Kinder und Senioren profitieren von gemeinsamen Erlebnissen

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 Beide Seiten profitieren: Den Kindern wird ein respektvoller Umgang mit Senioren nähergebracht. Die Älteren erhalten Zugang zu
Beide Seiten profitieren: Den Kindern wird ein respektvoller Umgang mit Senioren nähergebracht. Die Älteren erhalten Zugang zu früheren sozialen Lebenswelten. (Foto: Stadt/Susanne Müller)
Schwäbische Zeitung

Immer mittwochs besuchen zehn Kinder der Kita „Im Ebnet“ das Matthäus Ratzeberger-Stift und verbringen mit ebenfalls zehn Senioren zwei gemeinsame Stunden. Das Programm wechselt von Woche zu Woche und wird durch Personal beider Einrichtungen professionell begleitet, teilt die Stadt Wangen mit. Beim Besuch kürzlich habe Malen auf dem Programm gestanden.

„Ich lasse hier alte Zeiten aufleben“

Zwei Kinder und zwei Senioren teilen sich einen Tisch. Gemalt wird zu zweit, ein Kind und ein Erwachsener. Über dem Raum liegt geschäftige Ruhe. Draußen ist an diesem Nachmittag zwar alles grün, doch drinnen heißt das Thema „Schneemann“. Zu sehen ist alles Mögliche: Der weiße Schneemann mit den drei bekannten Kugeln für Beine, Bauch und Kopf, aber auch völlig freie Interpretationen des Motivs finden sich. Heinz Roggenbuck malt selbst und hat deshalb großen Spaß an diesem Nachmittag. „Ich lasse hier alte Zeiten aufleben“, sagt er und gibt dem Schneemann seines Schützlings noch ein bisschen Form.

Ausgegangen ist die Kooperation von Angelika Schmitz, Erzieherin in der Kita „Im Ebnet“. „Ich habe früher mal in Berlin so etwas Ähnliches gemacht. Und jetzt habe ich die Vox-Doku ‚Wir sind klein, und ihr seid alt!’ im Fernsehen gesehen, die ganz ähnlich funktioniert“, sagt sie. Als Sie damit zu ihrer Kita-Leiterin Teresa Fernandes kam, war diese begeistert. „Ich habe sofort gesagt, ‚Mach! Kümmere dich!’“, erzählt Fernandes.

Enkel sind für Senioren oft weit weg

Tanja Stark, die seit dem Sommer Hausdirektorin im Matthäus-Ratzeberger-Stift ist, habe das Projekt von Anfang an befürwortert und unterstützt. „Für mich war sofort klar, dass das Projekt hier im Matthäus-Ratzeberger-Stift stattfinden muss“, erzählt sie. „Alle profitieren von den gemeinsamen Erlebnissen – unsere hochbetagten Bewohner ebenso wie die Kinder.“ In der Lebenswelt vieler Senioren seien die Enkel oft weit weg. Kinder in dieses Alters seien also selten in ihrer Umgebung. Ähnliches gelte umgekehrt auch für die Kinder, die oft weit weg von Oma und Opa aufwachsen und deshalb nur wenig Gelegenheit zum Kontakt mit alten Menschen haben. So kommen alle aus ihrem gewohnten Alltag, lernen miteinander und haben Spaß zusammen.

Auch bei den Kindergarteneltern stieß das Angebot laut Mitteilung sofort auf Gegenliebe. Dass die Kinder hier wichtige Erfahrungen machen, habe sich schnell gezeigt. Jessica Bradtke, Mutter von Finn, erzählt, dass ihr Sohn inzwischen ganz genau weiß, wann es wieder ins Matthäus Ratzeberger-Stift geht. „Und er legt auch großen Wert darauf zu sagen, dass sie ins ‚Seniorenheim’ gehen – und nicht zu alten Leuten“, erzählt sie. Ein wesentliches Ziel des Projekts sei damit wohl erreicht, das da heißt, den Kindern einen respektvollen, wertschätzenden Umgang mit Senioren näherzubringen und emotionale Beziehungen herzustellen. Und umgekehrt den Senioren einen Zugang zu früheren kommunikativen, sozialen Lebenswelten zu ermöglichen und Erinnerungen wachzurufen.

Projekt soll es längerfristig geben

Im Spätherbst startete das Projekt, das es laut Mitteilung längerfristig geben soll. Neben Angelika Schmitz ist von der Kita auch die Fachkraft für den Kita-Einstieg, Kordula Schreiner, im Boot, vonseiten des Matthäus-Ratzeberger-Stifts sind die Alltagsbegleiterinnen Elisabeth Herz und Tina Langemair beteiligt. Für alle sei der Nachmittag mit den Kindern inzwischen schon eine Institution, was sich in den Weihnachtsferien zeigte. „Im Trubel war vergessen worden zu sagen, dass in den Ferien das Treffen mit den Kindern ausfällt. Die Enttäuschung darüber war groß“, berichtet Tanja Langemair.

Der Nachmittag endete mit gemeinsamen Sing- und Klatschspielen. Und das Programm für den folgenden Mittwoch sei bereits erfreut zur Kenntnis genommen worden, heißt es. Es solle gespielt werden. Wieder eine Möglichkeit, für Heinz Roggenbuck und seine Mitbewohner im Heim, die Vergangenheit aufleben zu lassen.

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