Fünf Autoren ziehen Publikum in den Bann

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Lisa Mair

Im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals hat die 15. Wangener Lesebühne viele Besucher willkommen heißen dürfen. Es wurden Premieren gefeiert, und es wurde mitgefiebert. Die fünf Autoren zogen ihre Zuhörer mit Gedichten, Kurzgeschichten und Buchauszügen in ihren Bann und sorgten für einen gemütlichen Ausklang des Donnerstagabends. Dorothea Haney und Jutta Maag verliehen den Geschichten mit ihrer Vielfalt an Instrumenten den passenden Nachklang.

Die Wangenerin Diemut Bek, Organisatorin des Literaturabends, wurde 1960 geboren und übernahm 2016 die Lesebühne. Die Biobäuerin hat mit „Schillers Wolkenkind“ ein eigenes Buch veröffentlicht. Sie beschrieb den Schreibvorgang mit folgenden Worten: „Wer schreibt, hält seine Gedanken fest und lässt sie dennoch frei.“ Mit der Lesebühne möchte sie Autoren und Schreiberlingen aus Wangen und Umgebung die Möglichkeit bieten, sich zu präsentieren.

Verrückte, romantische Gedichte

Mit seinen verrückten, romantischen und ernsten Gedichten hat Wolfgang Mach den Abend eröffnet. Er wurde in Ludwigsburg geboren und lebt seit 1973 in Wangens Umgebung. Er behauptete, er habe sich schon immer mit Worten „herumgeschlagen“. Er arbeitete als Ghostwriter und war im Journalismus tätig. 1964 stieß er das erste Mal auf Lyric von Guiseppe Ungaretti zusammen, wodurch seine Leidenschaft für Gedichte neu entflammte und welche er bis heute zum Vorbild hat.

Seine Gedichte sind bereits zahlreich veröffentlicht worden. Vor vier Jahren gewann er den ersten Preis des „Lyricwettbewerbs 2015“. Sein persönliches Merkmal sei, dass er „von realen Fantasien zu surrealen Wirklichkeiten stolpert“. Mit seinem verrückten Gedicht „Saldo der Gedanken oder ein Sommertag stirbt“ gelang ihm ein fesselnder Einstieg. Die Inspiration für sein Naturgedicht habe er in einer Reise nach Grönland gefunden. Am Donnerstagabend wagte er sich jedoch, aus den eingefahrenen Schienen auszubrechen und er versuchte sich in einem neuen Genre der Lyric: der Prosa. Seine Worte wurden von einem Lied über die Erde mit Trommel und Gesang untermalt.

Rasantes Lesetempo

Die 16-jährige Lisa Mair präsentierte sich als wohl jüngste Autorin des Allgäus. Ihr Durchbruch gelang ihr 2018 mit ihrem Jugendkrimi „Mord an unschuldigen Herzen“. Bei der Lesebühne las sie ihre Kurzgeschichte „Bevor der Traum zur Wirklichkeit wird“ vor. Mit dieser ist sie 2018 nationale Gewinnerin eines Schreibwettbewerbes geworden. Mit ihrer lebensfrohen Art und ihrem rasanten Lesetempo zeigte sie den Gästen mit ihrer bewegenden Geschichte, wie wichtig es ist, jeden Moment zu genießen und dass unsere „To-do-Liste“ auch ruhig mal leer bleiben darf. Laut ihr solle man sich mehr auf das Schicksal einlassen. Sie brachte zum Ausdruck, dass es ihr großes Traum ist, eines Tages Bestsellerautorin zu sein.

Anders versüßte die gebürtige Münchnerin Gerda Etti, die in Wangen ihre zweite Heimat gefunden hat, den Abend. Nachdem sie Lyrikbände, Kurzgeschichten, Theaterstücke für Schüler und Märchen geschrieben hat, erschien der zweite Teil ihres Mallorca Romans „Wenn die Lüge ein Lächeln hat“. Bei der Lesebühne stellte sie verschiedene Gedichte unter dem Begriff „Blickwinkel“ vor, wie etwa „Moment“, „Begrenzung“ und ihren Lieblingstext „Verlust“.

Umzüge führten zum Schreiben

Nachwuchsautor Eike Früchtnicht aus Kempten darf sich stolz als jüngster Literaturblogger betiteln. Er verfasst Rezensionen für namhafte Autoren und Verläge. Früher sei er der „typische Nicht-Leser“ gewesen. Seine Begeisterung lag eher im Basketball- und Fußballspielen. Die Leidenschaft für das Schreiben entflammte erst nach mehreren Umzügen, wie etwa von Bremen nach Hamburg und schließlich nach Kempten. Durch das Schreiben hatte er die Möglichkeit, sein Leben und alle negativen Gedanken zu verarbeiten. Mit der Veröffentlichung seines Buches konnte er damit abschließen und das Negative hinter sich lassen. Der Donnerstag war insofern eine Premiere für ihn, d er aus seinem neuen Buch „ein Herz in deiner Hand“vorlase, das an diesem Tag veröffentlicht wurde.

Den Abschluss bildete Alexandra Scherer. Sie wurde 1962 in Wangen geboren und wuchs auch dort auf. Nach eigener Charakterisierung nehme sie kein Blatt vor den Mund und die neue deutsche Rechtschreibung zähle nicht zu ihren Stärken. Kommas, Punkte und Ausrufezeichen werden bei ihr aus dem Bauch heraus gesetzt. Ihr Spezialgebiet liegt im freien Schreiben. Am Donnerstagabend erklärte sie den Lesebegeisterten mit ihrer kriminellen Kurzgeschichte „Kleines Anglerlatein“, woher das gespaltene Verhältnis der Menschen zu Aalgerichten komme. Die Geschichte stammt aus ihrem 2016 erschienenen Buch „Plotpourri, kleiner krimineller Ratgeber“. Mit ihrer kindgerechten Erzählung und ihrer direkten Art brachte sie die Zuhörer zum Lachen und ließ sie mitfiebern.

Die Musikerinnen ließen den Abend mit einem irischen Stück ausklingen. Anschließend konnte man noch mit den Autoren ins Gespräch kommen.

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