Mehr als nur ein Binnenmarkt

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 Gefragt von Albrecht Knoch antworteten Elisabeth Jeggle, Jane Stranz, Oberbürgermeister Michael Lang, Paul Geschwentner, Pia Wi
Gefragt von Albrecht Knoch antworteten Elisabeth Jeggle, Jane Stranz, Oberbürgermeister Michael Lang, Paul Geschwentner, Pia Wiltsche und Lucas Sterz (von links) unter anderem auf die Frage, wer sie als Europa-Politiker am meisten beeindruckt habe. (Foto: Susanne Müller)

Der kulinarische Abend unter dem Titel „Europa bewegt“ im evangelischen Wittwaiszentrum am Freitag ist sehr gut angekommen. Die Mischung aus Vortrag, Statements und Gespräch, dazwischen kleine Häppchen als Vorspeise, Hauptspeise und Dessert, sorgte für Input in Hirn, Herz und Magen.

Nach der Begrüßung durch Pfarrerin Friederike Hönig führte Moderator Albrecht Knoch aus Ulm souverän und humorvoll durch den Abend und forderte gleich zweimal dazu auf, zum Wählen zu gehen am 26. Mai und noch jemanden mitzunehmen. Knoch fragte zum Einstieg, wo denn Europa lebendig werde und richtete die Frage an Elisabeth Jeggle, die viele Jahre als Abgeordnete im Europaparlament saß, an Oberbürgermeister Michael Lang, an Jane Stranz, die als Pfarrerin in der französischen Partnerstadt La Garenne-Colombes arbeitet sowie an die drei Vertreter des Jugendgemeinderats Pia Wiltsche, Paul Geschwentner und Lucas Sterz. Sie alle hatten verschiedene Geschichten zu erzählen und doch standen bei allen die Menschen im Mittelpunkt. Jeggle wünschte sich, dass ihre Enkel diesen „Raum der Freiheit und des Friedens haben werden“. OB Lang berichtete von einer Fahrt mit französischen Veteranen in die Normandie, an der er teilnehmen durfte. Jane Stranz beispielsweise warf ein Schlaglicht auf ihre Gemeinde, zu der 7000 Menschen gehören, die aus 93 Nationen kommen. Und die Jugendlichen nannten unter anderem Reisefreiheit, den Schüleraustausch, die Kultur, aber auch die Bildungsförderung, die den Austausch für Schüler, Auszubildende und Studierende innerhalb Europas ermöglicht.

Bei der zweiten Runde ging es um Europäer, die großen Eindruck auf die Befragten hinterlassen hatten. Genannt wurden Greta Thunberg, jene Vielen, die direkt noch in der Nacht des Brandes von Notre Dame für den Wiederaufbau spendeten, aber auch Dietrich Genscher, Konrad Adenauer, Charles de Gaulles oder Helmut Kohl.

Nach dieser Vorspeise für den Kopf ging es zum ersten Mal ans Büffet zu mediterranem und deutschem Finderfood. Den intellektuellen Hauptgang bestritt zunächst Helen Spangler von Pulse of Europe und den jungen europäischen Föderalisten. In ihrem begeisternden Plädoyer für Europa forderte sie auch, der Jugend mehr zuzuhören und sie ernst zu nehmen. „Die Kritik von jungen Menschen nicht ernst zu nehmen ist der erste Schritt, Wähler zu vergraulen“, sagte sie. Sie stellte drei Thesen von Kanzlerin Merkel zu Europa in den Fokus, bemängelte dabei, dass in den Schulen viel zu wenig Zeit für Politikthemen sei - und das bei der Komplexität der Zusammenhänge. „So wie die EU unsere Zukunft ist, so sind wir die Zukunft der Europäischen Union“, sagte die 22-Jährige und forderte das EU-Parlament, in dem Abgeordnete zwischen 30 und 89 Jahren sitzen, zu verjüngen. Florian Setzen, Direktor des Europa-Zentrums in Stuttgart, war kurzfristig für eine verhinderte zweite Referentin eigesprungen. Er blickte auf die Konstruktion der EU und stellte unter anderem die Vorschläge des bisherigen Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, zur Veränderung der EU vor. Schließlich präsentierte er das Europa-Leitbild Baden-Württemberg, in dem die Landesregierung die EU nicht nur als Binnenmarkt, sondern auch als Wertegemeinschaft definiert. Mit Blick auf die Zukunft müsse sie von unten aufgebaut und handlungsfähig, rechtsstaatlich und demokratisch sein. Auch Setzen plädierte verstärkte Bildungsbemühungen in Sachen Europa.

Ein Hauptgang in Häppchen verschaffte Zeit, das Gehörte zu diskutieren. Den Abschluss bildete wieder eine Gesprächsrunde zu fünf Themen, in der sich nun das Publikum um die Europaexperten scharte und an jeweils fünf Tischen diskutierte. Einen besonderen Akzent gab Jane Stranz dem Abend. Sie sang mit den Anwesenden ein afrikanisches Lied und schloss den Abend mit einem irischen Reisesegen auf Englisch.

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