Krimi-Autorin Christine Lehmann spricht über ihren neuen Roman „Die zweite Welt“

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 Die Krimiautorin und Stadträtin in Stuttgart, Christine Lehmann hat auch einen Wohnsitz in Wangen. Hier ist ihr Roman „Die zwei
Die Krimiautorin und Stadträtin in Stuttgart, Christine Lehmann hat auch einen Wohnsitz in Wangen. Hier ist ihr Roman „Die zweite Welt“ entstanden. (Foto: Bac)
Babette Caesar

Christine Lehmann, Die zweite Welt. Roman. Ariadne/Argument Verlag, Hamburg 2019. 253 Seiten. 13 Euro.

Christine Lehmann, Jahrgang 1958 und geboren in Genf, hat mittlerweile an die 40 Bücher veröffentlicht, dazu Hörspiele, Glossen und Essays. Vor allem sind es ihre „Lisa Nerz“-Krimis, die die in Stuttgart lebende Autorin und zugleich Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Baden-Württemberg sowie seit 2015 Stadträtin im Gemeinderat für Bündnis 90/Die Grünen bekannt gemacht haben. Mit „Die zweite Welt“ legt sie ihren neuesten Fall vor, über den SZ-Mitarbeiterin Babette Caesar mir ihr sprach und über ihr Leben als „Teilzeit-Wangenerin“.

Der Titel „Die zweite Welt“ Ihres neues Romans mit der taffen Reporterin und Feministin Lisa Nerz gibt nicht so leicht zu erkennen, was sich dahinter verbirgt. Wie sind Sie darauf gekommen?

Der Roman spielt an einem einzigen Tag, dem Weltfrauentag am 8. März. Beim Stuttgarter Radiosender geht ein anonymer Drohanruf ein, während der Demo am Abend ein Blutbad anzurichten. Das ist im Wesentlichen der Plot mit Lisa Nerz als selbsternannte Ermittlerin, um den sich gesellschaftlich Brisantes zum Thema Feminismus entzündet. Nach einem passenden Titel habe ich lange gesucht. Er widerspiegelt gleich mehrere zweite Welten – die der Frauen, wie es die der muslimischen hochbegabten Schülerin Tuana ist, und die der Männer. Es gibt viele zweite Welten.

Was macht den Charakter von Lisa Nerz aus, die ja beide Seiten – die weibliche und die männliche – nach außen betont und das ganz ungeniert?

Lisa Nerz ist gar nie vorsichtig. Sie wird ganz oft in die Irre geführt und lehrt uns, bestimmte Dinge anders zu sehen. Daran habe ich einen Riesenspaß. Ich mache das zu meinem eigenen Vergnügen.

Was ist anders in ihren Krimis im Unterschied zum Mainstream?

Wir haben nicht am Anfang die Leiche. „Die zweite Welt“ ist eher ein Thriller, in dem es nicht nur darum geht, eine Bluttat zu verhindern, sondern in vielen Seitensträngen auch um Frauen, den Kampf um Gleichberechtigung und um Fremdenhass geht.

Da sparen Sie ja nicht mit dem entsprechenden Vokabular. Ist das eine passende Plattform gewesen, rechtsextremistische Worthülsen ins Bewusstsein zu rufen?

Ich denke, wir sollten in der Realität weniger eskalierend miteinander umgehen. Es ist ja zu beobachten, dass die sozialen Medien immer öfter von Hasskommentaren bereinigt werden. Auf meinen Blogs gibt es so etwas nicht.

Sie halten den Leser bis zum versuchten Anschlag am Schluss des Buches unter Spannung. Man hat das Gefühl, der Stoff schraubt sich langsam aber sicher immer weiter hoch?

Spannung zu erzeugen, war noch nie mein Problem.

Jetzt sind Sie nicht nur Buchautorin. Sie sind Mitglied im Netzwerk „Herland“, das für „Feministischen Realität in der Kriminalliteratur“ steht, und ganz explizit den weiblichen Blick auf die Welt richtet. Bis Sie Stadträtin im Stuttgarter Gemeinderat wurden, arbeiteten Sie beim Südwestrundfunk. Sie betreiben einen Fahrrad-Blog und gehen Rudern auf dem Bodensee. Und Sie sind „Teilzeit-Wangenerin“. Was steckt dahinter?

Die Großtante meines Mannes Bertram Maurer hat zu Lebzeiten bei der Erba gearbeitet. Sie hat uns ihr Haus vererbt. Wangen hat sich uns gekapert (sie lacht). Es ist die schönste Stadt im Umkreis. „Die zweite Welt“ habe ich letzten Sommer hier geschrieben.

Dann wäre da noch etwas, was Sie mit Wangen außer Fahrrad fahren, Schlafen und Essen verbindet. Ein Seitenstrang, der Sie alljährlich zur Narrenzeit ins Allgäu führt. Wie ist das zu Stande gekommen?

Ich habe 2007 für ein Hörspiel recherchiert und bin dabei auf die Narrenzunft gestoßen. Ob ich da mal mitspringen dürfte und bekam prompt ein Häs ausgeliehen, das ich später erwerben konnte. Seitdem bin ich mit dabei.

Christine Lehmann, Die zweite Welt. Roman. Ariadne/Argument Verlag, Hamburg 2019. 253 Seiten. 13 Euro.

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