Landschaftsgärtner, Arzt oder lieber Polizist?

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 Die Teilnehmer beim Auftaktvortrag zur Rotary-Berufsinformationsbörse in der Stadthalle Wangen.
Die Teilnehmer beim Auftaktvortrag zur Rotary-Berufsinformationsbörse in der Stadthalle Wangen. (Foto: Joachim Dufner)
Schwäbische Zeitung

Etwa 800 Schüler aus verschiedenen Schulen im Umkreis von Wangen, aus Leutkirch, Lindenberg, Isny und Bad Wurzach sind im Rupert-Ness-Gymnasium auf Vertreter von etwa 200 Berufen gestoßen. Dort haben sie sich bei der Informationsbörse über die Viezahl beruflicher Perspektiven schlau gemacht, teilt der Rotary-Club Wangen-Isny-Leutkirch mit.

„Noch Fragen?“ Der pensionierte Herzspezialist Harry Hahmann schaut sich um. Etwa zehn Schüler sitzen im Gymnasium um ihn herum, an Schülertischen auf Augenhöhe. Es herrscht Stille. Fragen hat gerade keiner, niemand traut sich. „Es ist ein Kommunikationsberuf“, versucht der Arzt die jungen Menschen zu motivieren. „Und man muss bereit sein, sich zu engagieren.“ Nebenan am nächsten zusammengeschobenen Schülertisch sitzt ein Zahnmediziner, auch er schart eine Gruppe um sich.

In den anderen Klassenzimmern ein ähnliches Bild. Bei den Pflegeberufen informieren sich gerade drei Mädchen. Dorothee Maurer von der Gesundheits- und Pflegeschule beim Landkreis in Wangen weiß bestens Bescheid über die Tücken der neuen Pflegeausbildung. „Da wird wohl noch nachgeschoben mit Lehrgängen und Weiterbildungen.“ Denn immer, wenn etwas zusammengelegt werde, falle auch etwas durchs Netz. Sie freut sich, dass sich bisher viele Schüler für den Pflegeberuf interessieren. Einen besseren Ansprechpartner für die Pflegeausbildung finden sie derzeit kaum.

Seit vielen Jahren veranstalten die Rotary-Clubs Wangen-Isny-Leutkirch und Isny-Allgäu gemeinsam die Berufsinformationsbörse für Schüler. Bereits um 18 Uhr ist die Stadthalle voller junger Menschen, die Christian Eineder, Gründer des Online-Unternehmens easyFam in Lindenberg, zu Beginn für das Thema Arbeit der Zukunft sensibilisiert. 20 Minuten genügten ihm, um klarzumachen, „dass künstliche Intelligenz viel kann, aber nicht kreativ und kommunikativ sein“. Hier, so der Unternehmer, würden die großen Herausforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt in der Zukunft liegen. Er hebt die Einmaligkeit des dualen Systems hervor und rät zur Ausbildung. „Danach sind alle Wege offen und ihr könnt immer noch studieren.“ Wer gleich studiere, hänge kaum noch eine Ausbildung dran, so der Unternehmer.

Anna und Barbara besuchen die 10. Klasse im Leutkircher Gymnasium. „Wir wollen uns inspirieren lassen“, sagen beide, „und vielleicht eine Idee für ein Praktikum bekommen“. Mehr als 65 Referenten stehen jedes Jahr im Einzelgespräch den Schülern Rede und Antwort zu den unterschiedlichsten Berufsbildern. Darunter sind die Hochschulen der Region, aber auch verschiedene Trägerorganisationen wie die Stiftung Liebenau oder die Oberschwaben-Kliniken.

Auch Schwäbisch Media ist da, sowie Polizei und Bundeswehr. Bei Letzeren herrscht auch dieses Jahr großes Interesse. „Ihr habt hier viele Möglichkeiten“, sagt ein anwesender Bundespolizist, „und wenn ihr sportlich seid, noch mehr.“ Eva aus Achberg will etwas mit Sport machen. Sie bekommt in zwei Jahren Abiturzeugnis. Ob Ausbildung oder Studium, das wisse sie noch nicht. Jetzt schaut sie erstmal in die 20-seitige Broschüre, was es so alles gibt und wolle dann bei den Physiotherapeuten reinschauen. Polizei liege ihr weniger.

Bankberater, Fotograf, Landschaftsgärtner, Anlagenmechaniker und Stukkateur – die Palette der Berufsbilder ist riesig. Auch große Firmen sind da. Center Parcs zum Beispiel oder die Volksbank Allgäu-Oberschwaben. Alle schickten Vertreter, die bereit sind, zwei Stunden Rede und Antwort zu stehen. Wer sich traut, darf auch „dumme“ Fragen stellen oder nach Gehältern fragen. Oder sich schon einen Praktikumsplatz ergattern. Paul steht vor einer Tür. „Personal Trainer? Das klingt doch interessant.“ Sein Freund hält ihn ab. „Und dann sitzt Du da, und weißt nicht, was du fragen sollst.“ Paul ist das egal und geht erstmal hinein.

Auch das Thema Praktikum ist den Organisatoren von Rotary wichtig. Auf Stellwänden im Foyer werden Praktikumsplätze angeboten, beim Finanzamt oder auch beim Zahnarzt. „Einstiegsmöglichkeiten über Praktika“, so die Hauptverantwortliche von Rotary für die Veranstaltung, Brigitte Schuler-Kuon, „sind ein großes Thema bei den Jugendlichen, da wollten wir unbedingt etwas anbieten.

Ohne das große finanzielle und organisatorische Engagement von Rotary und dem Engagement des Rupert-Ness-Gymnasiums wäre diese jährlich stattfindende Veranstaltung, die ein wichtiger Beitrag in der Berufsfindung der Jugendlichen der Region Württembergisches Allgäu sei, gar nicht möglich“, so die Leutkircher Ärztin.

Nach fast drei Stunden ist Schluss. Kathrin aus Wangen und Anne aus Bad Wurzach fühlen sich gut informiert. „Uns raucht ein wenig der Kopf, aber da war eigentlich viel dabei, was wir uns vorstellen können“, sagen beide hinterher. „Irgendetwas mit Medizin, aber vielleicht auch erstmal eine Ausbildung in der Pflege.“

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