Kurz vor Haftantritt nochmal Ärger mit der Polizei

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Claudia Bischofberger

Einem inzwischen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ravensburg einsitzenden Mann ist die zu verbüßende Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verlängert worden. Wegen Widerstands und tätlichen Angriffs auf Ordnungshüter hat das Amtsgericht Wangen seine Strafe um um drei Monate erhöht.

Eigentlich hätte der Mann aus dem Raum Isny wenige Tage vor dem nun verhandelten Vorfall, seine Haft in der JVA Ravensburg antreten müssen. Mit der Entschuldigung, dass er keine Fahrmöglichkeit habe, bat er eigenen Angaben zufolge, telefonisch um Aufschub von zwei Tagen. In diesem Zeitraum ereignete sich die Auseinandersetzung mit der Polizei. Zunächst gab der Richter dem Angeklagten die Gelegenheit, seine Version zu erzählen.

„Ich habe meinen Haustürschlüssel vergessen und musste durch ein Fenster klettern“, begann der Mann seine Ausführungen. Dabei sei er gestürzt und mit dem Fuß auf einer Scherbe gelandet. Nun wollte er mit dem Fahrrad zu einer Bekannten, die ihn ins Krankenhaus bringen sollte. Als er eine Parkanlage passierte, wurde er von der Polizei gestoppt. Der Angeklagte vermutete, dass der Grund darin bestand, weil er im Dunkeln ohne Licht fuhr. „Die Beamten waren extrem aggressiv. Die haben mir im gefesselten Zustand Pfefferspray in die Augen gesprüht“, erzählte er dem Richter.

Ein Polizist, der an dem Geschehen beteiligt war, stellte die Situation etwas anders dar. Am Tatabend habe er mit einem Kollegen dort im Park gerade vier Personen kontrolliert, als der Angeklagte betrunken und mit einer Flasche Wein in der Hand, die noch halb voll war, hinzu kam. In Richtung der anwesenden Personen habe er zu einer Frau gesagt „Du bist die Nächste, die eine aufs Maul kriegt“. Er habe zunächst nicht auf die Polizisten reagiert, und als er sich umdrehte, sei er sofort aggressiv geworden, so der Beamte vor Gericht.

„Wie muss man sich das Gerangel vorstellen?“, wollte der Richter von dem Polizisten wissen. „Er wollte sich der Kontrolle entziehen und hatte um sich getreten. Gegen das Anlegen der Handschellen hat er sich so stark gewehrt, dass wir diese kaum zum Schließen brachten“, antwortete der Polizist. Ein weiterer Polizist, der als Zeuge geladen war, gab an, dass er sich bei der Aktion mit den Handschellen eine Verletzung am Knöchel zugezogen hatte, die ihm mehrere Wochen Schmerzen bereitet habe. Der Einsatz von Pfefferspray sei Notwehr gewesen, da der Mann nur so zur Raison gebracht werden konnte, erklärte der zweite Zeuge.

Die Beamten seien dann mit dem randalierenden Mann zunächst in ein Krankenhaus gefahren, wo der verletzte Fuß behandelt wurde, aber in erster Linie das Tränengas mit mehreren Litern Wasser ausgespült werden musste. Gleich danach ermöglichten ihm die Polizeibeamten die Fahrgelegenheit, die ihm zuvor fehlte, um seinen Haftantritt zu beginnen. Vorgesehen waren zum damaligen Zeitpunkt zwei Jahre und sechs Monate. Richter und Schöffen verlängerten die Freiheitsstrafe um drei Monate.

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