Nach erstem Corona-Fall im Kreis Ravensburg: 28 Menschen sind isoliert

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Das Coronavirus ist in der Stadt Wangen und damit im Landkreis Ravensburg angekommen.
Das Coronavirus ist in der Stadt Wangen und damit im Landkreis Ravensburg angekommen. (Foto: dpa)
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Das Coronavirus ist in der Stadt Wangen und damit im Landkreis Ravensburg angekommen: Das Landratsamt meldete am Donnerstag den ersten Erkrankten. Dabei handelt es sich um einen rund 50-jährigen Mann aus Wangen, der sich derzeit in häuslicher Isolation befindet.

Auch sein Sohn, ein Achtklässler des Rupert-Neß-Gymnasiums (RNG), wurde am Donnerstag entsprechend getestet. Dessen Schulklasse wurde nach Hause geschickt. Am Abend kam dann das beruhigende Laborergebnis: negativ. Das heißt: Am RNG kann am Freitag, wie geplant, Unterricht stattfinden.

Erst bei einer Großveranstaltung in Deutschland

Der Vater war nach Angaben von Landrat Harald Sievers Mitte Februar bei „einer Großveranstaltung außerhalb Baden-Württembergs, aber innerhalb Deutschlands“ mit internationalen Besuchern. Nach seiner Rückkehr verspürte er demnach Krankheitssymptome „unspezifizierter Art“. Also solche, wie sie bei Erkältungen oder grippalen Infekten auftreten können – aber auch im Zuge des Coronavirus. In einer Wangener Arztpraxis ließ sich der Mann daraufhin „symptomatisch behandeln“.

Anschließend im Urlaub in Südtirol

„Dann hat er sich so gefühlt, dass er in den Urlaub gefahren ist“, so Sievers. Dies war Ende Februar eine Woche lang in Südtirol der Fall. Anschließend ging der Mann erneut zu der Arztpraxis, die am Dienstag einen Corona-Test veranlasste. Das Labor-Ergebnis lag in der Nacht zu Donnerstag vor – mit positivem Ergebnis. Morgens erreichte es dann den Betroffenen, so der Landrat bei einer Pressekonferenz.

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Kreisgesundheitsamtsleiter Michael Föll ordnete nach telefonischem Kontakt mit dem Mann dessen häusliche Isolation an und ergänzte zu dessen Gesundheitszustand: „Die Gesamtsituation ist so, dass eine Krankenhaus-Behandlung nicht nötig ist.“

Am Donnerstag ermittelten die Behörden überdies Kontaktpersonen des Mannes aus jüngster Zeit. (Vorläufiges) Ergebnis: 28 Menschen waren mit dem Betroffenen so in Kontakt, dass auch für sie in den kommenden zwei Wochen häusliche Isolation angeordnet wurde. Laut Michael Föll also Menschen, die dem jetzt Erkrankten in der jüngsten Vergangenheit zum Beispiel mindestens 15 Minuten von Angesicht zu Angesicht begegnet waren.

Auch Arztpraxis in Wangen betroffen

Dazu gehören neben Familienmitgliedern auch Mitarbeiter und Patienten der von dem Mann konsultierten Arztpraxis. Die blieb, wie Föll andeutete, am Donnerstag geschlossen. Zudem war auch das private und das berufliche Umfeld des Mannes entsprechend abgeklopft worden.

Besonderes Augenmerk galt im Laufe des Tages dem Sohn, der eine achte Klasse des Rupert-Neß-Gymnasiums besucht und ebenfalls noch nicht näher einzuschätzende Krankheitssymptome aufweist.

Nach einer Besprechung am Donnerstagmorgen im Wangener Rathaus von Vertretern der Stadt Wangen, des Landratsamts und der Schule wurden deren Schüler vorsichtshalber nach Hause geschickt – und zwar so lange, bis das Testergebnis des Jungen vorlag. Das kam am Abend und beinhaltete eine Entwarnung: Der Junge ist nicht infiziert. Der Unterricht am RNG kann somit am Freitag wie vorgesehen über die Bühne gehen. Der Untersuchte muss allerdings dennoch zunächst daheim bleiben.

 Informierten am Donnerstag über die Lage zum Corona-Virus nach dem ersten in Wangen aufgetretenen Fall (von links): Landrat Har
Informierten am Donnerstag über die Lage zum Corona-Virus nach dem ersten in Wangen aufgetretenen Fall (von links): Landrat Harald Sievers, Wangens OB Michael Lang und Kreisgesundheitsamtsleiter Michael Föll. (Foto: Konzett)

Wo sich der erkrankte Mann mit dem Virus infiziert hat, war am Donnerstag ebenfalls noch nicht gänzlich geklärt. Landrat Harald Sievers vermutet aber, dass dies eher bei der „Großveranstaltung“ in Deutschland denn beim Urlaub in Südtirol geschehen sein könnte.

Für Wangens OB ist nicht überraschend

Wangens OB Michael Lang erklärte, für ihn komme die erste Corona-Infektion im Landkreis und in Wangen nicht überraschend – spätestens seit am Mittwoch mit Lindau erste Fälle in fast direkter Nachbarschaft zur Stadt bekannt geworden waren. Bereits vor rund einer Woche habe die Stadt eine Koordinationsgruppe eingerichtet, um auf das Auftreten der Krankheit vorbereitet zu sein – bestehend aus ihm als Rathauschef, den Dezernenten, dem Leiter des Ordnungsamts sowie dem geschäftsführenden Leiter der Wangener Schulen. Bei Bedarf könnten auch weitere Personen hinzugezogen werden.

Dort seien „Szenarien und Probleme durchgespielt worden, wenn es viele betrifft“, so Lang und vergleicht diese Krisenprävention mit in Wangen bekannten Hochwasserlagen. Konkreter wurde er nicht, verwies auf die sich täglich ändernde Lage und erhoffte sich, ein trotz des Virus möglichst unbeeinträchtigtes öffentliches Leben in der Stadt. Was die Versorgung von unter häuslicher Isolation stehender Menschen angeht, gab er sich zuversichtlich: „Wir haben in Wangen alle Netzwerke, die man dafür braucht.“

Kreis geht von weiteren Fällen aus

Die Kreisverwaltung rechnet damit, dass der um die 50 Jahre alte Wangener längst nicht der einzige Erkrankte im Landkreis bleiben wird. „Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass es es schon Infizierte gibt“, erklärte Harald Sievers mit Hinweis auf die vergleichsweise lange Ansteckungszeit von rund sieben Tagen und teils milder und damit nicht bemerkter Krankheitsverläufe.

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Ziel des Landratsamts ist es deshalb in nächster Zeit, die Zahl von Infizierten und Erkrankten so gering wie möglich zu halten. Deshalb begrüßt der Landrat auch Gedankenspiele des Sozialministeriums, regionale oder lokale Kontaktzentren für Tests zu bilden, zum Beispiel in extra eingerichteten Containern: „Da wären wir sofort dabei“, so Sievers, verwies aber auf die vorher nötige Absprache mit der Kreisärzteschaft.

Rat: Weiterhin zum Arzt gehen

Er und Michael Lang versuchten angesichts der am Donnerstag geschlossenen Arztpraxis eine möglicherweise aufkommende Furcht vor Besuchen bei Medizinern zu nehmen. Ganz gleich bei welchen Krankheitsfällen: „Der Rat kann nicht sein: Gehen Sie nicht mehr zum Arzt oder ins Krankenhaus“, so der Landrat.

Und der OB ergänzte: „Wenn man mit einer Praxis telefonisch Kontakt aufnimmt, bekommt man den richtigen Rat.“ Gleichwohl beinhalteten Arzt- oder Spitalbesuche seit jeher Risiken, anderweitig zu erkranken.

Informationen können Ratsuchende auch über telefonische Hotlines einholen (siehe unten). Zur Frequenz der vom Landratsamt neu eingerichteten, sagte Harald Sievers: Am Mittwoch habe es 119 Anrufe gegeben bei sieben Sekunden Wartezeit, am Donnerstag – als bereits mittags der Wangener Coronafall bekannt geworden war – hätten sich 105 Menschen gemeldet und zehn Sekunden warten müssen, ehe sie einen Ansprechpartner hatten. „Das ist eine überschaubare Nachfrage“, konstatierte der Landrat.

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