Marco Fritz auf Achse: Zwischen Bremen und Amsterdam nach Deuchelried

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 Schiedsrichterobmann Josef Ringer (links) mit Fifa-Schiedsrichter Marco Fritz.
Schiedsrichterobmann Josef Ringer (links) mit Fifa-Schiedsrichter Marco Fritz. (Foto: Markus Prinz)
Markus Prinz

Hoher Besuch bei der Schiedsrichtergruppe Wangen: Bundesligareferee Marco Fritz stellte sich am Montagabend den Fragen von rund 150 Schiedsrichtern aus dem Bodenseebezirk. Den Termin absolvierte er zwischen zwei großen Spielen.

Noch am Samstag war Marco Fritz beim Bundesligatopspiel Werder Bremen und Borussia Dortmund auf dem Spielfeld aktiv, einen Tag nach seinem Abstecher nach Deuchelried war er schon wieder Richtung Amsterdam zum Champions League Halbfinale Ajax gegen Tottenham Hotspur unterwegs, wo er als Videoschiedsrichter eingeteilt war. Umso mehr freute sich Schiedsrichterobmann Josef Ringer, dass Fritz sich die Zeit nahm, um die Schiedsrichterschulung mit den Erfahrungen eines FIFA-Referees zu unterstützen. 200 Kilometer Anfahrt waren es für den Bankkaufmann aus Breuningsweiler – bei seinem Heimatverein ist Fritz seit mehr als 20 Jahren tätig. Seit zehn Jahren pfeift er in der Bundesliga. Beim SV Breuningsweiler, der aktuell wie der FC Wangen um den Klassenverbleib in der Verbandsliga kämpft, übt er zugleich noch das Amt des Sportvorstandes aus. Seine Schiedsrichterkarriere war im Alter von 20 Jahren gar nicht so geplant, damals war er noch aktiver Spieler in der Kreisliga-A-Reservemannschaft, aber mit „mäßigem Erfolg“, wie Fritz verriet. „Unser Vorstand ist irgendwann auf mich zugekommen, ob ich nicht Lust hätte für uns zu pfeifen, damit wir keine Vereinsstrafe wegen einer mangelnden Anzahl von Schiedsrichtern bezahlen müssen“, erklärte Fritz seine Anfänge an der Pfeife. Auf Schiedsrichterschulungen traf er später auch seinen Kollegen Josef Ringer, durch diese Bekanntschaft kam nun auch der Besuch in Deuchelried zustande.

„Vermutlich wird der Videobeweis nicht mehr abgeschafft“

Mit Videoausschnitten von der WM 2018 in Russland, wo der Videoschiedsrichter zum ersten Mal in einem großen Turnier eingesetzt wurde, ging Fritz viele Spielsituationen mit den Schiedsrichtern durch und fragte nach deren Einschätzung. Deutlich wurde, wie schwer dieses Regelwerk umzusetzen ist. Nach vielfachen Wiederholungen, Zeitlupen und mehreren Perspektiven auf der großen Leinwand, fand sich auch in den meisten Fällen im Raum keine Einigung. Vielen stellte sich die Frage: Wie soll da ein Unparteiischer am Sonntag in den unteren Spielklassen alleine entscheiden, ob sich der Stürmer um wenige Zentimeter im Abseits befand, ein Foul im Strafraum oder außerhalb war, der Verteidiger letzter Mann war und somit eine Notbremse beging oder der Ball mit ganzem Umfang hinter der Linie im Tor war?

„Man muss sich nicht dafür begeistern, aber vermutlich wird er nicht mehr abgeschafft und wir müssen damit umgehen“, sagt Fritz zum umstrittenen Videoschiedsrichter. Erst am Samstag beim Spiel in Bremen musste er wieder davon Gebrauch machen. Beim Stand von 2:2 sprang Dortmunds Mario Götze nach einem Eckball der Ball an die Hand. Fritz bekam den Hinweis aus dem Kölner Keller aufs Ohr, sich die Situation genauer anzuschauen. Er sah aber kein zu ahndendes Handspiel und gab keinen Strafstoß, was nach dem Spiel noch für Gesprächsstoff sorgte. Fritz’ Begründung: „Es war kein absichtliches Handspiel und keine unnatürliche Handbewegung, daher für mich kein Elfmeter.“

Am gleichen Spieltag gab es weitere Streitfälle, etwa beim Gastspiel des VfB Stuttgart bei Hertha BSC Berlin wurde ein klares Handspiel der Berliner nicht geahndet. „Die Situation wurde nicht überprüft, da sie unverdächtig war. Das Handspiel wurde einfach übersehen“, sagt Fritz dazu. In München gab es heftige Proteste bei einem angeblichen Handspiel von Jérôme Boateng, diese Entscheidung empfand Fritz schlichtweg als „falsch“. Trotzdem hält er den Videobeweis für sinnvoll: „Es gibt für einen Schiedsrichter nach einer spielentscheidenden Entscheidung nichts Besseres, als die Bestätigung aus Köln zu bekommen, alles richtig gemacht zu haben.“

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