Kantorei hebt musikalischen Schatz

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 Die Kantorei der Evangelischen Stadtkirche sowie die Solisten Álvaro Tinjacá-Bedoya und Christian Feichtmair (vorne rechts), in
Die Kantorei der Evangelischen Stadtkirche sowie die Solisten Álvaro Tinjacá-Bedoya und Christian Feichtmair (vorne rechts), instrumental begleitet von Julia Beemelmans, Susanne Steingrüber, Heidrun Kürzinger, Eva Kuhn, Christina Dürr und Christoph Heinz (von links). (Foto: Veranstalter)
Schwäbische Zeitung

Bei einem Konzert an Palmsonntag hat die Kantorei der Evangelischen Stadtkirche in Wangen unter der Leitung von Kantor Matthias Kiefer ihre Zuhörer tief bewegt. Das bewies die lang andauernde Stille vor dem einsetzenden Applaus. Aufgeführt wurde die um 1700 komponierte, heutzutage sehr selten gespielte Johannespassion von Alessandro Scarlatti in deutscher Sprache. Instrumental begleitet wurde die Darbietung von dem um einen Kontrabass erweiterte Augustin Quartett. Am Orgelpositiv spielte Kirchenmusikerin Christina Dürr aus Isny.

Den größten Teil des knapp einstündigen Werks, des Evangelisten, interpretierte der kolumbianische Countertenor Álvaro Tinjacá-Bedoya in der Stimmlage des Altus. In anfänglich vorsichtig herantastend, nach kurzer Zeit jedoch souverän gemeisterter Manier waren seine gefühlvoll ausgestalteten Parts geradewegs dazu geeignet, in den Evangelientext einzutauchen. Für Hörer heutiger Zeit können die durch das Continuo (Orgel und Violoncello) gestützten Rezitative, eine Art Sprechgesang, fremdartig wirken.

Tinjacá-Bedoya wusste sein Publikum vom Gegenteil zu überzeugen. Er nahm die Zuhörenden mit ansteckender, innerer Anteilnahme und gutem Textverständnis mit in das dramatische Geschehen der Karfreitagsliturgie. Als angehender Kenner der Alte-Musik-Szene ermöglichte er es, sich den meditativen Schönheiten der Passionsmusik zu öffnen.

Der bei zahlreichen Konzerten in Wangen wirkende Bariton Christian Feichtmair verlieh dem Jesuspart in Scarlattis Passionsmusik das erforderliche, tief zu Herzen rührende stimmliche Timbre. Sein Engagement war ein Glücksgriff und trug entscheidend zum Gelingen des gesamten Werks bei.

Gut präpariert sang die Kantorei unter der sicheren Stabführung von Matthias Kiefer die stets kurz gehaltenen Chor-Einwürfe der Hohenpriester, Juden und Soldaten. Unter die sogenannten Soliloquenten, die einzeln auftretenden Personen in der Passion, hatte sich Pfarrer Martin Sauer als Sänger gemischt.

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