Ex-Kindersoldat kommt hinter Gitter

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 Wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde ein Angeklagter vom Amtsgericht Wangen zu einer dreieinhalb Monate dauernden Gefän
Wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde ein Angeklagter vom Amtsgericht Wangen zu einer dreieinhalb Monate dauernden Gefängnisstrafe verurteilt. (Foto: Volker Hartmann/dpa)
Nikolai Kytzia

Wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung war ein Mann vor dem Wangener Amtsgericht angeklagt. Außerdem hatte er sich wegen Trunkenheit beim Fahrradfahren zu verantworten. Die Gesamtstrafe beläuft sich auf drei Monate und zwei Wochen Gefängnis.

Erst ging es um das kleinere Delikt, das Fahrradfahren. „Weiß er, ob betrunken Fahrradfahren in Deutschland verboten ist?“, fragte der Richter den anwesenden Übersetzer. Der Angeklagte verneinte, woraufhin der Richter meinte, Unwissenheit schütze vor Strafe nicht.

Der Tatort des anderen Vorfalls war der Parkplatz eines Supermarkts gegenüber der Asylbewerberunterkunft des Angeklagten. In dieser Unterkunft entwickelte sich ein Streit zwischen einigen Bewohnern. „Die haben immer lauter geschrien und irgendwann hat der Angeklagte eine Weinflasche über die Straße geworfen“, so der geschädigte Kleingewerbetreibende, der sich auf dem Supermarktparkplatz gegenüber der Asylunterkunft befand. Da sich der Streit zunehmend auf den Supermarktparkplatz verlagerte, meinte der Mann irgendwann zu dem Angeklagten, er solle sich beruhigen und erst einmal wieder in seine Unterkunft zurück.

Daraufhin sei der Angeklagte aggressiv gegenüber dem 52-Jährigen geworden und habe ihn geschubst und anschließend mit einem Messer bedroht. Der Angeklagte selbst bestritt dies, er habe nach eigenen Angaben nur mit der kaputten Flasche herumgefuchtelt. Außerdem sei er bei dem Vorfall leicht alkoholisiert gewesen. „Ich muss dazu sagen, er hat immerhin den Mut gehabt, sich im Nachhinein bei mir zu entschuldigen“, so der Geschädigte. „Er meinte, er war alkoholisiert, hat mir dann auch die Hand gegeben.“ Seitdem bestehe zwischen den beiden ein freundschaftliches Verhältnis. „Er hat mir sogar mal sein Handyladekabel ausgeliehen, als ich meines vergaß.“

In psychiatrischer Behandlung

Es wurde ein Sachverständiger zu Gericht geladen, der sich mit der psychischen Situation des Angeklagten beschäftigte. Der Angeklagte wurde nach eigenen Aussagen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren dazu gezwungen, in Sudan im Krieg zu kämpfen. Deshalb, und aufgrund anderer traumatischer Erlebnisse, hatte er sich schon zuvor in psychiatrische Behandlung begeben müssen.

Der Sachverständige sollte nun darlegen, ob der Angeklagte eventuell aus diesen Gründen eingeschränkt schuldfähig sei. Der Mediziner kam zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist, und der Angeklagte in dieser Situation voll und ganz eigenständig handelte.

„Auf jeden Fall geht von ihm ein gewisses Aggressionspotenzial aus. Vielleicht hat der Mann Glück gehabt, dass bei ihm kein Messer im Kreuz gelandet ist“, so der Richter. Aus diesem Grund gewährte der Richter auch keine Strafe auf Bewährung, wie von der Staatsanwältin vorgeschlagen. „Auch wenn der Zeuge sagt, dass der Angeklagte eigentlich ein netter Kerl ist: Weitaus wichtiger für eine Bewährungsstrafe ist, dass der Angeklagte in Zukunft nicht mehr straffällig wird.“

Da er selbst nach mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland kein Deutsch spricht und keine wirklichen sozialen Bindungen hat, verhängte der Richter eine Strafe von dreieinhalb Monate Gefängnis ohne Bewährung.

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