Malerei in der Bücherei genießen

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 Albert Malnati (im Bild) in seiner Ausstellung mit Porträts von Virginia Woolf (links) und James Joyce (rechts).
Albert Malnati (im Bild) in seiner Ausstellung mit Porträts von Virginia Woolf (links) und James Joyce (rechts). (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Albert Malnati liebt die angelsächsische Literatur eines Samuel Beckett oder einer Virginia Woolf. Und er malt. Das zusammen genommen ergibt die am Dienstagabend in der Stadtbücherei im Kornhaus eröffnete Ausstellung mit Porträts und Landschaften. Der gebürtige Vorarlberger, der heute in Wasserburg am Bodensee lebt, ist ein Vielbelesener – und das in Originalsprache. Manfred Hagel oblag hierzu die Einführung und der Dialog mit dem Künstler.

Die Literatur erlebe er als eine nie versiegende Quelle der Freude, die er in Malerei umsetze, zitierte Büchereileiterin Susanne Singer Malnati zu Beginn der Vernissage. Dieser Satz bringt auf den Punkt, worum es dem aus Dornbirn stammenden Künstler in seiner Malerei geht. Nicht um streng Abbildhaftes, um die so genannte Realität abzubilden. Er orientiere sich im Falle der Porträts durchaus an Fotografien eines James Joyce oder William Faulkner. Schließlich handelt es sich bei allen um bereits verstorbene Ikonen.

Jedes Porträt eine Klasse für sich

Doch ist es stets so, dass er eine eigene persönliche Interpretation oder Sichtweise mit einfließen lässt. Er verändere sie, antwortete er auf Hagels humorvolle Frage, ob es Porträtsitzungen gegeben habe. Zum Beispiel sei der Kopf von James Joyce ziemlich ähnlich geraten. Die Kleidung auch, nur der Hut nicht. Der sei in Wirklichkeit breitkrempiger gewesen. Er mutet einem dann auch irgendwie zu klein oder zu eng an im Verhältnis zu Kopf und Gesicht, aus dem ein verschmitztes und wissendes Augenpaar hinter den Brillengläsern herausschaut.

Allen diesen großen Autoren – Fernando Pessoa, William Golding oder William Butler Yeats – hat Malnati unverwechselbare Charakterzüge gegeben. Körperlos bis auf das Gesicht reduziert blickt einen Beckett deutlich gealtert unvermittelt und gelassen entgegen. Faulkner, dessen Konterfei sich im nächsten Moment im hellen Grau des Hintergrundes zu verlieren scheint. Golding unverhohlen offen, dem er ein kleines Schwein mit literarischem Bezug auf den Klassiker „Herr der Fliegen“ an die Seite gestellt hat. Woolf in jungen Jahren, die ihr einen versonnenen unbeschwerten Ausdruck verleihen. Hingegen Yeats fast vollständig auf die dunkel konturierte Brille reduziert ist, während die fein strukturierten Lineaturen seiner Haare sich im Hintergrund auflösen.

Hell-Dunkel-Kontraste im Fokus

Hagel beschrieb Malnati als einen Künstler, der gleich gut mit Bleistift, Kohle, Feder, Tusche und Pinsel zu Werke geht. Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Reduzierung der Mittel, um Licht und Stimmung herauszuarbeiten. Dabei sei er auch von der japanischen Tuschemalerei und der Gedichtform des Haiku inspiriert. Dieses Wechselspiel aus Hell und Dunkel findet sich insbesondere beim Blick auf die Landschaften. Sie erheben sich in starken Hell-Dunkel-Kontrasten, die eine ebenso karge und kalte wie inspirierende und mystische Atmosphäre erzeugen. Titel wie „Fry Fan“, „Schneefeld“ oder „Blaue Klippen“ stehen dafür. Melancholie wohne ihnen durchaus inne, aber keine depressiven Züge, äußerte sich Malnati. Ihn interessiere das Zusammenspiel aus Hell und Dunkel und das auf die Leinwand zu bringen, sei wie beim Bergsteigen ein Stück Herausforderung.

Viel habe er in der Landschaft fotografiert. Zum Beispiel als er 1973 mit 23 Jahren für sechs Jahre nach Kanada auswanderte und es von dort aus zu Bergtouren nach Südamerika ging. Oder er in seiner Jugendzeit vom Schwarzwald aus eine Reise bis fast ans Nordkap anstrengte. Seine erste Ausstellung hatte er vor 30 Jahren in der Galerie Hedi Probst in Nonnenhorn. Regelmäßig ist er in der Westallgäuer Kunstausstellung in Lindenberg und im Wasserburger Kunstverein vertreten. Und nun in der Stadtbücherei als guten Ort, so Singer, um sich mit Literatur und Malerei auseinanderzusetzen.

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