Kamerunsonntag behandelt Fluchtursachen

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 Benjamin Strasser und Pfarrer Volker Kühn bei der Gesprächsrunde am Kamerumsonntag in Wangen
Benjamin Strasser und Pfarrer Volker Kühn bei der Gesprächsrunde am Kamerumsonntag in Wangen (Foto: Veranstalter)
Schwäbische Zeitung

Beim jährlich stattfindenden Kameruntag wird die seit nunmehr 20 Jahre anhaltende Partnerschaft des evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg zur Presbyterianischen Kirche Fako South im Südwesten von Kamerun vorgestellt. Dieses Jahr war der Partnerschaftsausschuss in der evangelischen Kirchengemeinde in Wangen zu Gast. Das Thema dieses Kamerunsonntags lautete „Fluchtursachen bekämpfen“. Dazu hatte der Ausschuss Benjamin Strasser (MdB, FDP) zu einem Vortrag mit Gesprächsrunde gewinnen können.

Der Tag begann mit einem Gottesdienst. In seiner Predigt erklärte Pfarrer Volker Kühn, Ailingen, der auch Vorsitzender des Kamerunausschusses ist, den augenblicklichen Stand der Partnerschaftsarbeit. Seit Herbst 2016 herrschen im Südwesten Kameruns bürgerkriegsähnliche Zustände. 500 000 Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht und ungefähr 50 000 sind in die Nachbarländer geflohen. Was jahrelang in der Partnerschaft gut funktionierte, gegenseitige Besuche, reger Austausch und finanzielle Unterstützung, ist beinahe vollständig zum Erliegen gekommen.

Nach dem anschließenden Kirchenkaffee wurde in einem Vortrag von Benjamin Strasser das Thema „Fluchtursachen bekämpfen“ von politischer Seite aus beleuchtet. Er sprach zunächst über die Hintergründe des Konflikts in Kamerun. Der Staat Kamerun startete seine Unabhängigkeit mit einer föderalen Struktur und zweisprachigen Gebietsanteilen. Der Südwesten war im Bildungs- und Rechtssystem von der englischen Kolonialmacht geprägt, der größere Teil des Landes von der französischen. Von 1972 an wurde immer wieder versucht, die französischen Systeme im ganzen Staat durchzudrücken. Das förderte Autonomiebestrebungen im Südwesten des Landes. Durch die jüngsten Unruhen, bei denen die Regierung mit unnachgiebiger Härte gegen die in ihren Augen terroristischen Gruppen vorgeht, sind diese Autonomiebestrebungen überholt. Jetzt kämpfen mehrere Gruppen für ein unabhängiges Ambazonien.

Strasser nannte Stichpunkte für einen Frieden in Kamerun: Auf allen Ebenen müssen Parlamentarier die Gespräche in Gang bringen, sowohl auf EU-Ebene, als auch bei der UNO und Weltbank. Entwicklungsprogramme müssen entsprechend gesteuert werden, sodass die Bevölkerung davon profitiert und nicht das autokratische Regime.

Zur Bekämpfung von Fluchtursachen hätten vor Ort Perspektiven zu entstehen, damit die Menschen dort gute Lebenschancen haben. Die EU muss eine Strategie mit gemeinsamen Zielen entwickeln, um sicher zu gehen, dass die Mittel auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Die Menschen sollen befähigt werden, selbst die Wirtschaft in ihrem Land aufzubauen.

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