„Lassen Sie sich Ostern nicht verdrießen“

Christoph Rauch
Christoph Rauch (Foto: Evangelisches Pfarramt)
Schwäbische Zeitung

Ein Großbrand droht auszubrechen, die Feuerwehr rückt aus. Weil der Feuerwehrhauptmann gerade in Urlaub ist, übernimmt sein Stellvertreter das Kommando. Der Brand wird gelöscht noch ehe das Feuer größeren Schaden anrichten kann. Wunderbar! Niemand käme auf die Idee, dieses erfreuliche Ergebnis anzuzweifeln, weil der Stellvertreter und nicht der Hauptmann das Kommando geführt hat. Wie denn auch? Die vom Feuer bedrohten Gebäude sind ja unversehrt.

Was im alltäglichen Leben nicht bezweifelt wird, weil man das Geschehen nachvollziehen und das Ergebnis besichtigen kann, das führt allerdings im religiösen Bereich immer wieder zu Irritationen und Ablehnung. Denn an Karfreitag feiert die Christenheit, dass Jesus Christus für uns, und das meint stellvertretend, als unser Stellvertreter, in den Tod gegangen ist, um so die Sünde der Welt in den Tod zu geben.

Im Unterschied zum nachvollziehbar gelöschten Feuer kann man sich dieses Geschehen aber nur erzählen lassen, und das Ergebnis will geglaubt, es kann nicht besichtigt werden. „Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht“, so heißt es in einem neueren Lied zum Karfreitag. Das ist das von unserem Stellvertreter erwirkte Ergebnis: Wir sind frei und können in dieser Freiheit leben und die Welt gestalten. Was der Prophet Jesaja in einer rätselhaften Predigt von einem nicht näher identifizierbaren Knecht Gottes einmal angekündigt hat, „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“, das hat die christliche Verkündigung von Anfang an auf Jesus bezogen. Er trägt unsere Schuld ans Kreuz. Er stirbt, damit wir Leben in Fülle haben.

Man kann das natürlich als religiöses Geschwurbel abtun. Man kann sich aber auch einfach darüber freuen. Das werde ich in den vor uns liegenden stillen Ostertagen tun. Denn ich vertraue darauf, dass Stellvertretung nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch im geistlichen Bereich eine reale Möglichkeit ist, die Ergebnisse liefert. Also, lassen Sie sich Ostern nicht verdrießen! Auch wenn das Virus uns einschränkt, diese Freiheit kann uns niemand rauben!

Christoph Rauch, Pfarrer in Amtzell und Klinikseelsorger an der Oberschwabenklinik Wangen

Meist gelesen in der Umgebung

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Hier finden Sie freie Impftermine in der Region

Die Zwangspause ist vorbei: Wochenlang hat die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zu Jahresbeginn Menschen bei der Buchung von Impfterminen unterstützt. Der Erfolg war groß. Doch als die Schere zwischen den wenigen Impfstoff-Lieferungen und der starken Nachfrage nach Terminen immer größer wurde, musste der Service für einige Wochen eingestellt werden.

Das ist jetzt vorbei, die Impftermin-Ampel ist wieder da. Sie zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt.

Notbremse

„Bundes-Notbremse“: Was sich an den Corona-Regeln in Baden-Württemberg ändern soll

Der Bundestag soll heute die sogenannte "Bundes-Notbremse" beschließen. Das ist eine Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes und sieht einheitliche Corona-Maßnahmen vor. Die baden-württembergische Landesregierung hatte geplant, mit der seit Montag gültigen Corona-Verordnung des Landes diese Regeln bereits zu übernehmen. Nun haben sich aber noch einige Änderungen ergeben. Wir erklären, was sich ändert, sobald die "Bundes-Notbremse" in ihrer aktuellen Fassung gilt.

Mahnt Länder zur Eile: Jens Spahn (CDU).

Corona-Newsblog: Zwei Drittel aller Ausbrüche finden im privaten Bereich statt

Die wichtigsten Nachrichten und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog mit Fokus auf Deutschland und Schwerpunkt auf den Südwesten.

Aktuelle Zahlen des RKI¹: Aktuell nachgewiesene Infizierte Baden-Württemberg: ca. 37.600 (412.646 Gesamt - ca. 365.900 Genesene - 9.085 Verstorbene) Todesfälle Baden-Württemberg:9.113 Sieben-Tage-Inzidenz Baden-Württemberg: 172,6 Aktuell nachgewiesene Infizierte Deutschland: ca. 283.500 (3.188.

Mehr Themen