„Klingende Stille“ verzaubert Publikum

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 Eine feine Mischung aus Latin, Blues, Soul und Jazz, dafür steht das niederländische Formation „The New Conrad Miller Trio“, di
Eine feine Mischung aus Latin, Blues, Soul und Jazz, dafür steht das niederländische Formation „The New Conrad Miller Trio“, die am Freitagabend im Wangener Jazzpoint gastierte. (Foto: Steinhauser)
Tine Steinhauser

Wangen - Ein recht voller Terminkalender hielt den niederländischen Pianisten und Komponisten Coen Molenaar lange Zeit von seinem großen Traum ab, mit dem Schlagzeuger Enrique Firpi und dem Kontrabassisten David de Marez-Oyens ein gemeinsames Album aufzunehmen. 2017 war es soweit: Die Drei produzierten ‚Sounding Silence‘, die klingende Stille, ein Debütalbum mit überwiegend eigenen Songs, das schnell internationale Resonanz fand.

Zwei Jahre später nun stehen sie kurz vor der Aufnahme der zweiten CD. Und zwar in Stuttgart. Da bot es sich doch an, auch im Wangener Jazzpoint auf die Bühne zu gehen. Zum ersten Mal besuchten die drei Musiker den Club. Nach dem Konzert am Freitagabend hatten sie ihre Fangemeinde um einige Wangener erweitert.

Zunächst war das Genre schwer zu klassifizieren, südamerikanische Rhythmen waren zu hören, Jazz-Elemente, Blues und Soul, eine gute Mischung eben. Ruhige Stücke kommen dabei heraus, Lyrik ohne Worte, man möchte sich einfach zurücklehnen und versinken.

„Da bin ich wieder“, sagte Molenaar gern nach Beendigung eines Stückes, auch er hatte sich offensichtlich ganz in die Klänge vertieft. „Wir spielen jetzt ein Stück von David. Immer wenn er eine Frau kennen lernte, erzählte er ihr, er hätte es speziell für sie geschrieben. Und er lernt viele Frauen kennen“, fügte Molenaar schmunzelnd hinzu.

Eines Tages hätten er und Firpi das nicht mehr hören können und beschlossen, das Musikstück auf CD aufzunehmen, damit der Frauenheld die Damen nicht mehr hinters Licht führen könnte. „Wir haben auch noch ein Stück, das bislang keinen Titel trägt“, so Molenaar, „es könnte also jetzt eine Dame zu David gehen, ihren Namen nennen und wir benennen das Lied gleich nach ihr“.

Wenn ein Holländerüber Bergsicht spricht

Das Stück „Bossa Calvito“, spanisch für Glatze, habe er für den Schlagzeuger geschrieben, so Molenaar mit einem freundschaftlichen Blick auf den Drummer Firpi, der tatsächlich schon die meisten seiner Haare gelassen hat. Doch Molenaar konnte auch über sich selbst lachen. Er habe als Nordholländer einen Song mit dem Namen „Mountain View“, Bergblick, geschrieben, nachdem sein Nachbar einige Fuhren Sand bestellt hätte, diese aber nicht sogleich verarbeitet hätte. „Mein achtjähriger Sohn kommentierte das so, dass ich für einen guten Bergblick doch nur an mir hätte herunterschauen müssen“, erzählte Molenaar mit einem Blick auf seinen rundlichen Bauch.

So war es nicht nur diese gefühlvolle und doch spritzige Musik, sondern auch die authentische, unaufdringlich sympathische Art der drei Musiker, die den Konzertabend zu einem einmaligen Erlebnis machte. Und der Name? „The Conrad Miller Trio“? Molenaar bedeutet Müller, die englische Version ist internationalen Musikgeschäft einfach geschmeidiger.

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