Mann wird zu weiteren fünf Monaten Haft verurteilt

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Der Mann hatte sich wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu verantworten.
Der Mann hatte sich wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu verantworten. (Foto: Symbol Volker Hartmann/dpa)
Claudia Bischofberger

In einem Bordell im Raum Ravensburg spielten sich Anfang Dezember letzten Jahres dramatische Szenen ab, wegen denen ein Mann nun unter anderem vor dem Richter in Wangen stand.

In der Anklage hieß es zunächst, dass der 38-jährige Mann aus Gambia einen Menschen schwer misshandelt und gegen seinen Willen festgehalten haben soll. Dies soll er der Frau angetan haben, für deren Dienste er an jenem Abend 120 Euro gezahlt hatte. Der Angeklagte erklärte jedoch, dass die Frau bereits nach fünf Minuten versucht habe, ihn los zu werden. Auch weil ihr Freier unter starkem Alkoholeinfluss stand, habe sie laut dem Angeklagten versucht sich herauszureden.

Das ließ er sich aber nicht gefallen und hinderte die Frau am Verlassen des Zimmers. Zwar habe sie behauptet, dass sie von ihrem Kunden eingesperrt und mit einem Kugelschreiber am Arm verletzt wurde, jedoch konnte dies nicht eindeutig nachgewiesen werden. Jedenfalls erklärte der Mann, dass sie in den Flur hinaus rannte und den Vermieter des Bordells zu Hilfe rief. Dieser kam sofort und habe mit einer Gaspistole auf den Angeklagten geschossen. Völlig benommen und nach eigener Aussage in Todesangst, habe er sich unter das Bett geflüchtet. Der Vermieter habe dann die Polizei gerufen.

Nach 15 Minuten trafen drei Beamte ein. Ein vor Gericht anwesender Polizist im Zeugenstand erzählte, dass schon im Treppengang ein starker Reizgeruch zu bemerken war. Tatsächlich fanden sie den 38-Jährigen unter dem Bett. Als sie ihn aufforderten heraus zu kommen, sei er sehr aggressiv gegen die Beamten vorgegangen und habe starken Widerstand geleistet.

In einem anderen Anklagepunkt soll der Mann einen Mitbewohner in einer Flüchtlingsunterkunft im Raum Wangen geschlagen und mit einer abgebrochenen Flasche am Arm verletzt haben. Zunächst erklärte der Angeklagte, dass er mit dem angeblich Geschädigten das Zimmer teilte und dieser ihm Geld aus dem Portemonnaie gestohlen habe. Als er ihn am nächsten Tag zur Rede gestellt hat, sei der Zimmerkollege aus dem Fenster im ersten Stock gesprungen. Dabei habe er sich die Verletzungen zugezogen, die er der Polizei zeigte, als er den Angeklagten wegen Körperverletzung anzeigte.

Noch ein zweites Mal habe eine ähnliche Situation zu einem weiteren Streit geführt. Der Geschädigte, der aus Eritrea stammt, war auch im Zeugenstand. Mit Hilfe eines Übersetzers stellte er seine Sicht der Dinge klar. Er sei vom Angeklagten geschlagen und verletzt worden und dann schließlich aus Todesangst jedes Mal aus dem Fenster gesprungen.

Aussage gegen Aussage

In diesem Fall kam der Richter zu dem Schluss, dass es sich hier um Aussage gegen Aussage handle. Da der Mann aus Eritrea auch kein unbeschriebenes Blatt vor dem Gesetz sei, könne man auch dessen Bericht schlecht auf den Wahrheitsgehalt prüfen. „Wir wissen nicht, wer hier Täter und Opfer war“, erklärte der Richter. Auch die Vorgänge im Bordell seien schlecht nachvollziehbar, denn die Prostituierte habe nie eine Aussage gemacht. Allein der Widerstand gegen die Staatsgewalt sei durch die Zeugenaussage des Polizisten zu ahnden.

Der Angeklagte kam bereits aus der JVA Ravensburg. Über Jahre hinweg konsumierte er schon Drogen und hatte diese auch zur Gewinnerzielung verkauft. Dies ist auch der Grund seiner Inhaftierung. Bereits im Jahr 2015 kam der Mann aus seiner Heimat Gambia nach Deutschland. Über seinen Antrag auf Asyl sein noch nicht entschieden. Und so kam der Richter gemeinsam mit den beiden Schöffen zum Schluss, dass eine weitere Inhaftierung von fünf Monaten wegen Widerstand und Körperverletzung gegen die Polizei eine angemessene Strafe sei.

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