polizeirecht mit zur Dienststelle zu nehmen, da sie keine Ruhe gab.

Nach Aussage einer weiteren Polizistin, die mit einer Kollegin zur Verstärkung an dem Mehrfamilienhaus eintraf, sei die sechsjährige Tochter der Angeklagten weinend unten an der Tür gestanden und völlig außer sich gewesen. Während nun eine Polizistin das Kind trösten musste, ging die andere hinauf zu den Kollegen. Die Angeklagte habe sich so stark gegen ihre Mitnahme gewehrt, dass die Beamten sie zu dritt die Treppe hinunter tragen mussten. Noch im Polizeiauto mussten die beiden begleitenden Beamtinnen wüste Schimpftiraden über sich ergehen lassen, beschrieb die Beamtin die Fahrt.

Diese ging zunächst nach Isny zur Wache. Dort wurde vom Bereitschaftsrichter Gewahrsam angeordnet, der eine weitere Fahrt nach Wangen erforderlich machte. Auf dem Weg in die Gewahrsamszelle habe die Angeklagte heftig mit den Beinen geschlagen. Endlich in der Zelle angekommen, wollte die Beamtin der Frau die Handschellen abnehmen und wurde dabei heftig in die Hand gebissen. Trotz Handschuhen habe man die Bisswunden auf der Haut gesehen.

Knapp zwei Promille Alkohol

Der Alkoholtest hat gezeigt, dass die Angeklagte knapp zwei Promille Alkohol an jenem Tag im Blut hatte. „Aber ich trinke so gut wie nie Alkohol“, erklärte sie dem Richter. Dieser meinte jedoch, dass bei diesem Pegel schon einiges Maß an Übung vorauszusetzen sei.

Schon mehrfach sei die Frau wegen Beleidigung und Körperverletzung bei den Mitbewohnern des Hauses angezeigt worden. An einer Grundschule habe sie, laut der Aussage einer anwesenden Polizistin, Hausverbot. „Ja ich weiß, ich bin schlecht, ich bin krank. Aber in diesem Ort wurde ich jahrelang fertig gemacht“, rechtfertigte sich die Frau am Ende der Anhörung.

Der Richter erklärte die Angeklagte, aufgrund der Zeugenaussagen der vier Ordnungshüter, für schuldig. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie deren Beleidigung bis hin zu schwerer Körperverletzung. Dafür bekam sie eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten bei einer Bewährungszeit von drei Jahren. Ein Jahr lang soll ein Bewährungshelfer der Frau unterstellt sein. Von einer Geldstrafe sah der Richter wegen der finanziellen Lage der Frau ab.

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