Kreissparkassen-Vorstand Norbert Martin ist schwer erkrankt und hofft auf einen „genetischen Zwilling“

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„Es hat mir einfach die Füße unter dem Boden weggezogen“, beschreibt Norbert Martin jenen Moment, als er die Diagnose erhielt.
„Es hat mir einfach die Füße unter dem Boden weggezogen“, beschreibt Norbert Martin jenen Moment, als er die Diagnose erhielt. (Foto: Symbolbild: dpa/Matthias Balk / DPA)
Redaktionssekretariat

Eine Veranstaltung zur Registrierung potenzieller Stammzellspender ist in Coronazeiten nicht möglich. Daher rufen die MTG Wangen, der Lions-Club Wangen-Isny und andere Vereine sowie Institutionen zur Registrierung und Typisierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf. Testen und registrieren lassen können und dürfen sich alle Personen zwischen 17 und 55 Jahren. Die kostenfreie Testung ist ganz einfach und erfolgt mittels eines zugesandten Testset und einem darin enthaltenen Wattestäbchen, mit dem der einminütige Wangenabstrich gemacht werden kann. Danach muss der Test einfach wieder zum Briefkasten gebracht werden. Besonders junge Menschen sind prädestiniert, um zum Lebensretter zu werden.

Infos zur Registrierung finden sich online unter www.dkms.de/spender-werden. Hier geht es direkt zur Online-Aktion "Gemeinsam für Norbert: www.dkms.de/gemeinsam-fuer-norbert

„Es hat mir einfach den Boden unter den Füßen weggezogen“, beschreibt Norbert Martin jenen Moment, als er die Diagnose erhielt. Es war an seinem 61. Geburtstag, vor wenigen Wochen.

In der Region ist Norbert Martin als Marathonläufer, bodenständiger Kreissparkassen-Vorstand, Vorstandssprecher des Wirtschaftsforums pro Ravensburg, Vorstandsmitglied des FV Ravensburg und vieles mehr bekannt. Vielen Vereinen und Institutionen hat er schon geholfen. Nun benötigt er selbst Hilfe – und einen „genetischen Zwilling“. Der Sportkreis und der Sportverband Ravensburg unterstützen Aktionen des FV Ravensburg und der MTG Wangen für Norbert Martin und andere Betroffene und rufen zur Registrierung und Typisierung bei der DKMS auf.

Im Juni hat er noch am interaktiven Zwölf-Stunden-Lauf in Amtzell teilgenommen. Damals war für Norbert Martin und seine Familie die Welt in Ordnung. „Ich fühlte mich noch topfit“, erzählt Martin.

Kurz danach verletzte sich Sohn Emil – und ersetzte das Lauftraining mit Radfahren. „Ich lief nebenher“, sagt Martin. Doch der Ausdauerläufer musste regelmäßig nach zwei, drei Kilometern stehenbleiben, fühlte sich schlapp.

Herzproblem vermutet

Martin vermutete ein Herzproblem, ging zum Kardiologen: „Er sagte mir: Sie haben eine Blutkrankheit.“ Zwei Tage später wurde an einer Münchner Klinik Blut und Knochenmark entnommen.

Die Diagnose: Akute Leukämie. Ihr Krankheitsbild: aggressiv und sich sehr schnell im Körper verbreitend. „Im ersten Moment konnte ich es nicht begreifen. Dachte: Ich habe doch immer Sport gemacht, hatte im Alltag keine Beeinträchtigung“, erinnert sich der Wangener, der sogar eine Verwechslung in Betracht zog. Es dauerte, bis er das Erfahrene verarbeitet hatte.

Getrennt von der Familie und isoliert von der Außenwelt

Inzwischen hat er die erste Chemotherapie hinter sich. Ein Tag Infusion, ein Tag Pause, sechs Tage hintereinander. Die Auswirkungen waren erst eine Woche später zu spüren. Die Therapie ist hart – und überdies sehr risikoreich. Dennoch hätte die Krankheit ohne sie binnen weniger Wochen zum Tode geführt.

Kurz erklärt: Wie funktioniert eine Stammzellenspende?
Wer an Blutkrebs erkrankt, für den gibt es oft nur noch eine Möglichkeit, geheilt zu werden: Eine Stammzellenspende. Diese ist nicht kompliziert, die Suche nach dem genetischen Zwilling aber schon. Das müssen Sie über die Typisierung wissen.

Viel schlimmer als die Therapie sind für Norbert Martin aber die Rahmenbedingungen: getrennt von der Familie und absolut isoliert von der Außenwelt. Das ist notwendig, um sich nichts einzufangen. Denn das Immunsystem ist schon nach dem ersten Therapiezyklus geschwächt.

Wie und ob die bisherige Behandlung angeschlagen hat, weiß Norbert Martin noch nicht. Die Ärzte sprechen von einem planmäßigen Verlauf: „Allerdings dauert es bis zu drei Wochen, bis Erfolge oder Misserfolge sichtbar sind.“

Aktionen angelaufen

Was Martin aber jetzt schon weiß, ist, dass eine Chemotherapie alleine nicht hilft: „Dass ich eine Stammzellenspende brauche, steht nach Aussage der Ärzte fest.“ Ebenso ist klar, dass es sehr schnell gehen muss.

Zu Hause in Wangen, aber auch in Ravensburg und in seiner früheren Heimat Ludwigshafen am Rhein sind Aktionen angelaufen. Martin ist in vielen Vereinen beheimatet. Die Kreissparkasse und auch die Volksbank Allgäu-Oberschwaben haben ihre Unterstützung zugesichert.

Seine Freunde aus der MTG Wangen-Frühsportgruppe und des Lions-Club Wangen-Isny sind aktiv geworden – und haben die DKMS-Aktion „Gemeinsam für Norbert“ ins Leben gerufen. Allesamt suchen sie nach dem, was Norbert Martin und auch weitere Blutkrebserkrankte so dringend brauchen: Stammzellen eines „genetischen Zwillings“.

 Nobert Martin ist an akuter Leukämie erkrankt und benötigt dringend eine Stammzellenspende. Unser Bild wurde aufgenommen, bevor
Nobert Martin ist an akuter Leukämie erkrankt und benötigt dringend eine Stammzellenspende. Unser Bild wurde aufgenommen, bevor man die Erkrankung feststellte. (Foto: Robin Halle)

Wie es ihm inzwischen geht? „Den Umständen entsprechend ganz gut“, sagt Norbert Martin. Die Lungenentzündung, die es in den vergangenen Tagen zusätzlich zu überwinden galt, ist am Ausheilen, das Fieber wieder weg.

Seine Zeit verbringt Martin mit „Spaziergängen“ auf dem Klinikgang („Dort begegne ich nur dem medizinischen Personal“), Krankengymnastik, lesen und den Kontakten nach draußen: „Ich bekomme sehr viele Telefonanrufe und Nachrichten von vielen lieben Menschen.“ Dennoch belastet die Ungewissheit.

Da geht es auch einigen richtig schlecht.

Norbert Martin

In der Klinik sieht Martin auch viele andere Patienten, die das Krankheitsbild mit ihm teilen: „Da geht es auch einigen richtig schlecht.“ Was er Menschen, die bislang noch nicht in der Stammzellendatei registriert sind, mit auf den Weg geben möchte? „Ich bitte sie, anderen und mir zu helfen, die gerettet werden können und ohne Spender sterben werden.“

Gesund zu werden und mit der Familie wieder vereint zu sein, ist Norbert Martins Ziel. Dafür will und wird er kämpfen. Nicht alleine. Sondern mit vielen, die mit Norbert Martin nach einem Lebensretter suchen.

Eine Veranstaltung zur Registrierung potenzieller Stammzellspender ist in Coronazeiten nicht möglich. Daher rufen die MTG Wangen, der Lions-Club Wangen-Isny und andere Vereine sowie Institutionen zur Registrierung und Typisierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf. Testen und registrieren lassen können und dürfen sich alle Personen zwischen 17 und 55 Jahren. Die kostenfreie Testung ist ganz einfach und erfolgt mittels eines zugesandten Testset und einem darin enthaltenen Wattestäbchen, mit dem der einminütige Wangenabstrich gemacht werden kann. Danach muss der Test einfach wieder zum Briefkasten gebracht werden. Besonders junge Menschen sind prädestiniert, um zum Lebensretter zu werden.

Infos zur Registrierung finden sich online unter www.dkms.de/spender-werden. Hier geht es direkt zur Online-Aktion "Gemeinsam für Norbert: www.dkms.de/gemeinsam-fuer-norbert

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