Zwei Wochen nach Brand bei Wangen: Viel Hilfsbereitschaft für betroffene Familie

 Markus Stemmer steht vor den Resten seines einstigen Wohnhauses in Leupolz. Die Familie ist verzweifelt, hat jetzt aber wieder
Markus Stemmer steht vor den Resten seines einstigen Wohnhauses in Leupolz. Die Familie ist verzweifelt, hat jetzt aber wieder Hoffnung, denn die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß. (Foto: swe)
Redaktionssekretariat

Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Familie Stemmer in Leupolz ihren wohl härtesten Schicksalsschlag erlitt und bei einem Großbrand ihr Hab und Gut verlor. Ihr Schicksalsschlag erschütterte viele. Groß war die Betroffenheit und in der Folge die Welle der Hilfsbereitschaft.

Bei den Familienmitgliedern gingen viele E-Mails, SMSen, Whatsapp- und andere Nachrichten ein. Die „Schwäbische Zeitung“ erreichten etwa 120 Anrufe und E-Mails. Von der Wohnung über Möbel bis hin zum Tierfutter für die drei Katzen und Hund Enjo war alles an Angeboten dabei.

Fast 14 000 Euro eingegangen

Auch das Konto der SZ-Nothilfe hat sich innerhalb kürzester Zeit beträchtlich gefüllt: Rund 14 000 Euro sind bereits eingegangen. Es waren aber nicht nur die Geld- und Sachspenden, die die Familie zutiefst berührten. „Es hat Kraft gegeben und hält einen aufrecht, dass so viele Menschen sich um uns sorgen“, sagt Sylvia Stemmer. Doch wie ist es für die Familie in dieser Woche weitergegangen?

 Ein Raub der Flammen wurde das Gebäude, hier von der Giebelseite betrachtet, bei dem verheerenden Brand vor rund zwei Wochen.
Ein Raub der Flammen wurde das Gebäude, hier von der Giebelseite betrachtet, bei dem verheerenden Brand vor rund zwei Wochen. (Foto: swe)

Sylvia und Markus Stemmer sind aus der Wohnung der Tochter wieder ausgezogen und leben derzeit mit ihrem jüngsten Sohn Jannik in einem Ferienhaus bei Kißlegg. Am Mittwoch konnte auch der Großvater nach seinem Sturz aus dem Krankenhaus entlassen werden und kehrte zu seiner Familie zurück.

Sohn Steffen hat bei seiner Freundin in Altshausen Unterschlupf gefunden. Sohn Philipp bekam eine kleine Wohnung in Leupolz. Für das Essen sorgten in dieser Woche häufig die Nachbarn. „Wir haben auch viele Kleiderspenden erhalten“, erzählt Sylvia Stemmer.

Familie kommt in einem kleinen Weiler unter

Während Vater Markus täglich am Ort des Geschehens ist, sich um die zahlreichen Gutachter und Amtsvertreter kümmert, sorgen sich Frau und Tochter um die Beschaffung von Dokumenten, Kleidung, das Prüfen der Angebote und vieles andere. Klar ist zwischenzeitlich auch, wo die persönliche Reise Anfang Juni hingehen wird: Stemmers werden in einem Haus in einem kleinen Weiler bei Leupolz unterkommen, in dem es vor vielen Jahren ebenfalls einmal gebrannt hat.

„Was meine Eltern und Brüder dort genau noch brauchen, lässt sich im Moment noch nicht sagen“, sagt Corinna Stemmer. Und: „Es kann sein, dass wir uns bei einigen erst in drei, vier Wochen melden werden.“ Erst dann erfolgt der Umzug ins zur Verfügung gestellten Haus. Erst dann wird sich klären, was gegebenenfalls wo gestellt werden kann und noch gebraucht wird. Akribisch hat Corinna Stemmer alle Angebote aufgelistet – um dann schnell reagieren zu können.

Angeboten wurden auch mehrere Hörgeräte für den höreingeschränkten Philipp. Die Verwendung eines fremden Hörgerätes ist allerdings nicht so ohne weiteres möglich. „Bei ihm wird der Gehörgang ausgemessen, das Innenteil speziell angepasst“, erläutert seine Mutter. Der äußere, kaum sichtbare, weil sehr kleine und unscheinbare Teil muss kompatibel sein mit Handy, TV und PC, sodass es mit dem Handy steuerbar ist.

Als Maurer muss Philipp sowohl Lärm aushalten als auch das Rufen des Chefs oder der Kollegen wahrnehmen.

Zwei Hörgeräteakustiker haben sich bei den Stemmers gemeldet, die Zusage der Krankenkasse für einen Teil der Kosten liegt bereits vor. Und: Die Finanzierung des Hörgeräte-Eigenanteils ist dank der SZ-Leser und ihrer Spenden inzwischen gesichert. Ein Herzenswunsch der Familie hat sich damit knapp eine Woche nach dem SZ-Aufruf bereits erfüllt.

Nie mit dieser Hilfsbereitschaft gerechnet

„Mir sind in dieser Woche häufiger die Tränen gekommen“, erzählt Corinna Stemmer. So überwältigt ist sie davon, was ihnen alles an Gutem widerfahren ist: „Damit haben wir in diesem Ausmaß nie im Leben gerechnet.“ Fast schon entschuldigend sagt Sylvia Stemmer: „Wir sind fast schon überfordert und haben uns wirklich über alles gefreut. Wir schaffen es aber nicht, uns bei allen einzeln zu bedanken.“

Laut Markus Stemmer ist die Brandursache noch immer nicht ermittelt. Verschiedene Gutachter waren in der Zwischenzeit in Leupolz, haben Proben gezogen, die ausgewertet werden. Eines aber ist sicher: Die Familie schaut wieder mit deutlich größerer Zuversicht nach vorne.

Dank an jeden einzelnen Spender

Mich hat diese Woche wieder einmal gelehrt: Es gibt nichts, was sich nicht gemeinsam stemmen lässt. Ich bedanke mich ganz persönlich und selbstverständlich auch im Namen der Familie Stemmer bei jedem Einzelnen für das große Engagement und die breite Empathie.

Die „Schwäbische Zeitung“ wird die Familie weiterhin begleiten und in unregelmäßigen Abständen auch immer wieder darüber berichten, wie es ihr ergangen ist. Nicht voyeuristisch, sondern human und transparent, damit auch Sie, liebe Leser darüber informiert sind, wie sich das „Gemeinschaftswerk“ Familie Stemmer weiterentwickelt.

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