Parkgebühren in Wangen: Bitte einfach, transparent – und ohne Schülervignette

Schwäbische Zeitung

Wenn die öffentliche Hand in die Tasche der Bürgerinnen und Bürger fasst, erhält sie dafür selten einen Beliebtheitspreis. Die Erhöhung von Steuern, Abgaben und Gebühren sind fast immer unpopulär. Zumal dies den einen trifft, den anderen aber nicht – was das Gefühl der Ungerechtigkeit hervorruft.

Der Teufel steckt im Detail

Einen Griff in die Tasche der Wangenerinnen und Wangener wollten in dieser Woche Verwaltung und Gemeinderat wagen. Es ging um die flächendeckende Einführung von Parkgebühren in weiten Teilen der Kernstadt und damit quasi um Wangens gute Stube herum. Eigentlich war man sich einig, dass dieser Schritt kommen muss. Einzig, es wurde daraus (noch) nichts, weil der Teufel im Detail steckte.

Konzept drohte zerpflückt zu werden

Hier ging es um Lehrer, dort um Schüler, anderswo um den Einzelhandel oder Bahnreisende – oder schlicht gesagt: Diverse Stadtparlamentarier wollten (gefühlte) Ungerechtigkeiten an der einen oder anderen Stelle berücksichtigt oder ausgeglichen sehen. Am Ende drohte das Konzept zerpflückt zu werden, und wohl auch deshalb nahm OB Michael Lang den Beschlussvorschlag zurück, um Forderungen, Anregungen und Fragen für eine der nächsten Sitzungen fundiert aufarbeiten und beantworten lassen zu können.

Möglichst einfach, möglichst transparent

Das ist okay. Allerdings wäre die Verwaltung gut beraten, im Kern an ihren Ideen festzuhalten, denn die sind vergleichsweise einfach, damit transparent und vielleicht gerade deshalb auch für kritische Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar: Es bleibt bei zwei um diverse Parkflächen erweiterte und teurere Parkzonen, es sind nur an wenigen Stellen Sonderregelungen geplant, vor allem aber gibt es ein ebenso großflächig wie großzügig angelegtes Pauschalangebot: die Parkvignette.

Ein traumhaftes Schnäppchen

Denn mit der greift die Stadt wahrlich niemandem allzu tief in die Tasche. 100 Euro für ein ganzes Jahr? Wer als Mieter für seine Garage extra zahlt oder für den Firmenparkplatz blechen muss, wird dieses Angebot beim Blick auf die Abrechnung als traumhaft günstiges Schnäppchen empfinden.

Sicherlich, auch dieses ist natürlich „teurer“ als es gänzlich kostenlose Parkplätze je sein können. Doch deren Zeit ist vorbei. Mit Verlaub: In welcher Stadt der erweiterten Region Wangener Zuschnitts findet man (noch) ein derart großes Angebot an Gratis-Stellflächen? Der Schritt hin zu flächendeckenden Parkgebühren ist also mehr als legitim, umweltpolitisch sowieso sinnvoll und aus finanziellen Gründen dringend geboten.

Bitte keine Schülervignette

Weder sinnvoll noch geboten ist hingegen die „kleine“ Ausgabe der Parkvignette, der 80-Euro-Variante für Schüler. Offensichtlich eine Art „Lieblingskind“ des Rathauschefs, sperren sich die Räte dagegen völlig zu recht. Wie in der Ratssitzung am Montag mehrfach angesprochen, greifen die jungen Leute wohl zumeist auf Fahrzeuge von Mama und Papa zurück. Und auch denen will die Stadt auf Umwegen tatsächlich einen noch billigeren Ableger der kostengünstigen Vignette spendieren? Und wenn Schülerinnen oder Schüler im jugendlichen Alter sich doch schon sein eigenes Heilix Blechle leisten können, dann sind ihnen 100 Euro erst recht zuzumuten. Noch einmal: pro Jahr!

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