Nach drei Jahren Großbaustelle: Ein Einblick in das sanierte RNG in Wangen

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Paul Martin

Viel weiß, viel Licht, viel Platz: Die seit drei Jahren andauernde Sanierung des RNG-Altbaus ist beinahe abgeschlossen. Am Mittwoch werden die Schüler das Stammhaus des Wangener Gymnasiums wieder in Betrieb nehmen. Die vier neuen fünften sowie die vier sechsten Klassen werden zusammen mit einem Teil der siebten Klassen in den Altbau einziehen. Die „Schwäbische Zeitung“ hat sich bei einem Rundgang mit Rektor Michael Roth und Elmar Gomm vom städtischen Bauamt einen ersten Einblick verschafft.

Betritt man den massiven Altbau des RNG über den Haupteingang an der Jahnstraße, so verschwindet man nicht in einem dunklen Loch mit Schulhausmief. Weite Sicht, viele Glastüren und große Fenster prägen das neue Foyer. Oder wie es Elmar Gomm nennt: „Von vorneherein eine transparente Geschichte.“ Das historische Treppenhaus und die Rundbögen sind geblieben.

Historische Elemente sind erhalten

Denn: „Wenn jemand an das Wangener Gymnasium denkt, dann denkt er an dieses Gebäude“, so Michael Roth. Das mächtige, historische Element des RNG-Gebäudekomplex stammt aus dem Jahr 1927. Hausmeisterbüro, die Schließfächer und das Schülercafé sind – wie schon zuvor – im Erdgeschoss untergebracht. Neu ist ein Innenhof zwischen Schülercafé und Fischerbau. „Der soll in erster Linie mehr Licht hier reinbringen“, erklärt Gomm. Auch der Zugang zum Pausenhof Richtung Stadthalle ist eine Lichtquelle. Über diesen Eingang wird der Schulbetrieb zunächst auch starten, da in der Jahnstraße noch Arbeiten am Gehweg ausstehen.

Schulgebäude
Die Sanierung am Rupert-Neß-Gymnasium Wangen ist fast geschafft. (Foto: Paul Martin)

In das erste Obergeschoss mit Klassenräumen, Sekretariat und Rektorat gelangt man, wie in alle drei Stockwerke, entweder über das historische Treppenhaus oder – bei Bedarf – über den neuinstallierten Aufzug. Im zweiten Obergeschoss sind, wie einst bereits, zwei Erdkunderäume, die Mathesammlung und Klassenzimmer untergebracht. Letztere sind nicht immer gleich groß, wie Michael Roth zugibt: „Gleichgroße Räume wären eine der Möglichkeiten bei einem Neubau gewesen, aber darauf konnten wir – dem Altbau zuliebe – verzichten.“ Die Raumbelegung der Klassengröße anzupassen, so viel Planungskompetenz traut sich das Schulleitungsteam des RNG schließlich zu.

Zwei Männer schauen in die Kamera
Rektor Michael Roth und Elmar Gomm vom städtischen Bauamt freuen sich über die fast fertige Sanierung. (Foto: Paul Martin)

Auch in den einzelnen Zimmern setzt man am RNG auf Altbewährtes. Dokumentenkameras gibt es seit Jahren in jedem Klassenraum, ebenso WLAN – nur für Lehrer und Schul-PCs. Vorne in jedem Raum hängt eine klassische Tafel, kein Whiteboard. „Es gibt ja Schulen, die haben das Ende der Kreidezeit ausgerufen. Das sehen wir hier anders. Wir sind technisch gut ausgetattet und finden trotzdem, dass es in einem Schulhaus noch nach Kreide riechen darf.“

Stichwort Riechen: Bei den Belüftungsanlagen hat man tatsächlich auf Hightech gesetzt. Jeder Raum verfügt über einen Sauerstoffmesser. Elmar Gomm demonstriert das System: Er haucht gegen ein kleines weißes Kästchen an der Wand. Die Blinklichter an dem Kästchen springen nach und nach von grün, auf orange, auf rot, dann beginnt das Surren und die Lüftung setzt ein. Es herrscht also keine Erstickungsgefahr, wenn ab Mittwoch im RNG wieder die Köpfe rauchen.

Kunst ersetzt Musik im Dachgeschoss

Die Lieblingsräume von Rektor Roth sind im Dachgeschoss entstanden. Hier, wo einst der große Musiksaal war, gab es auch die größten räumlichen Veränderungen. „Wir wollten den Musiksaal eigentlich erhalten“, berichtet Elmar Gomm aus der Bau- und Planungsphase. Zunächst machte allerdings der Brandschutz Probleme. Als man diese im Griff hatte, stellte sich heraus, dass die Statik einen so großen Saal ganz oben im Gebäude eigentlich nicht hergibt. Musikunterricht findet also weiterhin im Anbau Richtung Berufliches Schulzentrum statt. Im Altbau-Gebälk hat man dafür drei neue Kunsträume und Platz für die Kunstsammlung geschaffen. Die Höhe der Räume, dazu größere Dachgauben, sollen hier künftig die Kreativität sprudeln lassen.

Ganz abgeschlossen sind die Bauarbeiten am RNG mit der Altbausanierung allerdings noch nicht. Im Erd- und Untergeschoss des Fischerbaus (Baujahr 1958) werden dort, wo übergangsweise Rektorat und Sekretariat untergebracht waren, wieder drei Klassenräume eingerichtet. Dass diese noch nicht fertig sind, ist der Grund dafür, dass es auch künftig nach Einschätzung von Michael Roth ein bis zwei Wanderklassen geben wird. Dennoch ist er erleichtert, zum Schulbeginn alle Klassen „heimholen“ zu können, wie er sagt. RNG-Exklaven, beispielsweise in der Jugendmusikschule, wird es nicht mehr geben.

 So sieht ein fertig eingerichtetes Klassenzimmer aus.
So sieht ein fertig eingerichtetes Klassenzimmer aus. (Foto: Gempp)

Ist der Fischerbau auf Vordermann gebracht, so endet am RNG eine lange Zeit der Baustellen: „2006 haben wir das Lehrerzimmer renoviert“, erinnert sich der Schulleiter. Mit dem Neubau des naturwissenschaftlichen Trakts, des Holzneubaus und des Verbindungstrakts seien von da an praktisch immer Bauarbeiten am RNG gelaufen. Im Sommer 2016 startete dann die Altbausanierung, sie hätte vor einem Jahr abgeschlossen sein sollen. „Ich dachte damals, zwei Jahre, das muss ja locker funktioniere", so Elmar Gomm.

Die Verzögerungen begannen, als auffiel, dass die Fensterrahmen undicht und schlecht verarbeitet sind. Im Rückblick stellt Elmar Gomm fest: „Über die Diskussion, ob man da was retten kann, haben wir viel Zeit verloren.“ Schließlich mussten alle rund 100 Fenster raus. Die Firma die sie eingebaut hatte, ist inzwischen Konkurs gegangen, weiß Gomm.

Ob die Stadt das Geld zurückbekommt, ist offen. Dennoch: Der Kostenrahmen von den beim Baubeschluss veranschlagten 12,7 Millionen werde wohl eingehalten. „Da bin ich mir ziemlich sicher“, so Gomms Ausblick.

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