Moderne Technik soll Licht ins Dunkel der Fledermäuse bringen

Lesedauer: 5 Min
Fledermaus im Flug
Die Jäger der Nacht sollen nun mithilfe moderner Technik besser erfasst werden können. (Foto: AGF-BW/BatMedia)
Claudia Bischofberger

Der Arbeitskreis Fledermäuse des Nabu Wangen freut sich über die Mithilfe von Personen, die sich ehrenamtlich für Fledermäuse engagieren möchten. Interessierte können sich bei Ingo Maier, Telefon: 07520/953660, melden. Es wird auch darum gebeten, Fledermausvorkommen und Fundtiere (auch Totfunde) zu melden.

Der Arbeitskreis Fledermäuse des Nabu Wangen erhält Fördergelder von der Heinz-Sielmann-Stiftung und ist damit in der Lage, modernes Gerät zu erwerben, um das Vorkommen und den Lebensraum der kleinen Säugetiere besser zu beobachten.

Fledermäuse sind die Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt.

Ingo Maier

Wenn die Nacht anbricht, beginnt die Stunde der Fledermäuse. Dann machen sich die kleinen Säugetiere auf aus ihren Quartieren, um Insekten zu jagen. Kaum ein Mensch bekommt sie je zu Gesicht und dennoch erzählen sie eine Geschichte. Denn „Fledermäuse sind die Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt“, sagt Ingo Maier vom Arbeitskreis Fledermäuse des Nabu Wangen.

Zwar stehen die Tiere unter strengem Schutz, werden aber zunehmend in ihrem Lebensraum beeinträchtigt, nicht selten durch menschengemachte Veränderungen. Dazu gehören die Intensivierung der Landwirtschaft, die Zerstörung ihrer Quartiere im Zuge von Renovierungsarbeiten, sowie der Rückgang ihrer Nahrungsquelle, den Insekten. Und schließlich der Klimawandel. Noch sei nicht abzusehen, wie verschiedene Arten dadurch beeinflusst werden, sagt Maier.

Automatische Rekorder

Durch die Förderung der privaten Heinz-Sielmann-Stiftung, die eine Summe von 12 000 Euro beträgt, sollen nun professionelle Aufnahmegeräte angeschafft werden. Denn die Rufe der Fledermäuse liegen im Ultraschallbereich und sind für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.

Diese Rufe setzen die Tiere aus, zum einen, um sich zu orientieren, und zum anderen spüren sie durch das entstehende Echo ihre Beute auf. Durch die automatischen Rekorder werden ihre Rufe digital hörbar gemacht und aufgezeichnet, im Computer die Ergebnisse ausgewertet. Das Gerät identifiziere sogar die Art der Fledermaus. Sämtliche Daten werden gespeichert und verwaltet.

Man kann nur handeln, wenn man weiß, wie es um die Tiere bestellt ist.

Ingo Maier

Durch die finanzielle Zuwendung der Stiftung sei es möglich, mehrere Geräte zu erwerben, sagt Ingo Maier. An festgelegten Positionen soll nächteweise die Aktivität der Fledermäuse gemessen werden. So könne man in den kommenden Jahren mögliche Veränderungen bei bisher kaum bekannten Populationen verfolgen und Möglichkeiten zu deren Schutz schaffen. „Denn man kann nur handeln, wenn man weiß, wie es um die Tiere bestellt ist“, sagt Maier.

Vergleiche mit Singvögeln

Mit den Befunden könne man auch Vergleiche ziehen zur vorhandenen und sehr umfangreichen Datenerfassung der insektenfressenden Singvögel.

Deren gravierender Rückgang könnte sich auch bei den Fledermäusen wiederfinden. „Strenger gesetzlicher Artenschutz allein bietet keine Gewähr für ein langfristiges Überleben der Fledermaus“, erklärt der Fledermausexperte. Die Ergebnisse des Monitoring könne man als Grundlage für gezielte Natur- beziehungsweise Artenschutzmaßnahmen sehen.

Beginnen soll die Aktion nach dem Winterschlaf der Tiere im nächsten Frühjahr. Das Projektgebiet umfasse die Städte Wangen, Leutkirch und die Gemeinde Schlier. Diese seien auch von einem anderen Modellprojekt, dem Biotopverbund Ravensburg, ausgewählt worden.

Weiterhin sollen das Europareservat Wurzacher Ried, das wiedervernässte Arrisrieder Moos, sowie zahlreiche weiter Schutzgebiet, die eine besondere Bedeutung für Fledermäuse haben, in das Projekt eingeschlossen werden.

Der Arbeitskreis Fledermäuse des Nabu Wangen freut sich über die Mithilfe von Personen, die sich ehrenamtlich für Fledermäuse engagieren möchten. Interessierte können sich bei Ingo Maier, Telefon: 07520/953660, melden. Es wird auch darum gebeten, Fledermausvorkommen und Fundtiere (auch Totfunde) zu melden.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen