„Erschreckend arm, aber nicht unglücklich“

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Anja Worschech

Die Rückkehr nach Deutschland war für Thomas Kaleja vom Technischen Hilfswerk (THW) Lindenberg der größere Kulturschock. „Wir können hier den Hahn aufdrehen und es kommt Wasser. Und wir haben ein Haus, wo jeder ein eigenes Zimmer hat. Da lernt man den Luxus wieder schätzen“, sagt der 38-Jährige.

Kaleja verbrachte vier Wochen in Mosambik – ohne fließendes Wasser und Strom. „Es ist erschreckend, wie arm die Bevölkerung dort ist“, sagt er. Das Leben spiele sich größtenteils auf der Straße ab. Das beeindruckende: Trotz der ärmlichen Verhältnisse seien die Menschen in dem südostafrikanischen Küstenstaat nicht unglücklich, sagt der 38-Jährige. Der zweifache Familienvater, der in Wangen-Karsee lebt, leistete mit der sogenannten „Schnellen Einsatz-Einheit Wasser Ausland“ ehrenamtlich Nothilfe.

Im März ist der tropische Sturm Idai über Mosambik hinweggefegt – und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Der Zyklon zerstörte einen Großteil der Hütten und Brunnen – und damit eine wichtige Lebensgrundlage für die Einheimischen. Verschmutztes Oberflächenwasser schwemmte in die Brunnen. Die Mission des 15-köpfigen Helfer-Teams lautete daher, die Trinkwasserversorgung für den 4500-Seelen-Ort Nhangau wieder aufzubauen und die Brunnen zu reparieren. Zudem war Kaleja als ausgebildeter Rettungsassistent und Krankenpfleger für die medizinische Versorgung des Teams zuständig. Vor allem kümmerte er sich um die Malaria-Prophylaxe und versorgte kleinere Quetschwunden seiner Kollegen. Normal bei der harten Arbeit, sagt Kaleja. Hart sei die Arbeit aber auch wegen der Temperaturen um die 30 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit gewesen.

Da bei etlichen Brunnen die mechanische Pumpe durch den Sturm kaputt gegangen war, hatten die Einheimischen die Abdeckungen aufgebrochen, um mit Kanistern, die an Seilen befestigt waren, an das Wasser in den Schächten zu gelangen. Damit konnten Keime in das Grundwasser eindringen. Groß war deshalb die Gefahr, dass Cholera, eine lebensgefährliche Durchfall-Erkrankung, ausbricht. Hinzu kommt, dass die Menschen keine Toiletten nach westlichem Standard kennen, sondern die Natur nutzen. Ein weiterer Grund, warum oft Bakterien in das Grundwasser geraten, wenn das Gebiet überschwemmt wird.

Die Helfer machten sich also daran, die Brunnen in Stand zu setzen. Dazu pumpten sie die Schächte leer, reinigten sie mit Chlor, spülten sie mehrfach aus und reparierten die Pumpensysteme. Nach zwei Einsatz-Monaten lag die Bilanz bei 25 sanierten Brunnen, die wieder genutzt werden konnten. Mit einer Wasseraufbereitungsanlage stellte das THW die Versorgung während der Reparaturphase sicher. Die Maschine wandelt innerhalb einer Stunde 5000 Liter in Trinkwasser um. Die Qualität wird dabei streng überwacht. Mit einem Truck wurde das Wasser in die umliegenden Siedlungen transportiert.

Die Hilfe in Mosambik ist ein „Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Kaleja nachdenklich. Und trotzdem sei sie nachhaltig, ist er überzeugt. In dem Gebiet ist durch die Nothilfe des THW keine Cholera ausgebrochen. Zudem sorgte das Team dafür, dass das Krankenhaus und der Bäcker wieder Strom hatten, um die Region zu versorgen. Die Bevölkerung sei dankbar für die Hilfe gewesen.

Kontakt per Video-Anruf

Zurück in Deutschland war Kalejas Freude riesig, seine zwei Kinder wieder in die Arme zu schließen. Per Video-Anruf hielt er während seines Einsatzes Kontakt. Er weiß aber auch: „Es braucht eine starke Frau, die das mitträgt.“

Kalejas Antrieb ist es schlichtweg zu helfen. Das Elbe-Hochwasser 2002 war der Auslöser für ihn, zum THW zu gehen. Auch sein Bruder war damals schon Mitglied. „Es ist wie ein Familientreff.“ Für Kaleja wird es nicht der letzte Hilfseinsatz gewesen sein.

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