Hoteleröffnung, Bahnhofsumbau, Bärenweiler: Sieben Fragen zu den Skrodzki-Projekten

Christian Skrodzki aus Leutkirch ist unter anderem in die jüngste Hotel-Eröffnung in Wangen, den Umbau des dortigen Bahnhofs und des ehemaligen Spitals Bärenweiler bei Kißlegg involviert. (Foto: Treffler/Nill/Heimat Bärenweiler)
Redakteur

Ein neuer Beherbergungsbetrieb samt Gastronomie, und das in einem früheren Altersheim: Mit dieser nicht alltäglichen Kombination soll künftig das Wangener Erba-Areal punkten. Vor wenigen Tagen haben „Reos Hotel“ und das Restaurant „Verde“ eröffnet und sich am Wochenende der Öffentlichkeit präsentiert. Das knapp 90 Jahre alte Gebäude ist eines von mehreren Projekten im Allgäu, bei denen der Leutkircher Investor Christian Skrodzki involviert ist. Andere Skrodzki-Projekte sind etwa der Wangener Bahnhof und das ehemalige Spital Bärenweiler bei Kißlegg. Was tut sich dort in den nächsten Monaten? Ein Überblick.

Wie verlief der Start bei „Reos“ und im „Verde“?

Die denkmalgeschützte, massive Holzeingangstür in Kacheloptik. Die bunten Glasfenster mit historischen Wangener Stadtansichten im früheren Festsaal. Oder die zahlreichen, aufgefrischten Original-Einrichtungsgegenstände. All das fand bei Oberbürgermeister Michael Lang große Anerkennung, und so sagte der Wangener Verwaltungschef bei der offiziellen Eröffnungsfeier:

„Es freut uns, dass so viel vom früheren Altenheim geblieben ist.“

OB Michael Lang über das Hotel

Christian Skrodzki ging sogar noch einen Schritt weiter. „Manuel hat mit diesem Gebäude sein Meisterstück gemacht“, so der Leutkircher, der zusammen mit dem Wangener Alfons Keck und dem Merazhofer Manuel Klaus hinter der Plattform „Häuser mit Geschichte“ steckt.

 Als Geschenk von der Stadt (links OB Michael Lang) gab es für Cosimo Reo (sitzend) und seine Familie eine historische Farbaufna
Als Geschenk von der Stadt (links OB Michael Lang) gab es für Cosimo Reo (sitzend) und seine Familie eine historische Farbaufnahme des Erba-Areals und einen Liegestuhl von der Landesgartenschau GmbH (rechts Katharina Bernt). (Foto: stadt)

Was hat sich am Gebäude verändert, was kommt noch?

Zusammen haben die drei Investoren in den vergangenen zwei Jahren etwa 3,7 Millionen Euro in das langgestreckte Gebäude an der Christian-Fopp-Straße 14 gesteckt. Das 1938 erbaute Haupthaus wird dabei ergänzt von einem einstöckigen, großflächig verglasten Anbau, der als Frühstücksraum und Restaurant dient. Dazu gehören außerdem fünf Gartenlauben sowie Terrasse und Außenanlagen auf der Südseite, die in 2023 fertiggestellt werden. „Eine gute Kombination von Drittes-Reich-Architektur und Moderne“, fasst Skrodzki den Gesamtkomplex zusammen, der insgesamt 31 Zimmer und sieben Ferienwohnungen bietet.

 Das „Reos Hotel“ von der Straßenseite her, links der Restaurant-Anbau, rechts hinten eine der fünf Gartenlauben.
Das „Reos Hotel“ von der Straßenseite her, links der Restaurant-Anbau, rechts hinten eine der fünf Gartenlauben. (Foto: bee)

Wer betreibt das Hotel?

Geführt werden Hotel und Restaurant von der Familie Reo, die mittlerweile 16 gastronomische Betriebe zwischen Allgäu und Ulm leitet. Bei der Eröffnung gaben die Reos einen kurzen Einblick in die jüngere Familienhistorie, als der Vater 1965 als Gastarbeiter nach Deutschland kam und bei seinem ersten Job ein Bett in einem Leutkircher Spinnereigebäude mietete.

 Applaus für das Team der Betreiberfamilie Reo (hinten Mitte) gab es von den Gästen bei der Eröffnung des neuen Hotels in der Er
Applaus für das Team der Betreiberfamilie Reo (hinten Mitte) gab es von den Gästen bei der Eröffnung des neuen Hotels in der Erba. (Foto: bee)

„Heute vermieten wir Betten“, stellte Cosimo Reo fast schon amüsiert fest, erzählte vom ersten Lokal in den Räumlichkeiten einer Isnyer Spinnerei und wies damit auf einen weiteren Bezug zur früheren Erba-Baumwollspinnerei hin. Insofern schloss sich mit dem Geschenk seitens der Stadt auch der Kreis: Denn die älteste farbige Luftaufnahme vom Erba-Areal stammt von 1965 – das Jahr, in dem Vater Reo im Allgäu ankam.

 Das Hotel von der Gartenseite her, mit dem Anbau im Vordergrund und einer Gartenlaube links hinten.
Das Hotel von der Gartenseite her, mit dem Anbau im Vordergrund und einer Gartenlaube links hinten. (Foto: bee)

Warum haben sich die Pläne für den Wangener Bahnhof zerschlagen - eine Parallele zu Bad Waldsee?

Dass dessen Nachkommen nun auch mit Hotel und Restaurant in der Erba einsteigen, war Christian Skrodzki ein besonderen Dank wert. Denn dass es in Zeiten von Corona, Energiesparen und Konsumzurückhaltung keine Selbstverständlichkeit ist, einen Gastro-Betreiber zu finden, weiß der Leutkircher nur zu gut. Beim Wangener Bahnhof beispielsweise, den er zusammen mit Keck derzeit ebenfalls als „Haus mit Geschichte“ komplett saniert, haben sich die Pläne mit einem Bäckerei-Café im Erdgeschoss und einer umgebauten Eingangshalle zerschlagen. Damals war Feneberg überraschend abgesprungen, wie Skrodzki den geladenen Gästen im Hotel-Festsaal berichtete. Vor wenigen Wochen schloss die Kemptener Supermarktkette übrigens auch die zum Unternehmen gehörende Bäckerei-Filiale im Bad Waldseer Bahnhof – aus Personalmangel.

Der Leutkircher Investor Christian Skrodzki. (Foto: Simon Nill)

Was kommt jetzt in den Bahnhof?

Beim Wangener Bahnhofsgebäude hat es mit einem gastronomischen Angebot dann aber doch noch geklappt. Seit Ende September ist im Bereich des früheren Bahnhofkiosks das „Da Mimmo“ (früher in der Braugasse) eingezogen. Betreiberin Nadine Allgeier bietet werktags zwischen 6.30 und 14 Uhr Kaffee, Getränke, Frühstück, Bowls oder Snacks an, zwischen 11 und 13 Uhr gibt es auch die regulären Pizza- und Pasta-Gerichte. Außerdem wird an fünf Abenden die Woche ein Lieferservice angeboten. Schade sei zwar, dass die ursprünglichen Pläne nicht geklappt hätten, so Skrodzki. Unter dem Strich ist er jedoch froh, „dass wir etwas Gastronomisches gefunden haben“.

 Im Bereich des früheren Kiosks (links Seite) ist „Da Mimmos“ ins Wangener Bahnhofsgebäude eingezogen.
Im Bereich des früheren Kiosks (linke Seite) ist „Da Mimmos“ ins Wangener Bahnhofsgebäude eingezogen. (Foto: bee)

Wenn laut Plan im Frühsommer 2023 der sanierte Wangener Bahnhof eingeweiht wird, wird das Gebäude aber noch anderweitig genutzt sein. Neben dem Stellwerk und dem Videoreisezentrum der Bahn zieht auf der Gleisseite bekanntlich das Wangener Puppentheater ein. Und im Bereich des früheren DB-Schalters im Erdgeschoss wird das Landschaftsarchitekturbüro von Martin Kappler seinen neuen Firmensitz gefunden haben. In den beiden oberen Geschossen wird es eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen geben.

Bleibt der Bahnhof öffentlich zugänglich?

Gewöhnen werden müssen sich Bahnreisende in Wangen daran, dass das Bahnhofsgebäude nicht mehr wie früher öffentlich betretbar ist, sondern nur noch von künftigen Bewohnern oder von Kunden und Besuchern der Mieter genutzt werden kann. „Mir ist wichtig, dass der Bahnhof wieder belebt und zu einer städtischen Visitenkarte wird“, sagt Christian Skrodzki. „Das haben wir der Stadt versprochen und werden davon nichts schuldig bleiben.“

Was passiert momentan in Bärenweiler bei Kißlegg?

Ein Versprechen ganz anderer, viel größerer Art ist ein drittes Projekt unter dem Motto „Häuser mit Geschichte“, bei dem Skrodzki aber Hauptinitiator ist: die „Neue Heimat Bärenweiler“. 2019 war das Senioren- und Pflegeheim in Bärenweiler vor den Toren Kißleggs geschlossen worden, nun will der Leutkircher als neuer Eigentümer aus dem Gebäudekomplex einen „Ort mit Zukunft“ machen: zum Wohnen, Arbeiten oder für Kultur und Freizeit.

Der erste Konzeptbaustein, selbstbestimmte Senioren-WGs samt integrativem Dorfcafé im Pflegeheimgebäude aus den 70er Jahren, ist bereits im Werden. Die Eröffnung ist kommendes Frühjahr geplant. Der Umbau des früheren Kuhstalls und Heustadels ist als Nächstes vorgesehen und befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren. In dem Gebäude sollen später einmal Büro- und Gewerbeflächen für Start-ups sowie unter dem Dach ein großer Eventstadel für Veranstaltungen entstehen. Geht es nach Christian Skrodzki, ist im Frühjahr 2023 der Baubeginn, parallel dazu soll der geplante Parkplatz erstellt werden.

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